Meine Meinung
Schimmernder Herausforderer
Am 27. Januar trat ein gefährlicher Herausforderer dem guten alten Medium Papier gegenüber. Apples iPad läutet für die Grafische Industrie einen grundlegenden Wandel ein. Doch Freundschaft ist möglich.
Von Daniel Schilling
Ein bisschen ernüchternd war es schon, als ich das erste Mal einen Amazon Kindle und einen Sony E-Book-Reader in der Hand hielt. Sicher, beide funktionierten und man konnte in Texten blättern und lesen, aber es fühlte sich doch sehr nach 80-er Jahren an. Das war also die Zukunft des Lesens und würde eines Tages ein tolles Produkt werden, nun gut.
Doch der Tag ist nun gekommen. Die Krake Apple hat ihre Tentakel nach dem neuen Markt ausgestreckt und Nägel mit Köpfen gemacht: Das am 27. Januar vorgestellte iPad ist bei weitem das schimmerndste, modischste und benutzerfreundlichste Gerät auf dem E-Book-Markt und das zu einem Apple-untypischen Kampfpreis. 500 Dollar für das Einstiegsgerät mögen viel erscheinen, sind aber angesichts der verbauten Komponenten und der Margen, die sich dieser Hersteller sonst gönnt, ein Spottpreis.
Zunächst wird es noch eine kleine Verschnaufpause geben. Bis das iPad in Deutschland in nennenswerten Zahlen auf den Markt kommt, wird es noch einige Monate dauern, und bis nach den tapferen Early-Adopters auch die breite Masse die Geräte kauft, dauert es noch etwas länger. Aber es täusche sich niemand, in der zweiten Jahreshälfte geht es los: Viele wichtige Medien bieten schon jetzt exzellente Anwendungen zum Lesen ihrer Inhalte auf dem systemgleichen iPhone an. Diese an das iPad anzupassen ist technisch eine Sache weniger Arbeitstage.
Die Grafische Industrie sollte diese Nachricht differenziert betrachten. Unternehmen, die die Aufbereitung von Inhalten für verschiedene Medien beherrschen, egal ob es sich um Bücher, Zeitschriften oder Kataloge handelt, können enorm profitieren. Weniger bei der Software zur Darstellung auf dem E-Reader oder iPad, als bei der leserfreundlichen Aufbereitung der verschiedenen Inhalte für Print, klassisches Internet und Lesegerät ist ihr Know-How gefragt.
Wie sich der Medienwandel auf reine Druckanbieter auswirkt, ist schwerer vorherzusagen. Da ist zum einen das Risiko, dass Leser und Anzeigen auf das neue Medium abwandern und die Druckvolumina sinken. Da ist aber auch die Chance, dass für die Verlage durch den zusätzlichen Absatzkanal die Produktion von Inhalten rentabler wird und sich dadurch die Sache auch im Printbereich besser rechnet.
Am Ende ist es wohl ganz banal so, dass derjenige, der sich vorbereitet und rechtzeitig reagiert, vom Medienwandel profitiert und derjenige, der die Augen verschließt oder für sich keine Antwort findet, untergeht. Das hat sich in fünfeinhalb Jahrhunderten Druckgeschichte nicht geändert.

Erst als Martin Luther die lateinischen Bibelcontents in die deutsche Sprache umschrieb, wurde aus einem Ladenhüter der gefragte Topseller, der Europas feudale Grundfesten erschütterte.
So begann die Neuzeit - wie beim iPad.
Mal schauen wie sich die Märkte verändern, jede Veränderung bringt auch eine Erneuerung.
Kann ich schon einem Mobiltelefon mit ständig verschmierten Display (Eifone) nichts abgewinnen, so einem kastrierten Notebook erst recht nicht.
Das ganze ist ein reiner Medienhype, genau wie E-Books auch; das nutzen sowieso nur Leute, die zu Hause nicht mehr als 10 Bücher zu stehen haben.