27.11.2005   |   Getränkekarton-Produktion

Weitere Funde von kontaminierter Babymilch

Von Clemens von Frentz

Nach dem Rückruf von Nestlé-Babymilch in Italien wurde nun auch in Produkten des deutschen Herstellers Milupa der Druckfarben-Stabilisator ITX entdeckt.

Nestlé-Chef Peter Brabeck

Nestlé-Chef Peter Brabeck

(dmnet) Nach Angaben des italienischem Gesundheitsministeriums wurden Rückstände von Isopropylthioxanthon in Milch der Marken "Aptamil2", "Aptamil Soia" und "Bedimil" gefunden. Eine entsprechende Analyse wurde bereits am 13. Oktober durchgeführt. Aus nicht näher erklärten Gründen wurde die betroffenen Milupa-Babymilch aber erst heute beschlagnahmt.

Der Milupa-Konzern räumte ein, dass auch in Deutschland eines seiner Milchprodukte mit dem Farbstabilisator Isopropylthioxanthon (ITX) kontaminiert war. Es handle sich um den Kinderkakao "Milupino", sagte der Marketingleiter von Milupa Deutschland, Christian Stammkötter. Allerdings seien nur geringe Mengen betroffen gewesen. Alle anderen Produkte des Konzerns, die in Deutschland auf dem Markt seien, hätten keinen Kontakt mit den fehlerhaften Packungen gehabt.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Verpackungshersteller Tetra-Pak ITX-haltige Druckerfarbe für Pappverpackungen von Milchprodukten verwendet hatte, die sich in die Flüssigkeit gelöst hatte. Zunächst hatte es geheißen, nur in Italien verkaufte Produkte der Hersteller Nestlé und Milupa seien betroffen. Konkret gehe es um die Nestle-Marken "Mio" und "Nidina" sowie die Milupa-Produkte "Aptamil2", "Aptamil Soia" und "Bedimil".

Das italienische Gesundheitsministerium hatte das Problem bereits am 13. Oktober erkannt, aus nicht näher erklärten Gründen aber erst in der vergangenen Woche Maßnahmen eingeleitet. Beide Konzerne haben die kontaminierten Produkte inzwischen zurückgerufen - die Behörden sollen bereits 30 Millionen Liter beschlagnahmt haben.

Milupa hatte nach den Worten Stammkötters im August das Verpackungs-Design für den Kinder-Kakao umgestellt. Das Problem sei im September festgestellt worden, daraufhin habe man das Druckverfahren für die Verpackungen vorsorglich sofort geändert.

Der Kinderkakao sei jedoch nicht aus dem Handel genommen worden, weil ITX von der EU- Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft sei. Die Behörde habe allerdings angeordnet, das Druckverfahren bis zum Jahresende zu ändern.

Sowohl Nestlé als auch Milupa betonten, bei der Verunreinigung gehe es um eine "minimale Konzentration von ITX". Die Substanz komme auf der Liste der als gefährlich eingestuften Stoffe nicht vor und sei gesundheitlich unbedenklich. Ein Sprecher von Tetra-Pak erklärte, die Firma wolle künftig auf die Verwendung von ITX verzichten.

Unterdessen hat die Affäre zu einem heftigen Konflikt zwischen Italiens Gesundheitsminister Francesco Storace und , Nestlé-Vorstandschef Peter Brabeck geführt. Der Minister wirft dem CEO vor, den Rückruf der verunreinigten Babymilch in Italien, Spanien, Frankreich und Portugal als bedeutungslos abgetan und als "Sturm im Wasserglas" bezeichnet zu haben.

Das wiederum empörte den Italiener. Er reagierte auf die Äußerungen Brabecks mit den Worten: "Der Chef eines internationalen Konzerns darf Italiens staatliche Institutionen nicht straflos besudeln."

Nun wird unter anderem zu klären sein, ob Brabeck die Unwahrheit gesagt hat. Er hatte nämlich behauptet, es habe zwischen EU, Nestlé und dem Gesundheitsministerium eine Vereinbarung gegeben, die Affäre noch vor Bekanntwerden der Verschmutzung stillschweigend zu regeln.




Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren