09.11.2007   |   Arquana

Vorstand unter Beschuss

Der Präsident der Arbeiterkammer Salzburg wirft dem Vorstand vor, man habe den Konkurs von Sochor "so lange hinausgezögert, bis gar nichts mehr blieb".

Arquana-Chef Bodo F. Schmischke

(dmnet) Nachdem die Arquana-Tochter Sochor in Zell am See (Österreich) Insolvenz anmelden musste, verschärft sich die Kritik am Vorgehen der Druck-Holding. Die Arbeiterkammer (AK) Salzburg wirft dem Unternehmen, das erst vor zwei Jahren bei Sochor eingestiegen war, "eine nicht nachvollziehbare Firmenpolitik" und "gravierende Fehler im Management" vor und warnt der Vorstand vor "Vermögensverschiebungen".

AK-Präsident Siegfried Pichler sieht die Gründe für das Scheitern von Sochor vor allem in der Strategie der handelnden Manager. Pichler wörtlich: "Der Arquana-Konzern hat den Konkurs so lange hinausgezögert, bis gar nichts mehr blieb, und das müssen nun die Mitarbeiter ausbaden."

"Keine neue Strategie, kein nachvollziehbarer Masterplan"

Nach Ansicht des AK-Chefs hat das Management in allen entscheidenden Punkten komplett versagt. Pichler: "Es gab keine neue Unternehmensstrategie, keinen nachvollziehbaren Masterplan, mangelnde Vertriebsstrukturen, mangelndes Controlling und gravierende Defizite in der internen Kommunikation – alles Managementfehler, die Unternehmen in die Pleite schlittern lassen."

Unterdessen erkärte Arquana-Chef Bodo F. Schmischke, man bedauere den Konkurs der Sochor Group "außerordentlich, zumal die ursprüngliche Zusammenführungsstrategie der Arquana Print Austria, Innsbruck und der Sochor Group ein Übernahmeangebot für 100 Mitarbeiter vorgesehen" hätte. Allerdings hätten die "vom Land Salzburg in Aussicht gestellten Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region" leider zu einer "geringen Wechselbereitschaft der Mitarbeiter" geführt.

Fast 27 Millionen Euro Schulden

Das Konkursverfahren der Traditionsfirma war am Donnerstag vom Landesgericht Salzburg eröffnet worden. Nach Angaben aus Österreich belaufen sich die Schulden des Unternehmens auf fast 27 Millionen Euro, der Großteil davon (über 21 Millionen Euro) ist dem Vernehmen nach nicht besichert. Das freie Vermögen wird auf rund drei Millionen Euro beziffert. Laut Arquana erwirtschaftete die Sochor Group im Geschäftsjahr 2006 Umsatzerlöse von 26 Millionen Euro bei einem negativen Ebitda von 3,3 Millionen Euro.

An den ehrgeizigen Zukunftsplänen der Arquana Print Austria hat sich, wie es aus dem Vorstand heißt, "nichts geändert: In den Standort Innsbruck werden 15 Millionen Euro investiert, um eine Rollenoffset-Druckerei europäischen Formats aufzubauen." Laut Vorstand sollen dabei rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen.




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