01.12.2010   |   Ingede

Flüssigtoner sorgt für Produktionsausfall

Lange warnte die internationale Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik davor, dass kleine Bestandteile aus Flüssigtonerfilmen aus Indigo-Drucken nicht auf gängige Weise recycelbar seien. Jetzt sollen die Druckereiabfälle eines Fotobuchherstellers zu einem erheblichen Schaden in einer Papierfabrik geführt haben.

deinking

Werden Flüssigtoner-Drucke künftig nur noch getrennt von anderer Makulatur angenommen?

(dmnet) Ende August sollen die Messwerte für Schmutzpunkte im fertigen Papier in einer deutschen Papierfabrik rasant angestiegen sein. Trotz sofortiger Suche im eingesetzten Altpapier seien sieben Rollen mit je 20 Tonnen hochwertigen Recyclingpapiers als Ausschuss entsorgt worden, bis die Quelle der Verunreinigungen identifiziert werden konnte. Es habe sich um Flüssigtoner-Druckereiabfälle eines Fotobuchherstellers gehandelt, die zusammen mit anderem hochwertigen Altpapier als Sorte Multidruck angekauft worden waren. Dies teilt die internationale Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik e.V (Ingede) mit.

Der Anteil dieser Drucke soll bei weniger als drei Prozent im gesamten Rohstoff gelegen haben. Deshalb sei das verbleibende Material während der folgenden Wochen sorgfältig weiter verdünnt und beobachtet worden, um erneute Schäden zu vermeiden. Die betroffene Papierfabrik betreibt laut Ingede die aufwändigste Deinkinganlage Europas mit zwei Flotationsstufen und zwei Dispergern, die mit hoher Leistungsaufnahme betrieben wurden. Der Papierfabrik soll allein durch den Produktionsausfall ein Schaden von mehr als 100.000 Euro entstanden sein.

Als Folge sollen Flüssigtoner-Drucke nicht mehr mit für das Deinking bestimmtem Altpapier angenommen werden; sie seien lediglich für die Produktion von Wellpappenrohstoff geeignet. Die Ingede und ihre Mitgliedsfirmen weisen den Altpapierhandel darauf hin, Druckereiabfälle von HP Indigo-Druckern künftig nur getrennt von anderer Makulatur anzunehmen und direkt der Wellpappenherstellung zuzuführen.

Die Ingede wurde 1989 als Zusammenschluss führender europäischer Papierhersteller gegründet. Ziel der Vereinigung ist es, die Verwertung von hellem Altpapier (Zeitungen, Zeitschriften und Büropapiere) zu neuem grafischem Papier und zu Hygienepapieren zu fördern und die Rahmenbedingungen für einen erhöhten Altpapiereinsatz zu verbessern. (ila)




Kommentare zu diesem Beitrag

Reinhard Berlin , 01.12.2010:
Natürlich wird die Produktion der Fotobücher noch als besonders Umweltfreundliche "verkauft".

Herstellertext:
"Beim Druck des Fotobuch kommen überwiegend Flüssigtoner zum Einsatz, so dass die Entstehung von Feinstaub ausgeschlossen ist. Beim Ink-Jet-Druck zur Herstellung ausgewählter Digitaldruckprodukte wie Leinenbilder und Geschenkprodukte werden Tinten auf Wasserbasis verwendet. Dadurch wird die Emission flüchtiger Kohlenwasserstoffe vermieden."

Papier versaut, aber wenigstens keine flüchtigen Kohelenwasserstoffe. Das Deinking-Problem gibt es seit der ersten Indigo-Auslieferung. Jetzt, wo immer mehr dieser Abfälle auf den Markt kommen, wirds teuer. Aber zahlen müssen natürlich wieder "die Anderen".

Walter Jung , 10.12.2010:
Dieser Fall, respektive die damit verbundene Diskussion, erinnert stark an das Wiederverwerten von PET-Flaschen Mitte der achtziger Jahre, als sich vereinzelte Entsorger erfolglos gegen eine Aufnahme des aufkommenden Standards in das Receyling-System sperrten. Das Ergebnis ist bekannt.

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