22.03.2011   |   Print 64

Erneut vor dem Aus

Von Imke Laurinat

Gut ein Jahr nach der Übernahme durch RT Reprotechnik ist die Druckerei in Norderstedt erneut zahlungsunfähig. Am Montag wurde die Insolvenzeröffnung bei Gericht beantragt; die bisherigen Geschäftsführer haben das Unternehmen bereits verlassen.

print64

Print 64 in Norderstedt

(dmnet) Der Betrieb in Norderstedt bei Hamburg läuft noch wie gewohnt, doch die Print 64 Druckwerkstätten GmbH musste gestern vor dem Amtsgericht Leipzig das Insolvenzeröffnungsverfahren beantragen. Wie Druck&Medien auf Anfrage erfuhr, haben die beiden bisherigen Geschäftsführer Torsten Tobias Bastian und Dirk Bräuer das Unternehmen kurzfristig verlassen. Die Geschäfte führt inzwischen der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Achim Ahrendt, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter benannt wurde. Er soll nun prüfen, welche Aussichten zur Fortführung der Druckerei bestehen. Für die Beschäftigten kommt die erneute Zahlungsunfähigkeit der Druckerei unerwartet; aus Mitarbeiterkreisen heißt es, der Betrieb sei ausgelastet.

Auch RT Reprotechnik auf dem Prüfstand?


Print 64 war bereits 2009 in Insolvenz geraten und im Januar 2010 von der in Leipzig ansässigen RT Reprotechnik GmbH übernommen worden. Der Repro-Dienstleister gehört vollständig der Private-Equity-Gesellschaft Heliad Equity Partners. Diese teilte schon am 18. März in einer Ad hoc-Mitteilung die Verschiebung ihres Jahres- und Konzernabschlusses mit, weil sich "bei der Reprotechnik Beteiligungsgesellschaft mbH im Rahmen der Abschlussprüfung aufgrund von Auswirkungen der Insolvenz der Tochtergesellschaft Print 64 Druckwerkstätten GmbH keine positive Fortführungsprognose" ergeben habe. Darin heißt es auch, dass Heliad unabhängig von Print 64 die Sanierung und Fortführung des profitablen Kerngeschäfts (Reprographie) der RT-Gruppe plane.




Kommentare zu diesem Beitrag

Durchblicker , 22.03.2011:
...und der Insolvenzverwalter sucht schon wieder nach dem nächsten Investor.

Wann verschwinden solche überflüssigen Buden endlich mal vom Markt?

Realist , 22.03.2011:
Ja das sind diese inovativen und gelobten Unternehmen die umweltbewust mit neuester Technik auf pump den Markt zerstöhren. Aufträge bis unters Dach, leider nicht kostendeckend. Diesen Unternehmern ist nicht bewust das sie durch so eine Preispolitik auch ihre eigene Zukunft über kurz oder lang zerstöhren. Leider verschwindet dieses Übel nur sehr schleppend, dem insolvenzrecht Dankend.

Unrealist , 22.03.2011:
Was soll so eine dumme Bemerkung. Erstmal bei der eigenen Rechtschreibung anfangen und dann überlegen was Sie da von sich geben.

Traurig , 22.03.2011:
Einfach unglaublich!!! Es ist kaum in Worte zu fassen,einfach nur schockierend! Wieder einmal geht ein absolut geiler Laden den Bach runter,nur weil die Führungskräfte erneut nicht in der Lage waren,das Ruder herum zu reissen!Warum,in Gottes Namen,durften sie überhaupt noch so lange bleiben und weiter rumwurschteln?!Und nun machen sie sich davon und die Leidtragenden sind mal wieder die,die immer alles versucht haben,um die Wende herbei zu schaffen!Das ist jetzt der Dank?!!!

0815 , 22.03.2011:
schöne Druckerei, tolles Personal und Super-Kunden. Leider der falsche Investor...

PrinterWW , 23.03.2011:
Wann werden Manager und Mitarbeiter in der Druckbranche begreifen, dass Auslastung nichts über die Profitabilität eines Unternehmens aussagt. Ein Auftrag der die Kosten nicht einbringt, wird doch nicht dadurch besser, dass er rund um die Uhr läuft.

Mittelstandsinvestor , 23.03.2011:
Die Print64 wurde wahrscheinlich von sog. Mittelstandsinvestoren ausgesaugt und nun erneut vor die Wand gefahren. Die Fortführung des "profitablen Kerngeschäftes" soll einfach nur an einem anderen Ort fortgeführt werden. Arbeiter, Bauern, nehmt die Gewehre... Investoren mit Durchblick und Ehre im Leib können hier eine echte Perle zum Schnäppchenpreis bekommen, denn noch wird produziert.

Schockierter Kunde , 23.03.2011:
Unbegreiflich. Da trifft es einen ganz besonderer Laden mit tollen Mitarbeitern. Nach jahrelanger Zusammenarbeit hoffe ich, das diese Druckerei irgendwie überlebt. Es ist aber spannend zu sehen, wie schnell die Aasgeier der Konkurrenten bei einem auf der Matte stehen und Print64 schlecht machen... Haltet durch, Jungs!

Controller , 23.03.2011:
- tollste und neueste Technik
- tolles Personal (Innen)
- super Kunden

sind die Grundlagen für den Erfolg, garantieren diesen aber noch lange nicht. Auch solche Betriebe gehen zurecht in die Insolvenz, wenn sie es nicht geschafft haben, wirtschaftlich zu arbeiten und/oder mehrheitlich ihre Aufträge zu kostendeckenden Preisen verkauft haben.

Super Kunden wie z.B. Porsche, Daimler oder BMW vergeben ihre Aufträge zu Preisen, die 30-50% unter der notwendigen Betriebsleistung liegen.
Warum: Weil eben diese super ausgestatteten Betriebe bereit sind, für eine gute Auslastung und die Referenz, für solche Kunden zu drucken, dies mitmachen.

Es ist in der heutigen Drucklandschaft extrem schwer, den Spagat zwischen notwendiger Auslastung und auskömmlichen Preisen zu erreichen. Dafür sind extrem gute Kundenbindungen ebenso notwendig, wie der Mut nein zu sagen.
Leider können in unserer Branche mit den immensen Investitionen auch mit 70% Auslastung zu auskömmlichen Preisen immer noch keine "Schwarzen Zahlen" geschrieben werden. Es ist trotzdem eine Auslastung von mehr als 90% notwendig.

Darin liegt das extreme Spannungsfeld und die Kunst der Geschäftlsleitung und vor allem des Verkaufsteams.

Leider können dies nicht alle Unternehmen schaffen, da wir deutliche Überkapazitäten am Markt haben, welche auch nach einer Konjunkturerholung in Zukunft nicht mehr benötigt werden. Somit überleben eben nur die Besten!!

Unternehmer , 23.03.2011:
Es ist richtig, das man für die namenhaften Kunden nicht mal den Deckungsbeitrag bekommt und früher oder später zuschließt, man sollte da das insolvensrecht grundlegend Ändern!!!! siehe Schlott AG, dem Hauptkunden (IKEA) mit einer saftigen Nachzahlung belasten, da dieser seinen Katalog viel zu günstig dort eingekauft hat. Das Insolvensgeld bezahlt die Allgemeinheit, auch die Subvensionen!!! damit sollte Schluss sein!!!

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