Meine Meinung
Pleite im Aufschwung
Die Rezession scheint vorbei zu sein und dennoch fegt eine Welle spektakulärer Insolvenzen durch die Grafische Industrie.
Von Daniel Schilling
Es ist ein verstörendes Phänomen: Während allgemein die Wirtschaft in Deutschland die Rezession überwunden hat und in einigen Unternehmen – etwa in der Automobilindustrie – sogar wieder Überstunden gefahren werden, gehen reihenweise Betriebe der Grafischen Industrie und ihrer Zulieferer pleite. Kleinbetriebe sind darunter, aber auch große Unternehmen mit langer Geschichte.
Spektakulär und dann rasend schnell war die Insolvenz der Vereinigten Verlagsanstalten (VVA), die mit der Auflösung weiter Unternehmensbestandteile endete; diese Woche bekannte nun der renommierte Versandraum-Spezialist Buhrs, dass ihm die Liquidität ausgegangen ist.
Überraschend ist weniger die Tatsache, dass Betriebe pleite gehen, als vielmehr der Zeitpunkt. Das Ertrinken kurz vor dem so nah scheinenden Ufer. Dabei gibt es gute Gründe für das Scheitern zum jetzigen Zeitpunkt und für manchen war das Ufer auch nicht so nah wie es schien.
Die Hauptschuldigen sind die Brüder Überkapazität und Dumpingpreis, die seit geraumer Zeit unsere Branche plagen. Der Zwang, teuer eingekaufte Kapazitäten amortisieren zu müssen, treibt manchen dazu, seine Leistungen zum Dumpingpreis anzubieten. Später ist es dann schwierig, wieder vernünftige Preise zu etablieren, und auch ein Aufschwung hilft nicht wirklich, wenn die Zahlen unterm Strich rot bleiben.
Hinzukommt, dass die Reserven nach zwei Krisenjahren aufgebraucht sind und sich die Banken bei der Kreditvergabe immer noch zurückhalten. So geraten am Ende mitten im Aufschwung zwei gegensätzliche Gruppen in die Liquiditätsfalle: Die einen haben zu viele Kapazitäten aufgebaut, die sie nicht zu einem vernünftigen Preis auslasten können, die anderen haben angemessene oder zu geringe Kapazitäten, aber es fehlt das Geld, um für die neuen Aufträge in Vorleistung zu gehen.
Das rettende Ufer einer einkömmlichen Auftrags- und Ertragslage ist somit für manchen Betrieb weiter weg als gedacht, doch wer es früher oder später erreicht, der profitiert dann auch davon, dass Kapazitäten vom Markt verschwunden sind.
