Meine Meinung
A view from London
Desinteresse? Bei den Pressebriefings vor der IPEX 2010 glänzen die Hersteller des klassischen Maschinenbaus durch Abwesenheit. Die digitale Fraktion dominierte den Event. Ist das schon der Wachwechsel oder nehmen sich Journalisten selbst zu wichtig?
von Imke Laurinat
Hundert Tage vor Beginn der wichtigsten Branchenmesse in diesem Jahr, der Ipex 2010 in Birmingham, treffen sich 82 Fachjournalisten aus aller Welt beim Ipex Media Summit. Das ist in diesem Augenblick der Infospot der grafischen Industrie – und die scheint durch und durch digital zu sein.
Die Stimmung der Ipex-Veranstalter ist gut: das Messegelände in Birmingham ist fast ausgebucht, die ausstellende Industrie internationaler denn je. Kurzum: Der Zeitpunkt für die Messe ist trotz Wirtschaftskrise genau der richtige, so die frohe Botschaft von der Insel.
Oder vielleicht doch nicht? Auf der Agenda des dreitägigen Events hat kein einziger Vertreter der Heavy-Metall-Fraktion ein Stündchen für die Präsentation seiner Neuheiten gebucht. Kein Anbieter von Offsetmaschinen oder Peripherie ist da, ebenso wenig wie von Weiterverarbeitungs- oder Versandraumtechnik. In den Konferenzräumen geben sich Player wie Ricoh, Xerox, Oce und Fujifilm die Klinke in die Hand. Und zum ersten Mal haben die Digitaldruckanbieter auf einer Ipex mehr Ausstellungsfläche gebucht als die traditionellen Druckmaschinenhersteller, ist ein Unternehmen wie Hewlett Packard sogar der größte Aussteller auf der zweitwichtigsten Druckfachmesse.
Keine Frage. Der Event in London ist nicht die Messe in Birmingham. Und über den Sinn oder Unsinn von Presseeinladungen im Vorfeld einer Messe lässt sich gerade in Zeiten knapper Kassen trefflich streiten. Besonders, wenn sich teilnehmende Unternehmen vor Ort mit dem Ankündigen von Ankündigungen begnügen.
Dennoch hätte man sich in London zumindest den Hauch einer Präsenz des traditionellen Druckmaschinenbaus der grafischen Industrie gewünscht. Schon damit nicht der eine oder andere Pressevertreter versucht sein könnte, die trügerische Botschaft von der vollständigen Digitalisierung des Druckens in die große, weite Welt hinaus zu tragen.
