21.09.2007 | Arquana
Tochter Evry wird wieder abgestoßen
Damit nimmt die Arquana International Print & Media AG zugleich Abschied von ihren Internationalisierungs-Plänen. Fortan will man sich auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren.
(dmnet) Knapp zwei Jahre nach dem Kauf soll die Arquana-Tochter Evry Rotatives nun wieder veräußert werden. Seitens des Unternehmens heißt es dazu, "im Rahmen der Umsetzung eines neuen Standortkonzepts, das eine Konzentration der Präsenzen auf den deutschsprachigen Raum vorsieht", wolle man Evry verkaufen oder "in eine neue Partnerschaft" einbringen. Entsprechende Gespräche würden bereits geführt.
Weiter heißt es, um den Verkaufsprozess zu unterstützen, habe die französische Tochter, die sich "in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befindet", parallel Gläubigerschutz nach französischem Recht eingeleitet (Procedure de Sauvegarde). Dieses Verfahren schützt die nicht zahlungsunfähige Gesellschaft in dieser sensiblen Transitionsphase vor Maßnahmen von Gläubigern.
Ehemalige Tochter der französischen Nationaldruckerei
Das Unternehmen mit Schwerpunkt Rollenoffsetdruck war erst im Oktober 2005 übernommen worden. In der offizielle Meldung dazu war zu lesen: "Mit dem Erwerb der französischen Staatsdruckerei erfolgt ein erster Schritt in Richtung Internationalisierung der Rollenoffsetaktivitäten in Europa. Die Kapazitäten der Arquana können durch den Erwerb der Evry Rotatives S.A.S. erheblich ausgeweitet werden. Zudem ist Arquana als einem von wenigen deutschen Unternehmen die Übernahme eines französischen Staatsbetriebes gelungen."
Evry Rotatives ist eine ehemalige Tochter der französischen Nationaldruckerei. Die Gesellschaft hatte im ersten Halbjahr 2005 einen Umsatz von über 13 Millionen Euro erzielt. Zu den Kunden gehörten damals neben Ministerien und Gebietskörperschaften auch Verlage und Industrieunternehmen.
Die Firmen-Immobilie wurde längst verkauft
Die Druckerei war frei von Bankverbindlichkeiten für einen symbolischen Kaufpreis übernommen. Laut Arquana verfügte die Gesellschaft bei der Übernahme über ausreichend Working Capital und Barmittel.
Zum Gesellschaftsvermögen gehörte ein relativ moderner und lastenfreier Maschinenpark, der unter anderem mit zwei 64-Seiten-Maschinen und einer vollautomatischen Nachbearbeitung ausgestattet war. Das Firmengrundstück in Bondouffle am südlichen Rand von Paris umfasste knapp 100.000 Quadratmeter und wurde zu einem Restwert geleast. Mittlerweile ist es verkauft, wie von Arquana zu erfahren war. Der Ertrag lag bei 4,2 Millionen Euro.
Auch mit der Tochter Sochor scheiterte Arquana
Die Schieflage in Frankreich kommt für die Arquana International Print & Media AG, die immer den Internationalisierungs-Aspekt ihrer Strategie betont hatte, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen musste kürzlich bereits das Druckgeschäft der Tochter in Zell am See (Österreich) abwickeln, da sich die Geschäfte in dem kleinen Alpenort deutlich schlechter entwickelt hatten als geplant.
Begründet wurde die Maßnahme damit, dass der Standort nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Seit der Übernahme habe man mehrere Millionen Euro zuschießen müssen, erklärte Arquana-Vorstand Bodo Schmischke, der zwischenzeitlich den Vorstands-Vorsitz übernommen hatte. Nach Informationen von Druck&Medien läuft bereits seit einiger Zeit ein Prozess gegen die früheren Eigentümer der Druckerei. Sochor war erst vor anderthalb Jahren erworben worden.
Die Talfahrt der Arquana-Aktie setzte sich unterdessen in den vergangenen Tagen weiter fort. Am Freitag wurde das Papier, das in den besten Zeiten noch rund 35 Euro gekostet hatte, für 3,60 Euro gehandelt. Damit ist die Marktkapitalisierung, also der Gesamtwert des börsennotierten Unternehmens, auf unter 8,6 Millionen Euro gefallen.




