Wo ist Ihre Grenze bei heiklen Druckaufträgen?

Selbst in der Krise ist nicht jeder Kunde willkommen. Verfassungsfeinde, Rechtsradikale oder Aufträge aus dem Rotlichtmilieu: Manchen möchte man nicht in der Kundenkartei haben. Druck&Medien hat sich umgehört in der Branche und nachgefragt, wann Druckunternehmer Nein zu einem Auftrag sagen.

Reinhard Berlin, Geschäftsführer, BerlinDruck GmbH + Co. KG, Achim

Reinhard Berlin, Geschäftsführer, BerlinDruck GmbH + Co. KG, Achim

Als eine rechtsradikale Partei bei uns und mehreren Kollegen einige Objekte angefragt hat, habe ich eine halbseitige Anzeige im "Bremer Weserkurier" initiiert. Darin haben mehr als fünfzig Druckerei-Unternehmer geschrieben: Bremer drucken nicht für Nazis. Ansonsten sind wir nicht zimperlich. Ein Kollege aus dem katholischen Münsterland bat uns, für ihn ein Buch über "Tom of Finland" zu drucken. Er könne in seinem Unternehmen keine Bücher mit homoerotischen Zeichnungen produzieren. Für uns kein Problem. Sogar das HSV-Logo hat schon unsere Druckwalzen überstanden.
Aber "heikel" sind auch die Preisforderungen einiger Kunden. Was viele Automobilkonzerne mit mittelständischen Druckereien machen, ist schon reichlich unanständig. Aus der Liga "Papierpreis plus Farbaufschlag" haben wir uns zurückgezogen. Und Rundumanfragen der großen Krankenkassen landen bei uns sofort im Papierkorb.

Steffen Leinberger, Geschäftsführender Gesellschafter, Leinberger Digital- und Printmedien GbR, Aglasterhausen

Steffen Leinberger, Geschäftsführender Gesellschafter, Leinberger Digital- und Printmedien GbR, Aglasterhausen

Auch wenn es schon Zeiten gab, die wirtschaftlich einfacher waren, so bin ich doch der Ansicht, dass man bestimmte Prinzipien bei der Führung seines Unternehmens haben sollte. Für mich bedeutet das, dass wir keine Aufträge von Verfassungsfeinden annehmen und auch keine Aufträge aus dem Rotlichtmilieu. Kunst ist natürlich wieder eine andere Sache. Heikel kann aber auch die Zusammenarbeit mit ganz normalen Kunden sein, wenn die Chemie nicht stimmt. Auch in so einem Fall sollte man aber als Dienstleister die Konsequenzen ziehen und von sich aus den Auftrag zurückgeben. Wir sind ja auch im Internetbereich tätig, wo häufig noch mehr Dienstleister an einem Projekt arbeiten als beim Druck, und haben da gerade die Erfahrung gemacht, dass wir zwischen dem Kunden und dem vom Kunden beauftragten Texter zerrieben wurden. Da haben wir einen Schlussstrich gezogen und das war gut so.

Tomislav Bucec, Geschäftsführender Gesellschafter, Laserline Digitales Druckzentrum Bucec & Co. Berlin KG

Tomislav Bucec, Geschäftsführender Gesellschafter, Laserline Digitales Druckzentrum Bucec & Co. Berlin KG

Wir haben eine ganz klare No-go-Politik. Wir lehnen zum Beispiel Aufträge von Scientology ab, weil es sich um eine gefährliche Sekte handelt. Wir verweigern uns, wenn "Thor Steinar" bei uns drucken will, ein in Neonazikreisen beliebtes Mode-Label. Und selbstverständlich arbeiten wir erst recht nicht für Verfassungsfeinde - egal, unter welcher Bezeichnung sie bei uns auftreten. Auch die Pornoszene stößt bei uns auf Widerstand, obwohl sie glücklicherweise nicht oft anfragt. Denn wir haben schon Aufträge abgelehnt, die geschmacklich über die Grenze des Vertretbaren hinausgingen. Wir finden: Eine Druckerei muss nicht mit allem Geld verdienen, was sich auf Papier drucken lässt.

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