Meine Meinung

Grüngewaschen

Die Wälder schrumpfen weltweit. Die Druckindustrie kann ihren Teil zur Rettung beitragen.

Am 21. März, am Sonntag, war der Tag des Waldes. Zeit sich zu erinnern, woher der Rohstoff kommt, der uns umgibt und mit dem wir Tag für Tag arbeiten – eben, aus dem Wald, liebe Tot-Holz-Liebhaber.

Es ist ja eigentlich auch schön, dass wir mit lebendiger Materie arbeiten, mit Zellulose. Dem Spender des Rohstoffes geht es allerdings nicht gut: Seit 1970 hat sich die weltweite Papierproduktion auf 380 Millionen Tonnen verdreifacht und ein Großteil davon entsteht nicht durch Recycling oder mit Zellulose aus FSC-geprüften Wäldern. Papier ist damit ein wichtiger Mitschuldiger am Schrumpfen der Wälder – wenn auch längst nicht der einzige.

Was also tun? Die Druckindustrie ist in der anspruchsvollen aber auch beneidenswerten Lage, durchaus etwas tun zu können: Dem Kunden kostengünstige umweltfreundliche Alternativen für umweltschädliche Papiere vorschlagen zum Beispiel. Dazu braucht es Wissen und Erfahrung, um den Kunden kompetent zu beraten. Eine Reihe cleverer Unternehmen quer durch Deutschland haben sich diesen Wissensvorsprung in den vergangenen Jahren erarbeitet. Gut für die Vorreiter, schlecht für die Lahmen.

Unschön sind allerdings die Schlaumeier, die sich aufs "Green-Washing" verlegen:  Bunte Pflästerchen, Placebos und Gaukelei statt echtem Umweltschutz. Muss das sein? Eben! Also an die Arbeit, damit Druckprodukte wirklich grün sind und nicht nur grüngewaschen.

Kommentare zu diesem Beitrag

Gerhard Märtterer - AlphaPicture.de , 19.03.2010:
Im April kommt eine Maschine "Made in Germany" auf den Markt, die das Zeug dazu hat, den Wald nachhaltiger zu schonen als jedes Recyclingpapier. Das Gerät vermittelt ein völlig neues und einfaches Lese-Erlebnis.

Für Verlage bedeutet jeder damit gewonnene Leser eine direkte und langfristige Kundenbeziehung und die Basis für Paid Content.

Während Plattformen, wie Apple iTunes und Amazon Kindle, die Verlage in die Rolle eines reinen Content-Lieferanten drängen, behalten die Verlage damit den Zugang zum und das Wissen über ihre Leser.

Das Ding heißt WePad und ist von www.Neofonie.de

Martin Lind , 21.03.2010:
Der beste Schutz den die Druckindustrie für den Wald bieten kann ist Makulaturvermeidung und der Einsatz von Recyclingpapier. Hierzu werden in den kommenden Wochen zahlreiche neue Produkte angeboten werden. Trotz der z. Zt. angekündigten Preiserhöhungen bleiben aber Papiere aus Frischfasern billiger als vergleichbare Recycling-Qualitäten. Noch sind leider nur die wenigsten Kunden bereit diesen Mehrpreis zu bezahlen.

Die zweitbeste Möglichkeit ist wohl der Einsatz von Papier aus FSC-zertifiziertem Waldanbau. Das FSC-System ist für Druckereien die ihren Kunden die 100%ige Sicherheit (CoC-Standard) geben wollen mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Zahlreiche Unternehmen scheuen dieen Aufwand und verkaufen ihren Kunden dennoch Papier als FSC-Zertifiziert. Das der FSC dem zuwenig Einhalt gebietet ist ärgerlich. Das der FSC und Druck&Medien auf dieser Internetseite eine Karte veröffentlichen auf der nur ein Bruchteil der FSC-CoC-zertifizierten Druckereien aufgeführt werden ist irreführend und der "Wald-Sache" nicht dienlich sondern riecht nach Geld-Napping unter der Marke "Grün"

Gregor Andreas Geiger , 22.03.2010:
Fakten, Fakten, Fakten. Hätte der Autor nicht nur geschrieben sondern auch recherchiert, hätte er im Wald-Bericht der Welternährungsorganisation FAO "State of the World's Forests 2009" aktuelle Zahlen und die wirklichen Gründe für den ausschließlich auf der Südhalbkugel unseres Planeten stattfindenden Waldrückgang gefunden. Während im Norden die Waldfläche wächst, ist die nach wie vor nicht gestoppte Vernichtung tropischer Wälder im Süden auf die Urbarmachung von Waldflächen als Weideland oder als Plantagenland für Futter und Energiepflanzen zurückzuführen und nicht auf die Nutzung von Holz für die Papierproduktion. Lediglich in Indonesien fällt weiter tropischer Regenwald für die Anpflanzung von Eukalyptusplantagen. Der daraus hergestellte Zellstoff geht allerdings auf den asiatischen Markt.

Da wo die europäische Papierindustrie den nachwachsenden Rohstoff Holz bezieht, wird das Ökosystem Wald nachhaltig genutzt. Eine Zertifizierung hilft, dies glaubwürdig zu dokumentieren. Dazu gibt es jedoch mehrere geeignete Zertifizierungssysteme, zu denen sowohl FSC als auch PEFC zählen.

Diesen Beitrag kommentieren






Zurück