15.07.2010   |   Heichlinger

Unter vorläufiger Insolvenzverwaltung

Von Clemens von Frentz

Die Heichlinger Druckerei GmbH in Garching bei München ist zum Sanierungsfall geworden. Das Unternehmen gehörte bis 1997 zur Bertelsmann-Tochter Mohndruck.

Heichlinger Website

Die Website von Heichlinger

(dmnet) Das Unternehmen, das von den Geschäftsführern Bernhard Heidrich, Uwe Raabe und Reiner Wittmann geleitet wird, hatte den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang der Woche beim Amtsgericht München eingereicht. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Münchner Rechtsanwalt Oliver Schartl bestellt.

Der Betrieb beschäftigte zuletzt rund 70 Mitarbeiter, nachdem in den vergangenen Jahren mehrfach Personal abgebaut worden war. Der Personalaufwand lag im Geschäftsjahr 2008 bei 4,087 Millionen Euro.

Im gleichen Jahr war der Umsatz um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Ursache dafür waren laut Geschäftsführung "Preiskonzessionen aufgrund des Wettbewerbdrucks sowie eine nachlassende Nachfrage". Korrespondierend mit dem Umsatzrückgang sanken auch die umsatzabhängigen Kosten wie Materialeinsatz und Vertriebskosten.

Aufgrund geringerer Deckungsbeiträge verschlechterte sich das Betriebsergebnis von -264.500 Euro im Vorjahr auf -808.300 Euro. Unter dem Strich ergab sich damit ein Jahresverlust von 384.000 Euro. Dem standen Verbindlichkeiten von 1,67 Millionen Euro gegenüber.

Zur weiteren Entwicklung hieß es in einer Einschätzung des Managements: "Wir erwarten auf Grund der Finanzkrise eine wesentliche Verschärfung des ohnehin starken Wettbewerbs und infolge dessen, dass die steigenden Kosten, insbesondere die im Energiebereich, nicht an den Markt weitergegeben werden können. Eine Anpassung der Kostenstruktur auf den nachhaltig erzielbaren Umsatz wird weitere Liquidität erfordern."

Die Druckerei Heichlinger hatte bis Mitte der 90er Jahre zur Bertelsmann-Tochter Mohndruck gehört. Im Jahr 1996 beschloss der Konzern, den Betrieb an das Management zu veräußern. Das Unternehmen erwirtschaftete damals mit knapp 120 Beschäftigten rund 50 Millionen D-Mark. Der Eigentümerwechsel fand Anfang 1997 statt.




Kommentare zu diesem Beitrag

Cicero , 20.07.2010:
Und wieder einmal muß eine vorbildliche Druckerei aufgeben. Ich frage mich nur wie lange wird das noch gehen, es kann nicht sein dass ständig Druckbetriebe schließen müßen...WACHT ENDLICH AUF IHR LIEBEN DRUCKER und überarbeitet alle mal Eure Kalkulationen...dann gibt es auch kein "Druckersterben"

Ein Buchbinder , 04.08.2010:
Was soll das Überarbeiten von Kalkulationen bringen, wenn (höhere) Preise am Markt nicht realisiert werden können? Das Sterben in der Druckindustrie wird solange weitergehen, bis die deutlich vorhandene Überkapazität abgebaut ist. 15 Prozent Überkapazität in der Druckindustrie (und zwar vor dieser grössten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte) bedeutet nichts anderes, als dass jeder 6,67-te Betrieb kleiner, mittlerer und grosser Grösse schlichtweg überflüssig ist, um den Bedarf an Printerzeugnissen zu decken. Nachdem aber anscheinend so gut wie kein Firmeninhaber freiwillig die Überkapazitäten verringern will, wird das Ganze mit einem blutigen Preiskampf ausgefochten. Bis sich Angebot und Nachfrage wieder angeglichen haben. Es kann zwar nicht sein, aber es wird definitiv so sein.
Eine unblutigere Lösung gäbe es nur, wenn sich die Firmeninhaber wirklich mal VERBINDEN (sie sind ja oft in Verbänden, aber verbinden sich nicht!) würden und einen Plan zum Abbau der Überkapazität vereinbaren würden. Wünschenswerterweise bis zu einer zehnprozentigen Unterkaäazität. Die erzielbaren Preise würden steigen und steigen...

Adolf , 22.08.2010:
Was heißt hier vorbildliche Druckerei?Wenn Heichlinger mangels Liquidität und roten Gewinnen zusammenbricht,hat das eindeutig interne Gründe.5(!)Geschäftsführer,von dem jeder klüger als der andere war ,dazu inkompetentes Führungspersonal(Pani/Hubrich)wirtschafteten die Firma in den Abgrund.Der Maschinenpark wurde von 7 auf 2 Maschinen (Offset) reduziert.Den Mitarbeitern wurde unter Erpressungsmethoden das Urlaub-und Weihnachtsgeld gestrichen.Unbezahlte Stunden(4 pro Woche) mußten geleistet werden.Die tarifliche Lohnerhöhung wurde jahrelang verweigert.Die Agonie begann schon vor der Euro-Einführung,indem man auf die europäischen und globalen Herausforderungen nur mit Lohnkürzung reagiert hat.Fähige Mitarbeiter wurden vergrault oder gingen von selbst.Und unfähige(z.b.Pani) stiegen auf.Wenn es Heichlinger in den Abgrund reißen sollte,werde ich nicht traurig sein.Nur um einige(nicht alle) würde es schade sein.

Matthes , 19.05.2011:
Hallo Adolf!Da ich Gesellschafter von Heichlinger war denke ich du solltest deinen wahren Namen nennen.Leider sind dir in deinem Komentar einige Fehler unterlaufen. 1996 wurde Heichlinger von Bertelsmann per management by out an die Geschäftsführung verkauft für 8.000.000 DM die bis ca. 2003 zurückbezahlt wurden.Es gab damals 2 Geschäftsführer Herrn A. Teuber und Herrn R. Wittmann, als Herr Teuber ausstieg wurde Herr U. Raabe und Herr B Heidrich zu weiteren Geschäftsführern bestimmt.Da Heichlinger von 2 Hauptkunden abhängig war und der Vertrieb nicht fähig genug war dieses zu änder, glaube ich kann man nicht auf weisungsgebundene Mitarbeiter losgehen.Ich denke die Belegschaft hätte durch einen starken Betriebsrat etwas verändern können. War aber leider nicht so.Denke durch das Pensionswerk von Bertelsmann, das 1996 übernommen wurde, sind viele Mitarbeiter auch gut weggekommen. Das Geld wurde aber auch in die Firma gesteckt, vielleicht durch Fehler der Geschäftsführer in die falschen Geshäfte.

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