01.10.2008 | Kommentar
Subventionen sind fatal für den Wettbewerb
Nach der Insolvenz der Arquana AG wurde die norddeutsche Tochterfirma Johler vom Unternehmer Franz Hermann Enk übernommen. Möglich wurde die Übernahme durch die Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein und ihrer Förderinstitute. Diese Hilfe stieß in einigen Teilen der Branche auf massive Kritik, so auch bei dem Unternehmensberater Michael Dömer, der sich in einem Gastbeitrag für Druck&Medien gegen jedwede staatliche Subventionspolitik aussprach. Wir dokumentieren den Text im Wortlaut.
(dmnet) Meine Einstellung ist grundsätzlich gegen staatliche Subventionspolitik, weil staatliche Steuerung in der Wirtschaft meist den Markt verzerrt. Sicher, die Unterstützung des Staates zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Technologien oder in Aus- und Fortbildung kann insgesamt förderlich sein. Kritisch wird es aber beispielsweise dort, wo Millionen Steuergelder in den Aufbau einer Rollendruckerei in Mecklenburg fließen, die nichts anderes produziert als das, worum sich schon viele im Verdrängungswettbewerb schlagen. Hier entstehen Arbeitsplätze, die woanders Jobs vernichten.
Gänzlich unakzeptabel aber ist die jüngste Subvention des Landes Schleswig-Holstein in die Firma Johler, die nicht zuletzt durch das Missmanagement der Arquana in der Insolvenz landete. Profis aus der Branche haben die Möglichkeiten einer Übernahme geprüft und verworfen - trotz günstiger Einstiegskonditionen.
Jetzt nimmt das Land die Steuergelder unter anderem der Unternehmer und Leistungsträger der Branche und pumpt sie in dieses Projekt. Bundesweit macht nun Johler mit staatlichen Mitteln gegen seine Wettbewerber Druck, die selbst zu kämpfen haben.
Insolvenzen sind auch Bestandteil der Marktwirtschaft – so hart das klingt. Die Guten sollen aufs Siegertreppchen. Nun sollen es die vom Staat Gedopten.
Die Druckindustrie muss wieder Geld verdienen, wenn sie einer folgreicher Partner für Print sein will. Daran hängt die Zukunft dieses Mediums. Das wird nur möglich durch Konsolidierung. Das Verhindern der Marktbereinigung durch den Staat wird Arbeitsplätze kosten – bei den bisher nicht gefährdeten Betrieben. Und die Erfahrung lehrt, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass auch am Tropf der subventionierte Betrieb als toter Gaul auf lange Sicht nicht zu reiten ist.
Also: Der Fall Johler hat auf Dauer nur Verlierer und vor allem: Sie führt zu Demotivation bei den Leistungsträgern der Branche. Der Wirtschaftsminister sonnt sich im Populismus, der Schatten wird aber lang sein. 2009 wird ein sehr schwieriges Jahr für den Rollenoffset – diese Subvention wird dazu beitragen.
Michael Dömer, Unternehmensberater
Lesen Sie dazu auch die Antwort von Wirtschaftsminister Werner Marnette.




