03.11.2011   |   Apenberg+Partner

Strukturwandel hält an

Die Druckbranche leidet weiter unter dem Strukturwandel: Das zeigt die aktuelle Herbst-Umfrage von Apenberg+Partner. Auch im drupa-Jahr 2012 müssen viele Unternehmen der deutschen Druck- und Medien- Industrie mit schwierigen Verhältnissen rechnen. Das gilt vor allem für die Zeitungsdrucker, die mehrheitlich einen weiteren Preisverfall erwarten. Es gibt aber auch Branchen-Vertreter, die optimistisch sind.

Porträtfoto

Michael Apenberg

(dmnet) Die traditionelle Herbstprognose des Hamburger Personal- und Unternehmensberaters Apenberg+Partner gilt als Seismograph der Druck- und
Medienwirtschaft. Die Umfrage wurde bereits zum neunten Mal durchgeführt. 460 Unternehmen folgten der Bitte der Consultants und äußerten sich zu den wirtschaftlichen Erwartungen ihrer Branche. 98 Prozent der Fragebögen wurden von Vorständen und Geschäftsführern beantwortet.

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Hälfte der 265 Druckereimanager erwartet auch für das drupa-Jahr 2012 einen weiteren Rückgang bei den Verkaufspreisen, lediglich sieben Prozent der Befragten gehen von einer Steigerung ihrer Abnehmerpreise aus. Dennoch glauben insgesamt 53 Prozent der Befragten an eine positive Marktentwicklung. Dieser verhaltene Optimismus wird vor allem von den Etiketten- und Verpackungsdruckern getragen, während die Mehrheit der Bogen-Akzidenzdrucker (56 Prozent) eine negative Marktentwicklung in 2012 befürchtet. Die Investitionsbereitschaft der Drucker wird sehr unterschiedlich eingeschätzt. Während 27 Prozent der Befragten ihre Investitionen steigern wollen, wird rund ein Drittel der Drucker weniger investieren als in 2011.

2012 wird vermutlich nicht das Jahr der Zeitungsdrucker werden: Die Rationalisierungs-Bemühungen der Verlage entfalten nun ihre volle Wirkung. Knapp 75 Prozent der befragten Zeitungsdruckerei-Manager erwarten einen Preisverfall bei ihren Produkten, etwa die Hälfte der Entscheider rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Marktsituation. "Die Druckindustrie muss sich auf ein weiteres Jahr des Strukturwandels einstellen", so Michael Apenberg, Geschäftsführer bei Apenberg+Partner. "Die Branche ist nichts für schwache Nerven – und dabei wird es wohl erst mal bleiben. Gut 40 Prozent der Befragten sind dabei, ihre Geschäftsmodelle zu überarbeiten oder durch neue Dienstleistungen und Produkte zu erweitern."

Von den 121 befragten Verlagsmanagern erwarten rund 41 Prozent für 2012 eine Verbesserung ihrer Ergebnisentwicklung, nur 20 Prozent befürchten eine Verschlechterung. 41 Prozent wollen ihre Wertschöpfungskette weiter ausbauen und ihren Kampf um "Paid Content" im Internet fortsetzen. Daher ist auch jeder dritte Verlag bereit, seine Investitionen im Jahre 2012 gegenüber dem Vorjahr zu steigern.

An der Befragung beteiligten sich auch 74 Unternehmen der grafischen Zulieferindustrie in Deutschland. Die größte Gruppe bildeten die grafischen Fachhändler (20 Prozent) und die Druckmaschinenhersteller (20 Prozent). Jedes zweite Unternehmen der Zulieferindustrie hat sich vorgenommen, die Preise 2012 auf dem Niveau von 2011 zu belassen. "Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Papierpreise weiter nach oben bewegen werden", sagt Jörn Dreessen, Projektleiter des Print Business Forecast 2012. Die Teilnehmer der Umfrage erhalten die Ergebnisse in diesen Tagen kostenfrei zugesandt. Alle anderen Interessenten können die Studie gegen eine Schutzgebühr von 95 Euro zzgl. 19 % Mehrwertsteuer als PDF bei Apenberg+Partner bestellen. (kü)




Kommentare zu diesem Beitrag

Erfolgreicher Bogendrucker , 03.11.2011:
"Die Druckbranche leidet weiter unter dem Strukturwandel". Warum Leid? Leid ist die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen. Wer die Umwälzungen der neuen Medien richtig einschätzt, wer den Markt genau beobachtet und den Bedürfnissen SEINER KUNDEN folgt, für den wird auch das Jahr 2012 eine große Freude sein. Gejammert haben wir in dieser Branche nun lange genug.

Lars Kroll , 04.11.2011:
Print-Media-Student an der Hochschule der Medien:
Die Branche ist am jammern, ja es gibt einen Umschwung, aber Print wird nicht aussterben. Das man erfolgreich seien kann, zeigen diverse Unternehmen. Die Druckbranche sollte gerade diesen "Strukturwandel" nutzen und neue Kanäle "Social Media", "Web-to-Print", etc. als "Chance", nicht als "notwendig" betrachten.

Michael Dömer.+Unternehmensberater , 08.11.2011:
Die beiden Kommentatoren haben natürlich recht. Die Wortwahl einer leidenden Branche ist unglücklich gewählt. Leiden ist nicht unternehmerisch. Allerdings ist es weiterhin bedauerlich, wie sehr sich diese Branche selbst schlecht redet. Print behält eine sehr wichtige Funktion im Multichannelzeitalter. 2011 war für viele besser als befürchtet. Social media stellt sich als schwierig für die Werbewirtschaft heraus und wird bereits entzaubert.
Die Götterdämmerung für Print wird ausbleiben. Angst ist ein schlechter Ratgeber und führt als selffullfilling prophecy erst zum Niedergang.Man sollte die Studie nicht als Negativsignal interpretieren und von leidender Branche sprechen sondern als Ansporn zu unternehmerischer Standortbestimmung in Print and more. Multichannel nicht Monochannel

Diesen Beitrag kommentieren