Sind Betriebsräte noch zeitgemäß?

    Wenn in der Krise schnell schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden müssen, sind dann Betriebsräte nicht eher hinderlich; ein Relikt aus einfacheren Zeiten? Oder kann die Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung nicht auch hilfreich sein?

    Dr. Wolfgang Pütz, geschäftsf. Gesellsch. J.F.-Ziegler KG, Remscheid, Vizepräsident bvdm

    Dr. Wolfgang Pütz, geschäftsf. Gesellsch. J.F.-Ziegler KG, Remscheid, Vizepräsident  bvdm

    Ein Betriebsrat ist unverzichtbar für ein Unternehmen, soweit er die Interessen der Mitarbeiter ermittelt, bündelt und gegenüber der Geschäftsführung vertritt. Voraussetzung ist, dass er  sich als Vertreter der Arbeitnehmer "im" Betrieb versteht und nicht als verlängerter Arm der Gewerkschaft. Das Betriebsverfassungsgesetzt bringt es auf den Punkt:"Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten unter Beachtung der geltenden Tarifverträge und in Zusammenarbeit mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen zum Wohl das Arbeitnehmers und des Betriebes zusammen."

    Karin Schmidt-Friderichs, Verlegerin Verlag Hermann Schmidt Mainz

    Karin Schmidt-Friderichs, Verlegerin Verlag Hermann Schmidt Mainz

    Der Betriebsrat ist so zeitgemäß wie er sich selbst versteht. Arbeitnehmer vertreten heißt heute, ihre Chance auf Entwicklung mit und in dem Unternehmen sicherstellen helfen. Betriebsräte, die sich so verstehen sind zeitgemäß und gute Partner. Betriebsräte, die Besitzstände Einzelner zu Lasten jüngerer Mitarbeiter oder des Unternehmens absichern wollen und damit die Zukunft gefährden waren nie weniger zeitgemäß – und nie gefährlicher – als in der Krise. Je mehr Manager sich nicht wie verantwortungsvolle Unternehmer verhalten, desto zeitgemäßer bleibt ein guter Betriebsrat und wird es bleiben.

    Konrad Kristen, Gesellschafter der Erich Zumm Druck und Satz KG, Berlin

    Konrad Kristen, Gesellschafter der Erich Zumm Druck und Satz KG, Berlin

    Je mehr der Staat in die Tarifautonomie eingreift wie beim Mindestlohn, desto wichtiger werden Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen. Die Frage ist aber, inwieweit Gewerkschaften die Interessen der Arbeitnehmer im Betrieb vertreten. Parteipolitisch gesteuerte Betriebsräte lehne ich ab. Ein Betriebsrat sollte zum Wohl von Unternehmen und Mitarbeitern agieren. Inhabergeführte Betriebe, wie sie in der Druckindustrie überwiegen, übernehmen hohe Verantwortung für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Ein Betriebsrat, der sich als Partner versteht, ist in der Tat zeitgemäß.

    Kommentare zu diesem Beitrag

    Keine Kommentare

    Diesen Beitrag kommentieren






    Zurück