10.09.2010   |   RSDB

Großaktionär will Mitaktionäre auskaufen

Von Daniel Schilling

Einer der größten Druckkonzerne Europas könnte sich bald von der Börse verabschieden, wenn das Gebot des Großaktionärs Riva, die übrigen Aktien aufzukaufen, erfolgreich ist. Das Angebot liegt bei 14 Euro pro Aktie.

John Caris

CEO John Caris bleibt auf jeden Fall an der Spitze von Roto Smeets

(dmnet) Die Roto Smeets Group N.V. (RSDB) mit Sitz im niederländischen Deventer gehört mit einem Jahresumsatz von 415 Millionen Euro in 2009 zu den größten Druckunternehmen Europas. Allerdings leidet das Unternehmen unter den Überkapazitäten auf seinen Geschäftsfeldern Rollenoffset- und Tiefdruck. 2009 gab es einen Verlust von rund 27,5 Millionen Euro.

CEO John Caris tritt daher schon seit längeren für eine gezielt gesteuerte Konsolidierung der Branche ein; gegebenenfalls auch mit Unterstützung der Europäischen Union. Für den von ihm geleiteten Konzern zeichnet sich nun als Teil der Lösung der Abschied von der Börse ab: Riva Investments BV, mit einem Anteil von 15,3 Prozent der zweitgrößte RSDB-Aktionär, hat seinen Mitaktionären am 8. September ein Angebot für ihre Anteile unterbreitet und eine Tochtergesellschaft namens Printing Holding B.V. eigens zu diesem Zweck gegründet.

Squeeze-Out wie bei Manroland geplant

Ziel ist es, RSDB nach einer erfolgreichen Übernahme von der Börse zu nehmen, um die aufwendigen und kostspieligen Berichtspflichten und Auflagen loszuwerden, die mit einer Börsennotierung verbunden sind.

Geplant ist offenbar ein klassisches Squeeze-out, wie es beispielsweise auch der Konzern MAN im Jahr 2003 bei seiner damaligen Tochter MAN Roland durchgeführt hatte. Das Squeeze-out-Verfahren erlaubt es Mehrheitsaktionären, die Anteile der Minderheitsaktionäre gegen Zahlung einer Barabfindung zu übernehmen. Voraussetzung ist nach §§ 327a ff Aktiengesetz, dass der Mehrheitsaktionär mindestens 95 Prozent der Aktien hält.

Großunternehmen zum Schnäppchenpreis

Riva hatte bereits am 7. April angekündigt, dass es ein entsprechendes Angebot machen wird. Der Aktienkurs, der kurz vor der Bekanntgabe mit knapp neun Euro einen absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, schnellte auf 13,75 Euro hoch, um dann wieder leicht abzusinken. Im Augenblick liegt der Kurs bei 12 Euro.

Das nun bekannt gegebene Angebot von 14 Euro pro Aktie bedeutet damit einen deutlichen Aufschlag auf den vorherigen Aktienkurs. Zugleich wird damit der Wert des Gesamtunternehmens aber auf lediglich 46 Millionen Euro veranschlagt.

Schmerzhaftes Sanierungsprogramm

Daher gibt sich CEO Caris auch etwas reserviert und verweist darauf, dass dieser Preis trotz des Aktienkurses nicht dem wahren Wert des Unternehmens entspricht und zudem bereits ein umfangreiches, schmerzhaftes Sanierungsprogramm läuft.

Mit den Aktionären Shatho Beheer, Marsala und dem Familienfonds Nexgen sowie einigen kleineren Aktionären konnte die Printing Holding allerdings bereits 55 Prozent der Aktionäre überzeugen; hinzu kommen die gut 15 Prozent von Riva. Notwendig sind 95 Prozent, um das Unternehmen von der Börse nehmen zu können.




Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren