23.07.2010 | Bundesdruckerei
Bangen um Banknoten-Auftrag
Der Berliner Bundesdruckerei droht der Verlust eines lukrativen Auftrags: Die Bundesbank plant, erstmals in ihrer Geschichte Euro-Scheine im Ausland drucken lassen. Bislang wurden die Banknoten in Berlin und von Giesecke & Devrient in München produziert.
(dmnet) Sollte es bei dem Plan der Bundesbank bleiben, würden die Scheine künftig auch in den Niederlanden und in Frankreich gedruckt. Nach Einschätzung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di wären damit 400 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.
Laut Ver.di steht die Neu-Vergabe bereits im August an. Dann soll erstmals seit Euro-Einführung der größte Teil des Bundesbank-Bedarfs an Druckereien in den Niederlanden und in Frankreich vergeben werden. Nach Informationen der Gewerkschaft gehen zwei von drei Auftragstranchen an die niederländische Royal Joh. Enschede und die französische Oberthur. In Deutschland blieben nur 20 Prozent.
Auch Giesecke & Devrient massiv betroffen
Die Bundesdruckerei in Berlin, 2009 nach einer gescheiterten Privatisierung wieder verstaatlicht, soll für 2011 gar keine Euro-Scheine mehr drucken. Betroffen wäre auch die Giesecke & Devrient GmbH in München. Sie würde nur noch weniger als die Hälfte der Vorjahresmengen an Banknoten produzieren.
Hintergrund: Seit Jahren schreibt die Deutsche Bundesbank ihren Eurobanknotenbedarf europaweit aus, obwohl es laut Ver.di "weder einen europäischen Markt für Eurobanknoten gibt noch einen fairen Wettbewerb". Nur rund 37 Prozent des jährlich anfallenden europaweiten Euro-Bedarfs wird auch für alle europäischen Notendrucker ausgeschrieben. Davon stammen 30 Prozent von der Deutschen Bundesbank.
Nachbarländer schreiben national aus
Umgekehrt haben die deutschen Banknotendrucker Giesecke & Devrient und Bundesdruckerei keine Chance, sich um Kontingente anderer Notenbanken zu bewerben, weil das Gros in den Ländern an die jeweiligen eigenen Staatsdruckereien vergeben wird.
Erst im Jahre 2012 besteht nach der Richtlinie der Europäischen Zentralbank eine Verpflichtung zur europaweiten Ausschreibung. Und das nur dann, wenn mindestens die Hälfte der Notenbanken ausschreiben und die ausgeschriebenen Banknoten mindestens 50 Prozent des europäischen Gesamtbedarfes ausmachen.
14 Druckereien im Euroraum zertifiziert
Davon ist die aktuelle Marktsituation laut Ver.di aber weit entfernt. Nach wie vor schreiben neben Deutschland nur drei Notenbanken (Finnland, Niederlande und Luxemburg) ihre Euroscheine aus.
Die Bundesbank vergibt ihren Teil des Euro-Banknotenbedarfs seit 2008 per Ausschreibung. Beteiligen dürfen sich an der Ausschreibung nur diejenigen Druckereien, die ein entsprechendes Zertifikat von der Europäischen Zentralbank haben. Aktuell sind dies im Euroraum 14 Betriebe.





Wenn das Preisniveau wieder auf ein reelles, verantwortbares Mass zurückgefahren würde, könnte auch guten Gewissens wieder in Deutschland produziert werden.
Ver.di sollte also besser die URSACHEN "bekämpfen!"