25.02.2006   |   Getränkekarton-Produktion

Druckchemikalie ITX sorgt weiter für Unruhe

Von Clemens von Frentz

Neue Funde von belasteten Säften in Kartons von Tetra Pak und Elopak zeigen, dass die kontaminierte Ware offenbar immer noch verkauft wird. Die DHU spricht von einer "Entsorgung durch Kinderkehlen"

(dmnet) Bei der fünften Staffel der von der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) veranlassten ITX-Untersuchungen wurden zum wiederholten Mal Maximalwerte von über 400 Mikrogramm Isopropylthioxanthon (ITX) pro Kilogramm (µg/kg) gefunden. ITX wird als so genannter Photoinitiator im Offsetdruck eingesetzt und dient der Aushärtung der UV-Farben bei der Herstellung der Getränkekartons.

Acht von dreizehn in den letzten Tagen getesteten Produkten waren mehr oder weniger stark kontaminiert. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: "Damit erweist sich die Behauptung der Verpackungsindustrie, mit der Produktionsumstellung auf ITX-freie Druckverfahren sei das Problem spätestens seit Ende Januar 2006 gelöst, als reine Vernebelungstaktik."

Ein der DUH vorliegender, interner Vermerk zu einem Gespräch im Haus von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer am 16. Februar belegt laut Resch zudem die Absicht von Industrie und Ministerium, auch solche Produkte weiter zu verkaufen, die ihr Verfallsdatum erst Ende 2006 oder noch später erreichen. Bis dahin sollen Verbraucher die ITX-Säfte konsumieren, ohne dass die Frage der Toxizität geklärt wird.

Resch wörtlich: "Verbraucherschutzminister Seehofer will offenbar die Entsorgung von ITX-haltigen Getränken durch Kinderkehlen. Wir sind fassungslos über das Ausmaß an Dickfelligkeit und Zynismus, mit dem die Industrie nun schon seit Wochen auf Kosten der Verbraucher ihre Interessen erfolgreich durchsetzt. Horst Seehofer muss sich fragen lassen, ob er derart belastete Säfte auch seinen eigenen Kindern oder Enkeln zu trinken geben würde."

Pikantes Detail: Spitzenreiter der jüngsten Analysen ist ausgerechnet der "Multi-Vitamin-Saft hohes C" von Eckes-Granini, der als 0.2-Liter Kinderpackung verkauft wird. Gemessen wurde eine Belastung von 405 µg/kg. Das Getränk ist in Kartons der Firma Tetra Pak abgefüllt, gekauft wurde der Saft bei einer Kaufland-Filiale in Berlin-Tempelhof.

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