25.08.2010   |   Bundesdruckerei

Sicherheitslücken beim neuen Ausweis

Erneut muss sich die Bundesdruckerei mit erheblichen Problemen auseinandersetzen: Das ARD-Magazin "Plusminus" hat im Sicherheitssystem des elektronischen Personalausweises, der am 1. November 2010 eingeführt werden soll, gravierende Mängel festgestellt.

der neue elektronische Personalausweis

Unsicher und teuer: der neue elektronische Personalausweis

(dmnet) In Zusammenarbeit mit dem Chaos Computerclub (CCC) prüfte die "Plusminus"-Redaktion Testversionen der Basis-Lesegeräte. Ergebnis: Für Betrüger ist es laut "Plusminus" problemlos möglich, sensible Daten abzufangen - inklusive der geheimen PIN-Nummer. Die Lesegeräte sind nötig, um den neuen Personalausweis am heimischen Computer zu nutzen und sich somit für die Abwicklung von Internet-Geschäften zu identifizieren.

Innenminister de Maizière sieht keinen Handlungsbedarf

Die Bundesregierung behauptet dagegen, das Verfahren sei für den Verbraucher sicher. Für den Betrieb reiche ein "einfaches Basislesegerät ohne eigene Tastatur und eigenes Display aus", heißt es dazu in den Broschüren des Bundesinnenministeriums.

Nach Recherchen von "Plusminus" erleichtert aber gerade diese Technologie den Klau der Daten. Dennoch sieht Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach eigenen Angaben keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Eine Million dieser Geräte sollen kostenlos als sogenannte "Starter Kits" an die Bürgerinnen und Bürger verteilt werden.

Ministerium "sponsert" über eine Million Lesegeräte

Um mit dem neuen Personalausweis online Geschäfte tätigen zu können, braucht man neben dem eigentlichen Ausweis und einer sechsstelligen PIN, die man separat erhält, noch ein so genanntes Lesegerät. Dieses soll später auch im Handel in verschiedenen Preisklassen (und Sicherheitsstufen) angeboten werden.

Zum Start "sponsert" das Bundesinnenministerium allerdings über eine Million der benötigten Lesegeräte. Ein Kostenpunkt von 24 Millionen Euro, finanziert über das Konjunkturpaket II. Sie sollen unter anderem über Computer-Zeitschriften und ausgewählte Banken abgegeben werden.

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Kommentare zu diesem Beitrag

volksgewissen , 25.08.2010:
Die Bundesdruckerei hat sich die letzten Jahre mehr mit populistischen Spielereien, denn mit effektiven Sicherheitstechnologien hervorgetan. Die Presse und junge Gemüter wurden, etwa auf Messen, mit utopistischen OLED Displays, an Stelle von Personenbildern, in Ausweisen gelockt, deren technische Umsetzbarkeit weder in absehbarerZeit erwartet wird noch Sicherheitsrelevanz hat. OLED Dünnschichten bedürfen einen enormen Aufwandes um deren Haltbarkeit zu gewährleisten, etwa eine oxidationsbewehrte Verkapselung in Glas. Zudem wird induktiv einzuleitender Strom für die Betriebnahme genutzt, was widerum eine Hürde für eine allfällige Auslesung durch Polizei und Sicherheitspersonal mit sich bringt. Bekanntlich sehen auch Forensikexperten in statischen Bildern ein verlässlicheres Authentifizierelement als in laufenden Kurzfilmen, welche die Person aus verschiedenen Perspektiven darstellt.
Hier werden aus Eitelkeit und Imponiersucht verantwortlicher Entscheidungsträger völlig nutzlose Konzepte propagiert und entwickelt; natürlich auf Kosten des Steuerzahlers! Wen nimmt es da Wunder, wenn nun unvermittelt aufscheinende, schwerwiegende Pannen die Funktionalität des neuen Personalausweises in Frage stellen?
Wie lange kan sich die Regierung solche Steckenpferde noch leisten??

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