17.11.2010 | European Web Association
Annäherung bei den Rollendruck-Verbänden
Auf der Jahrestagung der EWA waren auch Vertreter der ERA anwesend. Nachdem die beiden Verbände des industriellen Rollendruck in der Vergangenheit uneins über Bemühungen der EU waren, den Strukturwandel in ihrer Branche zu fördern, nähern sich die Positionen inzwischen an. In Zukunft will man mehr zusammenarbeiten.
(dmnet) Die Mitglieder der European Web Association (EWA) diskutierten auf ihrer Herbstkonferenz am 7. und 8. November im Hamburger Hotel Le Royal Meridien die Perspektiven der Branche und erarbeiteten Statements zu wichtigen Branchenthemen. Konferenzmoderator Michael Dömer freute sich, dass 95 Prozent der Mitglieder zu der Tagung erschienen.
Bessere Auslastung
Die Konferenzteilnehmer berichteten darüber, dass die Auslastungssituation im Herbst 2010 wesentlich besser als erwartet sei und die Kapazitäten vollständig auslasten würde. Die Horrorszenarien seien ausgeblieben. Besser als erwartet habe sich der Zeitschriftenmarkt erholt, die Beilagenproduktion sei stabil und auch im Kataloggeschäft ergäben sich für den Rollenoffset zwar einige Verschiebungen im Bereich Auflagen und Umfang, doch dass sei kein Anlass zur Besorgnis.
Die Ertragssituation spiegele allerdings dieses Bild nicht wieder. Den anhaltenden Preisdruck des Marktes halten die Unternehmer für gefährlich. Er habe allerdings eine Grenze erreicht. Immer mehr Unternehmer seien bereit, Maschinen kurzzeitig abzustellen oder Schichten zu reduzieren statt ruinöse Preise zu akzeptieren. "Kunden müssen für 2011 höhere Preise budgetieren", so die Einschätzung von Dömer.
Mit Sorge kommentiert die EWA die Preisentwicklung insbesondere für Papier und Farbe. Wenn die Papierindustrie keine Preissicherheit für 2011 gebe, könne niemand mit Verantwortungsgefühl für sein Unternehmen zu Festpreisen anbieten. "Preissteigerungen müssen 1:1 am Markt weitergegeben werden. Alles andere ist existenzgefährdend", so Dömer.
Gegen EU-Interventionen und -Subventionen
Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war das Statement zur Diskussion um eine mögliche Koordinierungsfunktion der EU zum Strukturwandel der Branche. Zu diesem Tagesordnungspunkt war auch Roto-Smeets-Chef John Caris, eingeladen. Caris war verschiedentlich auf EU-Ebene in dieses Thema einbezogen worden. Er stellte sich in der Diskussion "ohne wenn und aber" hinter die Forderung aller Unternehmer und Geschäftsführer aus der EWA, Subventionen ebenso abzulehnen wie jegliche Einmischung von EU–Kommissionen zur Investitionssteuerung einer Branche. Man müsse gemeinsam mehr Präsenz in Brüssel zeigen und deutlich machen, dass der Markt das entscheidende Regulativ zur Kapazitätsanpassung ist.
EWA verstärkt Lobbyarbeit
Ein klares Votum der Teilnehmer gab es auch zu einer verstärkten Lobbyarbeit für Print und insbesondere für den Rotationsdruck. Dies gelte gegenüber Brüssel, aber auch gegenüber anderen Institutionen und der Öffentlichkeit. Überzogene Gesetze und Werbeverbote dürften nicht hingenommen werden. Print müsse zudem mehr als wichtiger Bestandteil auch für die Zukunft im Multichannelzeitalter Position beziehen. Um das zu erreichen wurden diverse Beschlüsse gefasst und Arbeitsgruppen gebildet. 2011 will die EWA als Rotationsbranche in die Offensive gehen.
ERA als Partner
Nikolaus Broschek, Präsident der Tiefdruckorganisation European Rotogravure Association (ERA) und Generalsekretär James Siever führten als Gäste mit den EWA–Unternehmern einen Meinungsaustausch. Die Schnittmengen zwischen beiden Seiten scheinen zu wachsen. "Der Markt und die technischen Möglichkeiten entscheiden letztlich, welches Verfahren im Einzelfall richtig ist" so Broschek. Im Übrigen schlossen sich die Repräsentanten des Tiefdrucks in aller Deutlichkeit der Forderung an, die Politik müsse sich aus den Themen heraushalten, die von den Unternehmen zu lösen sind. Ein gemeinsamer Arbeitskreis aus EWA und ERA wird kurzfristig ein Konzept erarbeiten, wie beide Organisationen ihre Arbeit gemeinsam für die Branche verstärken können. (dsc)




