09.03.2010   |   Verpackungsbranche

Kontamination durch Druckfarben

Von Clemens von Frentz

Kartonverpackungen für Lebensmittel enthalten nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oft "hohe Mineralölanteile". Den BfR-Analysen im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums liegt eine Studie des Kantonalen Labors Zürich zugrunde.

Pizzakarton

Pizzaschachteln und ähnliche Produkte sind besonders anfällig für Kontaminationen

(dmnet) Die Schweizer Toxikologen wiesen nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Focus" nach, dass Ölspuren aus der Druckfarbe von Recycling-Papier "binnen weniger Wochen" in Lebensmittel übergehen können, die mit Produkten aus Altpapier verpackt sind. "Diese Stoffe gehören nicht in die Nahrung", so BfR-Präsident Andreas Hensel.

Im Protokoll des BfR-Papier-Ausschusses vom 19. Oktober 2009 heißt es dazu: "Untersuchungsergebnisse des Kantonalen Labors Zürich zeigen, dass Kartonverpackungen für Lebensmittel hohe Mineralölanteile enthalten, die auf das Recycling von Zeitungspapier und die darin enthaltenen Druckfarben zurückgeführt werden konnten. Dabei handelt es sich um kürzerkettige Mineralölfraktionen mit einem relativ hohen Aromatenanteil."

Im Altpapieraufarbeitungsprozess wird laut BfR nur ein kleiner Teil des Mineralöls entfernt. Mineralöl ist ein Gemisch aus sehr vielen unterschiedlich aufgebauten Kohlenwasserstoffen (paraffinische, naphthenische und aromatische Kohlenwasserstoffe mit unterschiedlichen Alkylresten). Dies macht die toxikologische Bewertung des Problems nach Angaben der Fachleute "ausgesprochen schwierig, so dass das BfR (auch aus Mangel an Daten) derzeitig keine abschließende Bewertung vorlegen kann".

Neue Grenzwerte sind jedoch nicht in Sicht. Während der Züricher Laborleiter Rolf Etter Deutschland auffordert, bei der EU auf "Regulierungen" zu drängen, sieht Hensel vorerst "weiteren Erkenntnisbedarf".

Um die Mineralöl-Belastung für die Verbraucher zu senken, ist laut BfR unter anderem folgende Strategie möglich: Die Druckindustrie könnte "die Zusammensetzung der von ihnen verwendeten Druckfarben dahingehend umstellen, dass diese nur noch als unbedenklich bewertete Öle enthalten". Eine solche Maßnahme wäre aus Sicht der Experten "in jedem Fall wünschenswert, da der Verbraucher dem Mineralöl nicht allein über Lebensmittel ausgesetzt ist, sondern häufig auch mit einer bedruckten Zeitung im Hautkontakt steht ..."

Außerdem könnte der "Übergang von der Papierverpackung ins Lebensmittel im Bedarfsfall mit Hilfe einer funktionellen Barriere (zum Beispiel durch einen Innenbeutel aus einem geeigneten Kunststoff) verhindert oder zumindest verringert werden".

Denkbar wäre darüber hinaus, die Anforderungen an die betreffenden Recycling-Fasern so zu ändern, "dass nur noch Materialien mit entsprechend geringen Mineralölgehalten eingesetzt werden". Dies könne allerdings dazu führen, "dass rezyklierte Fasern zukünftig im Lebensmittelbereich nicht mehr verwendet werden".

Abschließend heißt es in dem Protokoll: "Unabhängig davon, welche von den zuvor genannten Maßnahmen favorisiert werden, sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, um den Eintrag von Mineralölen in den Altpapierkreislauf zu senken."




Kommentare zu diesem Beitrag

Gangarth , 10.03.2010:
Ich plädiere hier für den Einsatz von mineralölfreien Druckfarben.

Ingenieurbuero Steige , 07.04.2010:
Ich habe mit Interesse Ihren Artikel gelesen. Schon seit meinem Ingenieurstudium in Deutschland vor 20 Jahren ist bekannt, das man sein Butterbrot nicht in Altpapier einwickeln soll! Wenn Sie den Zeitraum von über 20 Jahr sehen, wo Menschen dem ausgesetzt sind, stellt sich die Frage, was für Probleme in der Gesundheit der Menschen entstanden sind. Wie viele Menschen sind betroffen?

Die Druckfarben und Reinigungsmittel sind in den letzten Jahren wesentlich verbessert worden, was auch die Qualität des Altpapiers verbessert hat!

Ingenieurbüro Steige
www.Steige-Ingenieurbuero.de

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