12.11.2008   |   VDMA/SID

Drucken ohne IPA

Von Imke Laurinat

Die wachsende Umweltsensibilität hat die Diskussion um den Verzicht auf Alkohol im Offsetprozess neu entfacht. Wie es Druckern ohne ergeht, versuchten Experten auf dem FGD-Symposium IPA-freier Offsetdruck zu klären.

IPA_Symposium

IPA-Symposium im Zentrum für Umweltkommunikation

(dmnet) Der Grund dafür, dass sich heute wieder mehr Betriebe mit dem IPA-freien Offsetdruck beschäftigen, liegt nicht allein im wachsenden Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit. Es sind auch handfeste wirtschaftliche Aspekte, die eine immer wichtiger werdende Rolle spielen: Über kurz oder lang drohen strengere Umweltauflagen der EU, auch in Deutschland die Kosten für den sowieso schon teuren Betriebsstoff Isopropylalkohol (IPA) deutlich in die Höhe zu treiben.

Allerdings herrscht, obwohl das Thema alkoholfrei Drucken keineswegs neu ist, in der Branche noch immer große Unsicherheit. Wer sich auf das Experiment einlässt, schreibt im Drucksaal auftretende Probleme schnell dem fehlenden IPA zu.

Bis heute gibt es nur sehr wenige Betriebe, die in der Praxis bewiesen haben, dass moderne Maschinenbautechnik in Kombination mit neu entwickelten Feuchtmittelzusätzen ohne Alkohol auskommt. Eine Realität, die im Widerspruch zu den Versprechen der herstellenden Industrie steht.

Untersucht haben diese keineswegs triviale Thematik die Mitgliedsunternehmen der Forschungsgesellschaft Druckmaschinen (FGD) und das Sächsische Institut für die Druckindustrie in Leipzig (SID) mit finanzieller Unterstützung durch die Stiftung Umwelt.

Die Ergebnisse der zweijährigen Forschungsarbeit präsentierten die Beteiligten jetzt auf einem gemeinsamen Symposium in Osnabrück. Dabei kamen in kurzen Fachvorträgen neben Maschinenherstellern und Zulieferern auch Anwender zu Wort, die bereits umfassende Erfahrungen in Sachen IPA-frei gesammelt haben. Darunter Stefan Mikes von der Druckerei FO Print & Media aus Egg in der Schweiz, Hasan Esen von Leunisman in Hannover und Felix Richter von unitedprint.com in Radebeul bei Dresden.

In der Diskussion um erhöhten Reinigungsaufwand, Feuchtmittelbeherrschung, Drucksaalausstattung und die teilweise mangelnde Qualifikation der Mitarbeiter wurde schnell deutlich, dass der Weg zur alkoholfreien Produktion für alle Beteiligten eine große Herausforderung darstellt und nur in Etappen zum Ziel führen kann. Bei Null Prozent Alkohol angekommen ist heute lediglich die Druckerei Leunisman, die beiden anderen Anwender konnten immerhin stabil bis auf drei Prozent reduzieren.

In einem Punkt waren sich in Osnabrück aber alle einig: Es ist nicht einfach, ohne IPA zu drucken – aber möglich. Und: Jedes Prozent weniger im Prozess ist bereits ein großer Erfolg.




Kommentare zu diesem Beitrag

Manfred Hamann, 21.11.2008:
Ich war mit als Interessent mit anwesend.
Bei der hochkarätigen Mitwirkung der drei größten Druckmaschinenhersteller der Welt, deren Unterlieferanten, dem Sächsischen Institut für die Druckindustrie (SID) aus Leipzig und namhafter Druckereien aus Deutschland und der Schweiz müssen kritische Fragen erlaubt sein und gestellt werden.

1. Wieso konnten diese Hersteller und Lieferanten aus dem Kundenkreis von 12000 Druckereien und mehr als 100.000 Mitarbeitern keine 10 Interessenten für dieses lebenswichtige Thema begeistern?

2. Warum wurden die komplexen Zusammenhänge beim IPA-freien Druck nur einseitig untersucht?

3. Warum wurden Test bei der SID nur mit einem Alkohol-Feuchtwerk durchgeführt, die für IPA-freien Druck nicht konstruiert wurden?

4. Warum haben nur (drei) Druckereien von Ihren Erfahrungen vorgetragen, die alle nur Maschinen mit Alkoholfeuchtwerken einsetzen?

5. Warum wurden Test durch die SID nicht mit konventionellen Feuchtwerken durchgeführt, wie diese vor der Einführung von Alkoholfeuchtwerken üblich waren und auch heute noch bei Zeitungsrotationen der Standard sind?

6. Warum wurde die Teilnehmern nicht aufgeklärt, was in den „Basis-Feuchtmittelzusatz“ enthalten ist und ob diese unbedenklich für die Umwelt und das Druckpersonal sind?

7. Warum wurden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Umstellung untersucht? Maschinenleistung, Kosten pro 1000 Druck im Vergleich?

8. Warum haben die Teilnehmer vorab keine Einsicht in die Vorträge erhalten, um konstruktiv an den vorgesehenen Diskussionen teilnehmen zu können?

9. Welches Ziel hatte die angebliche Forschungsarbeit wirklich?

Wie schon in meiner ersten Stellungnahme im Anschluss an die 12 Vorträge, die im Galopptempo innerhalb von 3 Stunden 25 Minuten vorgetragen wurden, war ich von der Veranstaltung sehr enttäuscht. Hier soll dem Drucker wohl die Wahl gegeben werden zwischen PEST und CHOLERA.

Richtig hätte es jedoch nicht enttäuscht, sondern entsetzt oder wütend heißen müssen, wie man versucht hat, wirklich umweltinteressierte für dumm zu verkaufen.

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