04.09.2008 | Arquana
Johler, Nord Offset und Arquem verkauft
Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder hat einen Käufer für die drei Betriebe der insolventen Arquana International Print & Media AG gefunden. Neuer Eigentümer ist der Bocholter Druckerei-Unternehmer Franz-Herrmann Enk.
(dmnet) Was Druck&Medien bereits Mitte August exklusiv gemeldet hatte, wurde nun offiziell bestätigt. Die Arquana International Print & Media AG hat "im Wege einer übertragenden Sanierung" die Assets der Johler Druck GmbH i.I. (Neumünster) veräußert. Verkauft wurde außerdem die Nord Offset GmbH (Ellerbek) und die Starnberger Arquem Management GmbH.
Der Vertrag wurde mit Wirkung zum 1. September 2008 unterzeichnet, Käufer ist der Bocholter Druckerei-Unternehmer Franz-Herrmann Enk. Das Familienunternehmen Enk wurde vor über 50 Jahren von Theo Enk gegründet. Die Firmenübergabe erfolgte vor 25 Jahren an den Sohn Franz-Hermann Enk, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte.
120 Arbeitsplätze gesichert
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Werner Marnette äußerte sich postitiv zu der Übernahme und begrüßte ausdrücklich die Sicherung von 120 Arbeitsplätzen. Für die übrige Belegschaft hat der Insolvenzverwalter mit der Agentur für Arbeit Neumünster eine Beschäftigungs- und Qualifizierungs-Gesellschaft (BQG) eingerichtet, die innerhalb der nächsten sechs Monate diese Arbeitnehmer fortbilden und an andere Arbeitgeber vermitteln soll.
Insolvenzverwalter Schröder: "Die Sanierungslösung wäre ohne die tatkräftige und kompetente Unterstützung des Wirtschaftministeriums in Kiel und der Förderinstitute des Landes nicht möglich gewesen. Das verdient großen Dank und Anerkennung. Ich bin sehr froh, mit Franz-Hermann Enk einen dynamischen mittelständischen Druckerei-Unternehmer gefunden zu haben, der Johler und Nord Offset wieder als inhabergeführtes Unternehmen betreiben wird. Ich bin sicher, dass Johler und Nord Offset in sehr gute Hände kommen."
Zuschuss vom Land Schleswig-Holstein
Das Land wird sich an den erheblichen Investitionen mit einem Zuschuss beteiligen. Maßgeblichen Anteil bei der Realisierung der Startvoraussetzungen haben die Förderinstitute des Landes Schleswig-Holstein wie Investitionsbank, Mittelständische Beteiligungsgesellschaft und Bürgschaftsbank. Wirtschaftsminister Marnette: "Hier wurde mit Unterstützung der Landesregierung ein lebensfähiges Unternehmen mit Zukunftsperspektive aus der Insolvenz wieder an den Markt geführt."
Allerdings gab es auch von einigen Seiten kritische Äußerungen zum Verkauf, unter anderem von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Holger Artus, Fachbereichs-Vorsitzender des Landesbezirks Nord sagte: "Die Pleite von Arquana war ein Beweis, dass man alleine mit Wichtigtuerei am Markt nichts verändert. Während die Chefs weg sind, müssen die Beschäftigten die Kosten tragen, durch Arbeitslosigkeit oder, wie in dem Fall Johler Druck und Nordoffset, durch neue Arbeitsverträge und Löhne, die weit unter Marktpreis sind. Dies werden wir so nicht mittragen."
EWA sieht Verschwendung von Steuergeldern
In eine andere Richtung geht die Kritik von der Rollenoffset-Organisation EWA (European Web Association). EWA-Gründer Michael Dömer befürchtet Wettbewerbsverzerrung und warf Wirtschaftsminister Marnette in einem Schreiben vom 17. September Verschwendung von Steuergeldern vor.
Die Subventionspolitik eines maroden Unternehmens führe in einem Verdrängungswettbewerb letztlich nicht zum Erhalt, sondern zur weiteren Vernichtung von Arbeitsplätzen, so Dömer. Die Druckindustrie leide seit Jahren unter einem Verdrängungswettbewerb. Das seit langem marode Unternehmen Johler Offset Neumünster sowie auch Nordoffset in Ellerbek hätten bereits begonnen, nun durch die günstigen Einstiegsbedingungen aus der Insolvenz sowie die staatlichen Fördermittel "mit aggressiver Preispolitik den Markt weiter nach unten zu ziehen".
Kritik an "subventioniertem Wettbewerb"
Dömer weiter: "Nun müssen Druckunternehmen, die aufgrund hoher Managementqualifikation und persönlichem Einsatz und Verzicht in der Lage sind, Steuern zu bezahlen, mit diesen ihren Wettbewerb finanzieren. Fatal ist, dass dieser subventionierte Wettbewerb aufgrund anderer Kostensituation eine besonders aggressive Preispolitik betreibt."
Bei Johler Druck war im April 2008 das Insolvenzverfahren eröffnet worden, nachdem die Arquana International Print & Media AG Anfang des Jahres wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Überschuldung Insolvenzantrag gestellt hatte. Ebenfalls betroffen war die Kölner J.P. Bachem GmbH & Co. KG sowie die Servicegesellschaften Arquana Media GmbH in Pforzheim und die Arquana Sales GmbH in Neumünster. Der Ellerbeker Nord Offset GmbH und der Arquem GmbH dagegen blieb die Insolvenz damals erspart.
Johler feiert 2008 seinen 132. Geburtstag
Johler Druck, gegründet 1876, beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf hochwertige Werbedrucksachen wie Zeitungsbeilagen und Kataloge. Gedruckt werden täglich bis zu zehn Millionen Zeitungsbeilagen, Broschüren, Flyer und Zeitschriften. Die Produktion erfolgt auf dem rund 20.000 m² großen Gewerbegrundstück in Neumünster, zu den Kernkunden gehören bedeutende Einzelhändler und Verlage, Finanzdienstleister, Reiseveranstalter sowie die Modebranche.
Die Nord Offset Druck GmbH ist in der Branche als Spezialist für den Druck von Umschlägen hochauflagiger Zeitschriften und sonstiger Periodika bekannt. Der Maschinenpark besteht unter anderem aus mehreren Rollenoffset-Maschinen sowie einer kompletten Vorstufe. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben als eine der wenigen Druckereien auf dem europäischen Festland den Inline-Druck von UV-Lack im Rollenoffsetdruck an.
Nur drei Jahre im Arquana-Verbund
Nord-Offset hat bereits einschlägige Krisen-Erfahrung, nachdem das Unternehmen Ende Juni 2005 wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Insolvenzeröffnung stellen musste. Der Betrieb hatte damals rund 85 Mitarbeiter, wenige Wochen später wurde er - etwa zeitgleich mit Johler - Teil der inzwischen gescheiterten Arques-/Arquana-Holding.
Bei dem nun vereinbarten Übernahmevertrag wurde Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder von der Hamburger Apenberg+Partner GmbH beraten, die zu den bekanntesten Branchen-Consultants Norddeutschlands gehört.
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