24.11.2010 | Europäische Druckverbände
Werkzeugkasten für Europas Drucker
Hilfe, den Strukturwandel in der europäischen Druckindustrie zu bewältigen bietet ein "Werkzeugkasten", den der bvdm und die europäischen Druckverbände nach einjähriger Analysearbeit gestern in Brüssel vorstellten. Eine weitere Broschüre gibt Aufschluss darüber, wie die Drucker selber ihre Zukunft sehen.

Das Toolkit bietet eine detailierte Handlungsanleitung für die sozialverträgliche Unternehmens-Restrukturierung
(dmnet) Der deutsche Bundesverband Druck und Medien (bvdm) gehörte zu den Initiatoren einer europaweit durchgeführten Studie zur sozialverträglichen Restrukturierung in der Druckindustrie – und wie diesem begegnet werden kann. Sponsor der Studie war die Europäische Kommission, die insgesamt 250.000 Euro gab, um damit neben allgemeinen Kosten zwei Workshops, den Abschlusskongress und eine Studie mit Befragung zu bezahlen.
Mit der Mittelvergabe war allerdings an die Auflage gebunden, streng paritätisch die Gewerkschaften zu beteiligen und so waren neben klassischen Arbeitgeberverbänden wie dem bvdm und dem europäischen Dachverband Intergraf unter anderem auch Verdi und der Gewerkschaftsdachverband der grafischen Industrie Uni Europa Graphical mit an Bord.
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit lag daher bei der Frage der Weiterbildung der Mitarbeiter und deren Beschäftigungssicherung. Das mit der Studie beauftragte Beratungsunternehmen Facta Consult ist besonders auf die Befragung von Mitarbeitern ausgerichtet. Die Ergebnisse und insbesondere das so genannte "Toolkit", eine detailierte 64-seitige Anleitung zur Unternehmensrestrukturierung, gehen allerdings weit darüber hinaus und geben weit reichende Hinweise zur Restrukturierung speziell von Druckunternehmen für das 21. Jahrhundert.
Bei der Präsentation der Ergebnisstudie und des Toolkits am 22. und 23. November in Brüssel bestand weit gehende Einigkeit über die Ursachen für die derzeitige schwierige Lage der europäischen Druckindustrie: Überkapazitäten, Preisverfall und Medienwandel. Was dagegen zu tun ist, das schildern in der Studie einige Best-Practice-Beispiele aus der Branche. Die genannten Unternehmen waren dann auch in Brüssel anwesend und präsentierten ihre Ideen.
Ulrich Stetter von Schleunungdruck berichtete zum Beispiel darüber, wie sein Unternehmen zu qualifizierten Fachkräften kommt. Als Beispiel nannte er die Weiterqualifizierung von Druckhelfern zu Druckern, wobei diese während der Weiterbildung dank kreativer Auslegung der Tarifverträge kaum Einkommenseinbußen hinnehmen müssen.
So ist denn der versöhnliche Aspekt der Studie, dass bei allen Problemen und Risikien jene Druckunternehmen gute Zukunftschancen haben, die sich rechtzeitig auf den Wandel eingestellt haben und ihn aktiv gestalten.
Eine Schwachstelle der Studie ist allerdings die recht geringe Zahl der eingegangenen Antworten, auf denen die Studie beruht: 45 direkte Interviews führten die Befrager; 148 Menschen füllten den Online-Fragebogen aus. Immerhin: Deutsche Drucker sind in der Studie überdurchschnittlich vertreten. Mittel- und Osteuropa fällt hingegen ganz raus und auch Spanien und Portugal sind nur schwach vertreten. Auch ganze Sparten wie der Label- und der Verpackungsdruck fallen raus.
Die Studie und das Toolkit liegen zur Zeit nur auf Englisch vor. Eine deutsche Übersetzung soll im Dezember folgen. Nur die englische Version gibt es als gedruckte Broschüre; die übersetzten Fassungen werden nur als PDF verfügbar sein. Angesichts der dürftigen Druckqualität der englischen Fassung ist das aber kein großer Verlust.
Bei Interesse müssen Sie sich an den bvdm wenden.



