Meine Meinung

Die Lehren aus der VVA-Pleite

Clemens von Frentz

Vieles spricht dafür, dass die Vereinigten Verlagsanstalten an ihren überzogenen Wachstumsfantasien gescheitert sind.

Als Mitte Mai die Insolvenz der Vereinigten Verlagsanstalten (VVA) bekannt wurde, war es nur eine Frage der Zeit, wann die anderen Betriebe der Gruppe folgen. Wenige Tage später kam die Bestätigung: Sowohl die Dachgesellschaft der Gruppe (Wesel Verwaltungs GmbH) als auch die Töchter VVA Kommunikation GmbH, VVA Datenmanagement GmbH, Konkordia GmbH und Langenstein Medien GmbH mussten Insolvenzeröffnung beantragen.

Besonders hart dürfte die Situation für die badische Konkordia GmbH sein, die erst 2008 Teil der Gruppe geworden war. Damals beschäftigte die Druckerei rund 70 Mitarbeiter, heute nur noch einen Bruchteil davon, aber selbst dieser kleine Rest muss nun wohl um die Jobs zittern. Zu Recht, denn auch ein erfahrener Insolvenzverwalter wie Horst Piepenburg wird kaum in der Lage sein, alle Unternehmen der Gruppe zu retten.

Wie Hohn muss es daher den Besuchern der VVA-Website vorkommen, dass man auf der Startseite immer noch mit dem Motto "VVA – Medien mit Zukunft" begrüßt wird. Überhaupt dürften sich heute viele Beobachter und Mitarbeiter fragen, ob die Konstruktion der ehrgeizigen Unternehmensgruppe überhaupt eine echte Zukunftsperspektive hatte.

Denn eines steht fest: Das Unternehmen, das Ende 2006 stolz einen konsolidierten Umsatz von 100 Millionen Euro gemeldet hatte, galt vielen Kennern der Szene längst als ein Anbieter von knallharten Kampfpreisen, die mit normalen wirtschaftlichen Parametern kaum noch in Einklang zu bringen waren. Offenbar hatte man in dem Bestreben, die Druckmaschinen auszulasten und den Umsatz zu steigern, alle kaufmännischen Bedenken über Bord geworfen.

Einmal mehr hat das Beispiel VVA bestätigt, dass Wachstum allein kein tauglicher Strategie-Ansatz ist – vor allem dann, wenn man sich nur auf das Umsatz-Wachstum kapriziert. Die Folge solchen Verhaltens ist allzu oft, dass hoch komplexe Konstruktionen entstehen, die niemand mehr richtig steuern kann. Bleibt zu hoffen, dass die VVA-Pleite ihren Teil zur oft beschworenen Konsolidierung der deutschen Druckindustrie beiträgt.

Kommentare zu diesem Beitrag

D.Adams ;-))) , 09.06.2010:
Die VVA ist pleite ... und wird durch etwas noch Bizarreres ersetzt - frei nach D. Adams.

Irgendwo werden gewisse Leute wieder "auftauchen" und genauso weitermachen wie bisher, weil sie es ja nicht schuld waren. "Verbockt" haben es die anderen. Und auch andere Druckereien werden den Preiskampf weiter mitmachen, weil anscheinend niemand mehr NEIN zu einem Auftrag sagt, der mehr kostet als einbringt. Ausbaden dürfen das dann die Arbeitnehmer, denen man ja den Lohn kürzen kann. Das Rezept ist doch einfach, oder???

Erbarmen , 10.06.2010:
Die gewissen Leute haben das Schiff schon verlassen und werden weiter ihr Unwesen treiben. Gehen wir mal davon aus, dass der Markt weiterhin mit Kampfpreisen zu tun haben wird, wenn sich Druckereien finden, die diese Jobs annehmen. Aber wie gesagt, wie man den Lohn der Mitarbeiter kürzt, wissen gewisse Leute ja.

Andy70 , 16.06.2010:
Es ist tatsächlich so, dass es immer das gleiche Schema ist. Leider machen Kampfpreisanbieter allen das Leben schwer, und so leid es mir für die Kollegen dort tut: In der Druckbranche muss es einfach ein Gesundschrumpfen geben. Es wird sich zeigen, wer dabei noch alles vor die Hunde gehen muss. Traurig, aber wahr.

Kunde , 18.06.2010:
"Gewisse Leute auftauchen und weitermachen...."
Ja wieso denn eigentlich? Was ist denn mit den vielen Doktoren, Technologiepäpsten und Geschäftsführern, die von Herrn Meutsch gerettet wurden und bewiesen dann haben, dass sie nur Schwätzer und Nixblicker sind.
Stecken alle schamlos ihre Grinsfratzen wieder ins Internet und beschmutzen das Nest, das sie stark gemacht hat.
Die Mehrheit der Belegschaft von VVA hat einen ausgezeichneten, engagierten Job gemacht, weil sie die brilliante unternehmerische Idee von Herrn Meutsch verstanden haben. Deren Leistung wird nun leider mit in den Sumpf gezogen, den die selbstgefälligen Schmarotzer hinterlassen haben. Als Trost für die echten VVA'ler sei aber gesagt, dass deren Leben von Lüge zu Lüge schwerer wird. Jünger werden diese Damen Herren auch nicht und irgendwann fliegen Sie auf. Dann bekommen sie es das erste mal mit einen richtigen Gegner zu tun. Ihrem Gewissen. Mit viel Glück sind sie dann auch noch veramrt, so dass sich kein Mensch mehr für sie interessiert. Soziale Bindungen waren nicht ihr Stärke.

