Meine Meinung

Wirkungsvoll, aber nicht ungefährlich

Medikamente und Subventionen haben etwas gemeinsam.

Theoretisch ist die Sache ganz einfach: Der Drucker druckt, der Maschinenbauer baut Maschinen und der Verlag verlegt Zeitungen und jeder bekommt die Frucht seiner Arbeit bezahlt. Ist die Frucht nicht attraktiv für den Kunden, gibt es auch kein Geld und der Drucker, der Maschinenbauer und der Verlag hat ein Problem. Eigentlich ganz einfach.



Manchmal allerdings taucht ein besonderer Kunde auf und möchte von dem Drucker, dem Maschinenbauer und dem Verlag etwas, das eigentlich nicht sein Geschäft ist: Zum Beispiel einen neuen Standort zu eröffnen, dort, wo er eigentlich nie einen Standort eröffnen wollte; Menschen zu beschäftigen, die er eigentlich nicht beschäftigen will oder kann oder ein Produkt zu produzieren, das er unter normalen Umständen nicht produzieren würde.



Richtig, dieser besondere Kunde ist die öffentliche Hand und das Geschäft nennt sich Subvention. Es kann lohnend sein, wenn man es beherrscht, doch ist es nicht ungefährlich. Die Gefahr ist, dass die Prioritäten verrutschen und nicht mehr die wirtschaftlich vernünftige Entscheidung im Vordergrund steht, sondern der Zwang, die Verpflichtungen zu erfüllen, die man sich mit der Annahme von Subventionen eingehandelt hat – und die Gier auf einen Nachschlag.



Am Ende aber ist ein Unternehmen, das nur von Steuergeldern am Leben gehalten wird, kein Unternehmen mehr. Und bezahlen müssen wir alle, denn das Geld sprudelt in Deutschland nicht aus dem Ölbohrloch, sondern kommt vom Steuerzahler – von mir und von Ihnen. Insofern gelten mein Dank und meine Anerkennung den wackeren Rollenoffsetdruckern der EWA, die auf ihrer Jahrestagung das Ansinnen zurückgewiesen haben, sich den Strukturwandel ihrer Branche mit EU-Mitteln erleichtern zu lassen.



Ein schöner Schlusssatz, eigentlich, aber so einfach ist es mit den Subventionen dann doch nicht: Die Erfahrung des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass klug eingesetzte Subventionen wie das Kurzarbeitergeld für alle Beteiligten sinnvoll sein können: Der Arbeitnehmer behält seinen Job, das Unternehmen das Know-how und die öffentliche Hand muss nicht die Kosten der Arbeitslosigkeit tragen.



So ist es am Ende wie mit einem potenten Medikament mit Nebenwirkungen: Der Gesunde sollte die Finger davon lassen, der wirklich Bedürftige sollte sich nicht scheuen es zu nehmen, und der wieder Genesene sollte es rasch absetzen.

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