Meine Meinung

Glückliche Firmenehe

Fast zu schön klingen die Nachrichten um die Océ-Übernahme durch Canon. Doch halten die Pläne der Realität stand?

Gestern gab der japanische Elektronikkonzern Canon seine  Absicht bekannt, seinen niederländischen Mitbewerber Océ vollständig zu übernehmen. Einen Tag danach sieht es so aus, als könnte das durchaus klappen: 16,9 Prozent des Aktienkapitals und 21,3 Prozent der Anteile gehören Canon bereits, wie das Unternehmen gegenüber der niederländischen Börsenaufsicht AFM bekannt gab.

Der Kauf war gut vorbereitet: Das Océ-Management war im Vorfeld eingeweiht worden und hatte sein Einverständnis gegeben. Auch einige größere Océ-Aktionäre hatten sich schon vorher bereit erklärt, zu den angebotenen Konditionen zu verkaufen.

Auch für die Beschäftigten bei Océ, die in diesem Jahr ein massives Sparprogramm mit dem Verlust von rund 800 Arbeitsplätzen durchmachen mussten, klingen die Versprechen der Japaner gut: Océ bleibt als Name und selbstständige Einheit erhalten und soll zudem zusätzliche Aufgaben für den Gesamtkonzern in Europa übernehmen. Ein Arbeitsplatzabbau ist nicht geplant und Canon mit seinen 30 Milliarden Euro Umsatz übernimmt auch die Schulden in Höhe von rund 700 Millionen Euro des zehnmal kleineren Partners.

Für die Japaner ist Océ eine wichtige Ergänzung im Markt für kommerzielle Hochleistungsdrucksysteme, speziell außerhalb Asiens. Zwar stellt auch Canon seit 2006 entsprechende Systeme her, doch gerade in Europa und den USA ist Océ besser aufgestellt. Zudem bringt der niederländische Hersteller eigene Technologien auf dem Stand der Technik in die Verbindung ein. Umgekehrt ermöglicht der Partner Canon Océ künftig einen besseren Zugang zum asiatischen Markt.

Was nach einer überzeugenden Win-win-Lösung für beide Seiten aussieht, muss sich nun in der Realität bewähren.  Die Übernahme ist dabei noch das kleinere Problem: Im Anschluss daran muss es gelingen, die zwei Unternehmen sinnvoll zusammenzuführen, um all die augenfälligen Synergien zu heben. Und die Wettbewerber im Digitaldruckmaschinenmarkt – wie etwa Ricoh – gegen die sich diese Fusion letzten Endes richtet, werden sich auch nicht kampflos die Butter vom Brot nehmen lassen.

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