Die Glosse zur Woche

Lieb und teuer

Adobe weiß, was Kunden wünschen – nur die Preisgestaltung der Software-Schmiede treibt ihren europäischen Anwendern die Zornesröte ins Gesicht.


Von Imke Laurinat

 

Jedes Mal, wenn Adobe seine Produkte in eine höhere Version hievt, gibt es allerhand Neues, das dem kreativen Anwender die Arbeit leichter machen soll. Keineswegs neu ist dagegen die forsche Preispolitik des Quasi-Monopolisten aus Kalifornien – verbunden mit dem Ärger, der bei den europäischen Anwendern immer wieder aufkocht, weil sie für Photoshop & Co. traditionell spürbar mehr bezahlen müssen als alle anderen.

Dementsprechend gehörte es bei der Ankündigung der Creative Suite 4, die in den USA bereits auf dem Markt ist und in wenigen Wochen auch in Deutschland in den Handel kommen wird, fast schon zur Pflicht, nachzusehen, ob Adobe es wieder getan hat. Und ja, es kam wie immer, trotz aller Kritik, die erst im letzten Jahr – von bissigen Kommentaren in Internet-Foren bis hin zu schriftlichen Petitionen – lauter denn je auf die andere Seite des Atlantiks geschwappt war.

Vergebens. Adobe hat es wieder getan. Zum Beispiel kostet die Vollversion der Creative Suite 4 Design Premium im US-Store 1.799 Dollar beziehungsweise umgerechnet etwa 1.300 Euro. In Deutschland wird der Kunde für das gleiche Produkt mit stolzen 2.199 Euro zur Kasse gebeten. Das sind schon ohne Mehrwertsteuer 59 Prozent mehr, für die Adobe nicht wirklich überzeugende Gründe liefern kann, auch wenn man mit zusätzlichen Lokalisierungskosten etwa für Übersetzungen und den regionalen Support argumentiert.

Ernsthaft rechtfertigen muss die erfolgsverwöhnte Softwareschmiede, die trotz Rekordgewinnen vor knapp drei Jahren in aller Stille ihre Entwicklungskapazitäten von Seattle nach Indien verlegt hat, sich jedoch nicht. Denn auch im sonnigen Kalifornien weiß man, was hierzulande viele Drucker quält: Nicht der Warenwert, sondern die Nachfrage bestimmt den Preis. Und so werden die Kunden, die Adobe lieben und im professionellen Bereich zum Monopolisten gemacht haben, wohl oder übel bis auf weiteres die Zeche zahlen müssen.


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