07.01.2008 | Arquana
Vorstand stellt Insolvenz-Antrag
Was zahlreiche Beobachter bereits seit einiger Zeit erwartet hatten, ist nun eingetreten - CEO Bodo F. Schmischke hat am heutigen Montag für die Druck-Holding einen Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt.
(dmnet)
Der Insolvenzantrag betrifft neben der Arquana International Print & Media AG auch die Beteiligungen Johler Druck GmbH, Arquana Sales GmbH und die Arquana Media GmbH. Nicht betroffen sind die Tochter Arquem, die Arquana Technology GmbH, die Nord Offset Druck GmbH, die Arquana Austria Holding und die Arquana Print Austria GmbH.
Ebenfalls nicht betroffen von der Pleite ist der ehemalige Mutterkonzern Arques Industries im bayerischen Starnberg. Er besitzt keine Anteile mehr an der Arquana AG, nachdem er die letzten knapp 20 Prozent an dem Unternehmen vor etwa vier Wochen verkauft hatte.
Printec verabschiedete sich rechtzeitig
Ähnliches gilt für die Printec Investments Limited Birmingham, die erst im Sommer 2007 mit 29,9 Prozent bei Arquana eingestiegen war und sich Ende Dezember wieder verabschiedete. Auch diese Anteile stammten ursprünglich von der Arques Industries AG. Bis heute gibt es keine zuverlässigen Informationen darüber, wer oder was sich hinter Printec Investments verbirgt.
Begründet wurde der Insolvenz-Antrag mit der drohenden Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise mit Überschuldung. Die Antragstellerin und die Beteiligungen verfügten über keine vom Konzern unabhängigen Finanzierungsquellen. Zudem würden die vorhandenen Zahlungsmittel im Lauf der nächsten Zeit ausgehen, heißt es in einer Ad-Hoc-Mitteilung.
Der laufende Geschäftsbetrieb geht vorerst weiter
Vorstandssprecher Bodo F. Schmischke: "Das zuständige Amtsgericht in Neumünster hat mit Beschluss vom 07.01.2008 einen sanierungserfahrenen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Es handelt sich um Herrn Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder aus der Sozietät Johlke, Niethammer & Partner." Der laufende Geschäftsbetrieb werde unverändert fortgesetzt. Ziel sei es, die Druckbetriebe im Rahmen von übertragenden Sanierungen zu erhalten. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind laut Vorstand über Insolvenzgeld sichergestellt.
Die Aktie der Arquana International Print & Media AG reagierte auf die Nachricht mit einem drastischen Kurssturz. Sie fiel bis zum Handelsende bei hohen Umsätzen auf 0,165 Euro - ein Minus von über 65 Prozent im Vergleich im Schlusskurs am Freitag. Auch in den Tagen zuvor war sie schon kräftig gefallen: Nachdem der Kurs noch am 2. Januar im Tagesverlauf auf über 60 Cent gestiegen war, ging es in den Folgetagen deutlich nach unten.
Höchstkurs der Aktie lag bei über 35 Euro
Vor rund zwei Jahren, im Mai 2006, hatte der Kurs noch bei über 35 Euro gelegen. Besonders fatal ist der Kurssturz für einige Alteigentümer von Arquana-Druckereien; sie waren damals beim Betriebsverkauf teilweise in Aktien bezahlt worden.
Der Arquana-Vorstand hatte im dritten Quartal 2007 einem Verlust von 17,4 Millionen Euro gemeldet. Grund war unter anderem der Konkurs der österreichischen Tochter Sochor im November.
500 Millionen Euro Umsatz für 2008 avisiert
Die jetzige Insolvenz dürfte auch für die Mitarbeiter des Hauses keine wirkliche Überraschung mehr gewesen sein. Nach Informationen von Druck&Medien hatten große Teile der Belegschaft den Optimismus des Vorstand zuletzt kaum noch geteilt. Dieser hatte noch auf der Hauptversammlung 2006 mitgeteilt, er rechne für 2007 "mit einem annualisierten Umsatz von 360 Millionen Euro, für 2008 von mehr als 500 Millionen Euro". Der damalige Vorstands-Chef Friedrich-Carl Wachs versprach den Aktionären gar: "Bis 2008 wird das Unternehmen zu den Top 3 in Deutschland sowie zu den Top 5 der Rollenoffset-Drucker und -Dienstleister in Europa gehören."




