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11.08.2010 | Kärntner Druckerei
Insolvenz mit politischem Beigeschmack
Das Klagenfurter Unternehmen gerät in die politische Kontroverse um Korruption und Parteienfilz in Österreich. Die rechten "Freiheitlichen" nutzen ihre Chance, die SPÖ als Eigentümerin der insolventen Firma anzuprangern.
(dmnet) Die Tatsache, dass die Kärntner Druck und Verlagsgesellschaft in Klagenfurt Insolvenz anmelden musste, überraschte nur wenige. Das Unternehmen stand zuletzt mit 16,71 Millionen Euro bei Banken und Zuliefereren in der Kreide. An diese Schuldensumme reichten die Aktiva bei weitem nicht heran. Der Fehlbetrag lag bei rund neun Millionen Euro.
Die Tatsache, dass sich das insolvente Druckunternehmen in der Hand der Kärntner SPÖ befindet, verleiht der Insolvenz allerdings eine besondere Note. Insbesondere die politische Konkurrenz von der Kärntner FPÖ nutzt den Konkurs für eine Attacke auf die Sozialdemokraten. Für die Freiheitlichen, die zurzeit selber wegen verschiedener Finanzskandale unter Beschuss stehen, ist die Angelegenheit eine willkommene Atempause. So beschuldigte ihr Arbeitsmarktreferent Uwe Scheuch heute die Eigentümer, die Insolvenz bis zum 1. Juli verschleppt zu haben, obwohl sich die desaströse Finanzlage schon länger abgezeichnet habe.
Vorteilhafte Insolvenzordnung
In der Tat trat zu diesem Datum in Österreich eine neue Insolvenzordnung in Kraft, die es deutlich vereinfacht, ein Unternehmen in Eigenverantwortung – wenn auch unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters – durch das Insolvenzverfahren zu führen. Die Kärntner Druck und Verlagsgesellschaft war eines der ersten Unternehmen in Österreich, das nach diesen Vorgaben Konkurs anmeldete.
Die Chancen, dass das Unternehmen die Insolvenz überlebt stehen derweil nicht schlecht: Mit dem ehemaligen Chef von "Leykam Let's Print" Alfred Annawitt steht ein Investor in den Startlöchern (druck-medien.net berichtete). Annawitt hat nicht nur mit der Wiener Spot AG von Thomas Schreiner und Walter Jöstl einen liquiden Finanzier im Rücken; sondern er kennt sein Kaufobjekt auch bereits aus der Nähe: Als Leykam-Chef hatte er vor gut zwei Jahren den Kauf der Kärntner Druckerei bereits unterschriftsreif verhandelt, als die Eigentümer den Verkauf kurzfristig abbliesen.
Alte Bekannte
Auch der laut "Kleine Zeitung" designierte Mann fürs operative Geschäft kennt den Betrieb: Gerald Dietrich hatte damals als Prokurist und Geschäftsführer auf Seiten der Kärntner Druckerei den Verkauf mit Annawitt ausgehandelt. Nach dem Scheitern des Verkaufs musste er gehen. Erhält Annawitt den Zuschlag, könnte es nun ein Comeback für ihn geben.
Für andere Mitarbeiter wird es allerdings kein Comeback geben. Von den früheren rund 150 Beschäftigten arbeiten inzwischen nur noch 90 im Betrieb. Annawitter will von ihnen nur 60 bis 70 übernehmen. Nach Ankauf und Lieferung einer neuen Druckmaschine könnte ihre Zahl auf 80 steigen. Eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Kärntner Druckerie ist allerdings noch nicht gefallen.