D.Adams ;-))) , 23.06.2010:
@ Kunde...

"brilliante unternehmerische Idee..."

Die VVA ist PLEITE!!!

Brilliant?!????

Hier sitzen demnächst die meisten der Belegschaft, die mehr oder weniger freiwillig auf Geld verzichtet haben auf der Straße, echt brilliant!!!

Dar ich mal fragen, was Sie da geraucht haben???

ein Konkurrent , 24.06.2010:
"brilliante unternehmerische Idee..." kann ich unterstreichen. Herr Meutsch hat es verstanden aus einer reinen Druckerei einen Mediendienstleister zu machen. Eigentlich war die VVA mit Ihren Ideen und Innovationen ein Vorzeigebetrieb. Aber offenbar war man nicht in der Lage ohne Kampfpreise die Maschinen zu füllen. Schade, aber leider ist diese Marktbereinigung mehr als notwenig.

D.Adams , 25.06.2010:
Eine brilliante unternehmerische Idee ist für mein Verständnis, wenn man mit dieser Idee Geld verdient und nicht nur umsetzt. Mehrere Beispiele in den letzten Jahren auch in anderen Branchen haben doch gezeigt, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann. Reduzieren auf das was Geld bringt, umdenken, weg vom Massenmarkt, das ist die Zukunft der (Druck-?)Industrie. Die hohe vergleichbarkeit der Technik und Verfügbarkeit ist doch das Problem. Kundenorientiertheit bis zum abwinken, ohne Rücksicht auf die eigenen Kosten, weil man sonst keine Chance hat?!?

Das was die VVA ist und war ist ja nicht nur die VVA, da gibt es etliche andere Betriebe, die mehr oder weniger ohne Grundsatzüberlegungen wegen der Marktsiuation in den 90´er Jahren zu übermäßigen Investitionen "gezwungen" wurden, es hat ja immer geklappt. Und nun, die Technisierung/Automation ist weit vortgeschritten, weil man Personal "sparen" konnte, die Preise gingen Aufgrund dieser Überkapazitäten stark nach unten und nun ist die eigentlich benötigte Technik die man eigentlich bräuchte um mit dem reduzierten Personal sowohl Zeitnah, als auch Kostengünstigst produzieren zu können so teuer, dass man sich diese als Neuinvestition eigentlich nicht mehr leisten kann. Das Ganze ist in der Region Niederrhein schon mal passiert, in den 70´und 80´er Jahren hat es die damals große Textilindustrie dahingerafft. Wieviele gesunde Betriebe gibt es denn hier noch?

Ich denke, dass es die klassische Druckindustrie, wenn es keine neuen Impulse gibt, in ein paar Jahren nicht mehr gibt. Das ist provozierend, soll aber auch.

Zur Marktbereinigung; Was heißt das denn für die Überlebenden? Drei große Drucker, die monopolartig den Markt aufteilen? Das kann nicht im Sinne der Kunden, der Lieferanten und auch nicht den Mitarbeitern der jetzigen Unternehmen. Monopolisiereung ist doch nicht das eigentliche Ziel der Martwirtschaft.

Unternehmer heißt, etwas zu unternehmen, dass kann auch heißen, dass man gewohntes Fahrwasser verlässt und sich ander, gewinnbringenderer Dingen zuwenden. Das kann nicht früh genug passiere. Man muss die Firma, genauso wie sich selbst, ständig fragen, ist das noch alles in Ordnung, was ich mache. Ein wenig Demut wäre für einige Leute auch noch angebracht, denn wenn man vergisst, woher man kommt, dann hat man irgendwann kein Gefühl mehr für die Wirklichkeit - siehe Berlin.

http://www.youtube.com/watch?v=H6jZr15TKrY , 25.08.2010:
größtenteils harmlos.

Berater , 16.01.2011:
Herr Meutsch und sein Plan waren fundiert. Nur hatte er völlig ignoriert, dass eben viele Instrumente einen Dirigenten brauchen, um ein Konzert zu geben. Hinsichtlich einer neuen Vertriebsstrukturierung war er leider Beratungsresistent. Aber aus heutiger Sicht war damals der Karren schon fest gefahren. Viel Glück an alle ehemaligen Mitarbeiter und Kopf hoch! "Lebbe geht weiter" :-)

Collmer E. , 10.06.2011:
Daß diese Fa. VVA einen Familienbetrieb kaputtgemacht hat,interressiert von diesen Herren keinen. Wir haben Tag und Nacht für VVA gearbeitet und sind mit 40.000 € incl. Langenstein Druck den Bach runtergegangen, wir kämpfen immer noch ums überleben, haben auch noch einen Behinderten beschäftigt, es ist so schlimm.Wir wurden doch an der Nase herumgeführt.Soll uns dieser Herr Piepenburg unser Geld überweisen, damit wir überleben.

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