Meine Meinung

Klappern gehört zum Handwerk

Clemens von Frentz

Die Mehrwertsteuersenkung für Hotelbetriebe erhitzt die Gemüter und wirft die Frage auf, warum nicht auch andere Branchen in den Genuss derartiger Maßnahmen kommen.

Das neue Jahr ist erst wenige Wochen alt, aber das "Unwort des Jahres 2009" steht bereits fest. Die Wahl der Jury unter Vorsitz des renommierten Linguisten Horst Dieter Schlosser fiel auf den Begriff "betriebsratsverseucht", wie die Gesellschaft für deutsche Sprache in Frankfurt unlängst mitteilte. Die innovative Wortschöpfung stammt aus der ARD-Sendung "Monitor" vom Mai 2009, in der es um Führungskräfte ging, die eine gewerkschaftsnahe Haltung von Arbeitnehmern als klares Einstellungshindernis sehen.

Die Wahl zum "Wort des Jahres 2010" steht noch aus, aber Wetten werden bereits angenommen. Gute Chancen dürfte der Begriff "Mövenpick-Partei" haben, mit dem die FDP sich schmücken kann, seit die Millionenspende von Hotelier August von Finck an die Partei bekannt wurde. Selbstredend wurde umgehend bestritten, dass es hier einen Zusammenhang mit der kürzlich beschlossenen Mehrwertsteuersenkung für Hotelbetriebe gibt, aber je lauter die Dementi werden, desto mehr darf an den Unschuldsbeteuerungen gezweifelt werden.

Schade nur, dass eine solche Mehrwertsteuersenkung nicht auch für die Druckindustrie beschlossen wurde. Sie hätte diese kleine Unterstützung prima brauchen können – vielleicht sogar besser als die Hotelbranche, die bislang eigentlich nicht unbedingt als notleidend wahrgenommen wurde.

Gehässige Zeitgenossen werden nun sagen: "Selber schuld, hätte die Druckbranche rechtzeitig gespendet, hätte es auch bei ihr geklappt." Kann sein, aber damit kommt man nicht weiter. Vermutlich haben die Beobachter recht, die gewisse Defizite diagnostizieren, wenn es um die Wahrnehmung der Druckindustrie in der (politischen) Öffentlichkeit geht.

Anders ausgedrückt: Vermutlich muss die Branche noch intensiver daran arbeiten, sich mit ihren Leistungen und spezifischen Problemen besser zu präsentieren. Es heißt nicht umsonst "Klappern gehört zum Handwerk" – und Drucken ist schließlich bis heute eine der Königsdisziplinen im handwerklich-mittelständischen Bereich.

Kommentare zu diesem Beitrag

Rudolf Schwarm , 05.02.2010:
Das ist reine Klientelpolitik, die unserer politiechen Landschaft nur schadet. Aber wie auch immer, eine kleine Interessengruppe schafft sich Kontakte und setzt ihre Wünsche durch, Schelm wer boses denkt...

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