18.07.2007   |   Arquana

Rückzug in Zell am See beginnt

Von Clemens von Frentz

Die Sochor Group, die erst Ende 2005 erworben worden war, wird ihren klassischen Druckbetrieb einstellen. Ein Teil der Mitarbeiter soll zum Standort Innsbruck wechseln, der ausgebaut wird.

Kursverlauf der Arquana-Aktie

(dmnet) Etwa anderthalb Jahre nach dem Kauf hat die Arquana International Print & Media AG beschlossen, ihre Tochter Sochor Group GmbH mit Sitz in Zell am See (Österreich) teilweise abzuwickeln. Damit zieht das Unternehmen offenbar die Konsequenzen aus dem Umstand, dass sich die Geschäfte in dem Alpenort deutlich schlechter entwickelten als geplant.

Begründet wird die Maßnahme damit, dass der Standort nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Seit der Übernahme habe man mehrere Millionen Euro zuschießen müssen, erklärte Arquana-Vorstand Bodo Schmischke. Nach Informationen von Druck&Medien läuft bereits seit einiger Zeit ein Prozess gegen die früheren Eigentümer der Druckerei.

Produktion läuft Ende 2007 aus

"Die Zahlen sind tatsächlich so schlecht", sagte Sochor-Geschäftsführer Andreas Walka gegenüber dem ORF. "Der Mutterkonzern hat in den letzten Monaten einige Millionen investieren müssen. Das war nötig, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. Wir mussten feststellen in letzter Zeit, dass die Zahlen bei Übergabe des Unternehmens nicht sauber waren. Diese Unsauberkeit ist auch bei Gericht anhängig - mit den Vorbesitzern."

Der Produktionsbetrieb bei Sochor wird laut Vorstand bis zum Jahresende fortgesetzt. Die Druckvorstufe, der Digitaldruck und die Bereiche Finance und Administration verbleiben in Zell am See.

"Topmoderner Betrieb"

Arquana hatte erst am 18. November 2005 alle Anteile an Sochor übernommen. Im Gegenzug erhielten die Gesellschafter einen Barkaufpreis und 75.000 Aktien an der börsennotierten Druck-Holding. Arquana-Chef Friedrich-Carl Wachs kommentierte den Abschluss damals mit den Worten: "Die Sochor Group ist bis weit nach Deutschland als ein technisch topmoderner Fachbetrieb mit besonderen Qualitätsansprüchen bekannt. Wir sind stolz, die Familiengesellschafter von unserem Konzept überzeugt zu haben. Die Gesellschaft wird, durch die Finanzkraft unseres Konzerns gestärkt, nunmehr noch erfolgreicher arbeiten."

Die Sochor Group GmbH war im Jahre 1919 gegründet worden. Das Unternehmen hatte zum Zeitpunkt der Übernahme 172 Mitarbeiter und eine voll ausgerüstete Druckvorstufe sowie einen Bogenoffsetbereich (4- bis 6-Farben-Maschinen, 70/100, S/W-Druck-Möglichkeit), zwei hochmoderne 24-Seiten-Rotationsmaschinen (5 Doppeldruckwerke) sowie über eine 16-Seiten-Rotation mit fünf Farben und Sonderaggregaten (alle vom Hersteller Heidelberg Harris). Daneben gab es eine komplett industriell ausgestattete Buchbinderei mit angeschlossenem Logistik-Zentrum.

Aufbau von Arquana Print Austria geplant

Eine der Maschinen soll bereits im August von Zell am See nach Innsbruck verlagert werden, wo Arquana nach eigenen Angaben unter dem Namen Arquana Print Austria einen modernen Druckstandort aufbauen will. Basis dafür ist die WUB Wagner'sche Universitäts-Druckerei, die Arquana erst vor einigen Monaten von der angeschlagenen Schmelzle-Gruppe übernommen hatte.

In einer Mitteilung des Arquana-Vorstands heißt es dazu: "In Innsbruck entsteht somit ein Druckstandort mit einem Umsatzvolumen von mehr als 50 Millionen Euro. Dazu wird die Produktionsfläche in Innsbruck um 2.600 m² erweitert. Es wird in eine neue Druckmaschine sowie in die Buchbinderei investiert. (...) Die im Markt fest etablierten Marken WUB und Sochor werden fortgeführt. Der Standort Innsbruck bietet u.a. aufgrund seiner günstigen geografischen Lage direkt an der Autobahn und der guten infrastrukturellen Voraussetzungen eine ideale Ausgangsposition für den Expansionskurs, den Arquana verfolgt."

Dramatischer Kursverlust der Arquana-Aktie

Die Aktie des Unter­nehmens gibt unterdessen weiter nach. Bereits am Montag-Morgen war sie kurz nach Eröffnung des Handels massiv eingebrochen und unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro gefallen, nachdem sie Mitte 2006 noch für über 35 Euro gehandelt worden war.

Am Dienstag und Mittwoch setzte sich die Talfahrt fort. Damit gerät auch das Geschäftsmodell des Unternehmens massiv unter Druck, da die Arquana AG ihr Aktie üblicherweise als Akquisitionswährung einsetzt.




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