13.03.2008 | J.P. Bachem
Insolvenz-Experte sieht gute Chancen
Nachdem die Arquana-Druckerei in Köln Insolvenzeröffnung beantragte, arbeitet der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Niering an einer Lösung für das Unternehmen. Im Gespräch mit Druck&Medien zieht er eine erste Bilanz.
(dmnet) Herr Niering, Mitte Februar haben Sie die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand informiert. Viele Mitarbeiter befürchten eine baldige Abwicklung. Konnten Sie ihnen diese Sorge nehmen?
Grundsätzlich ja. Momentan sind die Planungen für eine Fortführung der Produktion zumindest bis Sommer 2008 im vollen Gang. Die Mitarbeiter und die Vertreter des Betriebsrates habe ich allerdings auch darauf hingewiesen, dass ein dauerhafter Fortbestand des Unternehmens nur mit einem neuen Investor gesichert ist.
Was können Sie uns nach heutigem Kenntnisstand zu den Gründen für das Scheitern von Bachem sagen?
Zunächst einmal unterliegt auch Bachem dem enormen Preiskampf im Bereich Rollen-Offset. Zudem dreht sich die Investitionsspirale immer weiter. Nur wirtschaftlich starken Druck-Betrieben gelingt es noch, die Investition in Millionenhöhe zu bewältigen. Trotz der von Kundenseite attestierten hervorragender Druckqualität ist Bachem seit langem nicht in der Lage, dringend erforderliche Investitionen in den Maschinenpark zu tätigen. Mit den zum Teil mehr als 15 Jahre alten Rollenmaschinen kann unter heutigen Wettbewerbsbedingungen nicht mehr kostendeckend produziert werden.
Können Sie uns etwas über die Zahl der Interessenten verraten, mit denen Sie bislang gesprochen haben?
Wir haben mit fast einem Dutzend Interessenten mehr oder minder intensive Gespräche geführt.
Sind auch Finanzinvestoren darunter gewesen?
Bisher hat sich erkennbar nur einer mit uns in Verbindung gesetzt.
Wie ist die aktuelle Auftragslage – sind viele Kunden abgesprungen?
Wir hatten großen Zuspruch von den langjährigen Kunden. Bachem hat sich in den 190 Jahren seit Gründung einen guten Namen erarbeitet; dadurch sind wir in der Lage, die Produktion zumindest in den nächsten Monaten aufrechtzuerhalten. Dennoch sind gleich mit dem Insolvenzantrag zwei größere Kunden abgesprungen, die über die ursprüngliche Arquana-Strategie gewonnen werden konnten.
Derzeit beschäftigt J.P. Bachem noch etwa 150 Mitarbeiter. Wird sich diese Zahl halten lassen, oder muss man mit einem Personalabbau rechnen?
Wir verfolgen derzeit kein selbstständiges Konzept zum Personalabbau. Der Erhalt Bachems wird nur über einen finanzstarken Investor gesichert werden können. Dieser wird letztlich bestimmen müssen, mit wie vielen Mitarbeitern bei einer konzeptionellen Neuausrichtung der Betrieb fortgeführt werden kann.
Wie ist Ihre Einschätzung, was den weiteren Ablauf angeht? Kann man davon ausgehen, dass es bis Mitte 2008 eine Lösung für Bachem gibt?
Wir arbeiten mit Hochdruck an dem dauerhaften Erhalt. Die Chancen sind aufgrund des guten Standortes, des hohen Qualitätsniveaus und des qualifizierten Personals grundsätzlich sehr gut. Sorgen bereitet jedoch der immer noch enorme Preisdruck einerseits und das vergleichsweise sehr hohe tarifliche Lohnniveau andererseits.
Das komplette Interview lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe, die am 6. März erschienen ist. Sie sind noch kein Abonnent? Kein Problem – hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Druck&Medien zunächst im Probeabo zu beziehen. … weiter




