Meine Meinung

Kunden machen Märkte

In bester Discounter-Manier stellt Aldi die Anzeigenwerbung auf den Prüfstand.

Auf der Suche nach zukunftstauglichen Konzepten für ihre Produkte sind die Zeitungsverleger bisher nicht wirklich erfolgreich. Jetzt sorgen ausgerechnet die cleveren Sparfüchse von Aldi mit einem Lehrstück über die banale Gesetzmäßigkeit von Angebot und Nachfrage für zusätzliche Ernüchterung.

Dank gewichtiger Schweinebauchwerbung zählt Aldi traditionell zu den Top-Kunden der Tageszeitungen. Allein im letzten Jahr gaben Aldi Nord und Süd laut des Marktforschungsinstituts Nielsen rund 379 Millionen Euro für Werbung aus. Jetzt müssen die sowieso gebeutelten Zeitungshäuser möglicherweise um die guten Geschäfte mit dem Discounter bangen: In Teilen Baden-Württembergs verzichtet Aldi Süd laut eines Berichts der "Lebensmittel Zeitung" testweise bis Jahresende in 13 Regionalzeitungen auf Anzeigenschaltungen.

Stattdessen befördert der Discounter seit Mitte März seine Werbung ohne irgendwelchen Zeitungs-Schnickschnack drumrum direkt in die Briefkästen der Verbraucher. "Es geht darum, die Haushalte zu erreichen. Und da kann die Verteilung von Handzetteln effizienter sein", zitiert die "Lebensmittel Zeitung" einen Aldi-Manager.

In diesem Zusammenhang hat Aldi in dem Beitrag des Branchenblatts dann auch gleich noch einen praktischen Tipp parat: Wer Werbung bekommen möchte, solle den Hinweis "Bitte keine Werbung" vom Briefkasten entfernen.

Der Kunde kriegt, was er will. Auf pragmatischere Weise hätte der Handelsriese wohl kaum daran erinnern können, auf welch simplen Nenner sich Absatzstrategien letzten Endes herunterbrechen lassen.

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