Meine Meinung

Mehr Geschmack, bitte!

Keine Frage: Innovative Produkte sind toll, besonders wenn sie Print aufwerten. Aber wer will aufwendig veredelte Duftmarken zum Spenden für den guten Zweck kaufen?

Zu Beginn eines jeden Jahres machen einige Abgesandte des Fiskus einen Ausflug zum Schloss Bellevue. Von ihrem Dienstsitz im Detlev-Rohwedder-Haus ist es für sie keine Mühe, nur ein gesunder Spaziergang einmal quer durch den Tiergarten. Im Schloss angekommen überreichen sie dem Bundespräsidenten, der auch Schirmherr des Sozialwerks Wohlfahrtsmarken ist, dann die neueste Briefmarkenserie für den guten Zweck.

Am Donnerstag dieser Woche ist es wieder soweit. Nach Eisenbahnen, Haustieren, Luftfahrzeugen und Himmelserscheinungen nimmt Horst Köhler diesmal die Erstabdrucke von Obstmotiven feierlich entgegen.

Die Äpfel, Erdbeeren, Zitronen und Heidelbeeren sehen nicht nur appetitlich aus, sie riechen auch. Einfach drüber reiben, schon entfaltet sich wunderbarer Obstgeruch. Damit das funktioniert, hat die Bundesdruckerei nach eigenem Bekunden zahlreiche Drucktests durchgeführt. Denn es reicht nicht, möglichst viele Duftkapseln unbeschädigt auf das winzige Format zu bringen. Die gezackte Duftsensation soll sich auch im Postbetrieb einwandfrei verwenden lassen und gesundheitlich unbedenklich sein.

Der Erlös aus dem Aufpreis für die edlen Marken kommt traditionell Wohlfahrtsverbänden wie AWO, Caritas und DRK zugute. Sollte sich der Duft tatsächlich positiv auf den Verkauf auswirken, hätte das weite Feld des Spendenmarketings dank Printveredelung ganz neue Möglichkeiten. Glänzend, kaschiert, duftend, glitzernd und blinkend – das wertet selbstverständlich auch den Aufruf zur Rettung der Eisbären in der Arktis oder die Spendenbitte für die Katastrophenopfer in Indonesien auf.

Zu geschmacklos? Da lässt sich sicher auch noch etwas machen.

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