17.09.2010 | Manroland
Weitere 500 Jobs fallen weg
Vorstand und Eigentümer der Manroland AG haben sich auf eine Wachstumsstrategie für das Unternehmen zur Sicherung der langfristigen Eigenständigkeit verständigt. Außerdem wurde ein weiterer Stellenabbau angekündigt.
(dmnet) "Mit unseren nun eingeleiteten Maßnahmen reagieren wir aktiv auf geänderte Rahmenbedingungen und positionieren uns, um auch künftig zu wachsen", erklärte Manroland-Chef CEO Gerd Finkbeiner am Freitag. "Wir sind davon überzeugt, dass Manroland diese Chancen als eigenständiges Unternehmen wahrnehmen sollte."
Das Unternehmen brauche Anpassungen bei Strukturen und Prozessen, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Die drei deutschen Produktionsstandorte erhielten daher nun klare Kernkompetenzen. Ein zentraler Fokus liegt zudem auf den Wachstumsmärkten und dem Dienstleistungsgeschäft. Der Investor Allianz Capital Partners (ACP) begrüße die klare Entscheidung für die Stand-Alone-Lösung und trage die notwendige Restrukturierung mit.
Weiterhin drei Standorte
Manroland wird weiterhin an drei Standorten Systeme für den Bogendruck und Rollendruck produzieren. Jedem der drei Standorte wird eine klare Kernkompetenz zugewiesen: Die Standorte Augsburg (Rollendrucksysteme) und Offenbach (Bogendrucksysteme) konzentrieren sich künftig auf die Fertigung komplexer Teile und die Montage.
Der Standort Plauen wird als Geschäftsbereich für Industrielle Fertigung ausgerichtet. Als Kompetenz-Center für mechanische Fertigung und Baugruppenmontage wird das Werk Plauen sowohl für Manroland als auch für Dritte produzieren.
Zusammenlegung des Bereichs Zeitungsmaschinen
Die Integration von Geschäftsaktivitäten im Bogen- und Rollenbereich umfasst die Zusammenlegung der Geschäftsfelder kleine Zeitungsmaschinen (bislang am Standort Plauen) und große Zeitungsmaschinen am Standort Augsburg. Auch Elektronik-Aktivitäten sollen zusammengefasst werden.
Die Gießerei in Offenbach wird künftig beide Produktbereiche zentral mit Gussteilen bedienen. Die Konzentration zentral zu organisierender Gruppenfunktionen erfolgt am Standort Augsburg.
Neuer Geschäftsbereich - und ein weiterer Stellenabbau
Des Weiteren wird Manroland den neuen Geschäftsbereich Technische und Industrielle Dienstleistungen mit rund 300 Mitarbeitern gründen. Schwerpunktaktivitäten sind die Industrieberatung und die Verleihung von technischen Fachkräften. Die geplanten Maßnahmen werden voraussichtlich zu einem Abbau von zusätzlich rund 500 Stellen führen. Dies betrifft im Wesentlichen administrative Funktionen.
Im Ergebnis wird sich die Zahl der Mitarbeiter von derzeit rund 7.300 bis Ende 2012 auf rund 6.000 reduzieren. In dieser Zielgröße sind bisher angekündigte Stellenreduzierungen und Maßnahmen wie Altersteilzeit sowie die natürliche Fluktuation berücksichtigt. Ziel ist es, den Arbeitsplatzabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wurden aufgenommen.





So bitter diese Nachricht für die vielen Menschen ist, die Ihren Job verlieren oder bereits verloren haben, umso wichtiger ist sie für die Druckindustrie. Diese braucht eine gesunde manroland. Was deren Kunden seit Jahren regelmäßig aufzeigen, nämlich "deutlich schlanker, effizienter und schlagkräftiger agieren" wird auch manroland ganz sicher gut tun!
Es bleibt zu hoffen, dass die prognostizierten Umsatzziele nicht wieder zu hoch budgetiert sind. Nur durch eine zu optimistische Umsatzerwartung in den vergangenen beiden Jahren ist es zu erklären, dass es hier nicht viel schneller gehandelt wurde. Die jetzt angekündigten Weichen hätten bereits Anfang 2009 gestellt werden müssen. Bereits damals war klar, dass diese Krise in dieser Industrie strukturell und lange anhaltend ist. Während andere Branchen - auch die manroland-Kunden - Ihre Kosten Ende 2009 fürs Erste wieder im Griff hatten, beginnt man hier jetzt damit, „überwiegend administrative“ abzubauen. Glückwunsch.
Die Erkenntnis „das Unternehmen brauche Anpassungen bei Strukturen und Prozessen“ kann auch nicht wirklich überraschen. Interne Strukturen und Prozessen wurden jahrelang nur zögerlich oder unter Druck angepackt. Jeder, auch der überzeugte manroland-„supporter“ weiß, wie wichtig es seit vielen Jahren war, die "richtigen" Ansprechpartner zu kennen. Dies waren diejenigen im Apparat, die noch etwas bewegen konnten - trotz der Strukturen und der Prozesse und den „Anderen". Jetzt die verbleibende Mannschaft, viele seit Jahren und Jahrzehnten im Unternehmen „abzuholen und mitzunehmen“ um von innen heraus eine neue manroland zu erfinden wird eine herausfordernde Managementaufgabe. Ob dies ohne neue Köpfe im Vorstand machbar ist, darf bezweifelt werden. Eigenständigkeit wird aber helfen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir werden sehen, welcher „Spirit“ hier in den kommenden Monaten gelebt wird.
Die Idee kleine Einheiten wie den neuen Geschäftsbereich „Technische und Industrielle Dienstleistungen“ zu gründen ist, sofern richtig gemacht, sinnvoll, bedeutet aber gleichzeitig eine Umkehr der bisherigen Gewohnheit, wo kleine Einheiten entweder integriert oder ignoriert wurden. Auch hier geht das nicht mit einem „weiter so“.
Zu hoffen bleibt, dass die (in diesem Fall ungewöhnlich geduldigen) Finanzinvestoren (oder deren Banken) die Rendite-, bzw. Refinanzierungsziele bei einem späteren Aufschwung so hoch setzen, dass die günstigere Kostenstruktur dann nicht wieder für eine übliche cost-plus-Kalkulation und damit sinkende Preise genutzt wird, sondern für ein echtes, am Wert des Produktionsmittel orientiertes Value-Pricing. Die sonst möglichen niedrigeren Einstiegspreise würden zu viele Drucker sofort wieder motivieren die "Breiteste" zu finanzieren um Ihre eigenen Verkaufspreise noch weiter dem Papierpreis anzugleichen.
Value-Pricing wird voraussichtlich aber nicht funktionieren, denn die 96-Seiten-Heatset-Rolle mass manroland kurzfristig helfen die Kapazitäten zu füllen. Wie sich der Druck freien Kapazitäten bei zu hohen Kosten auf die Preisfindung auswirkt kennt jeder Drucker. Damit wird die Hoffnung, dass die prognostizierten Umsatzziele nicht schon wieder zu hoch sind, zur Verantwortung von manroland gegenüber dieser Industrie! Mir wäre lieber, manroland müsste die 96-Seiten nicht so oft bauen und sich stattdessen auf ein noch konservativeres Auftragsvolumen von 1,3 Milliarden Euro im Stammgeschäft einrichten.