20.05.2010 | Vereinigte Verlagsanstalten
Insolvenzverfahren eröffnet
Stefan Meutsch, Geschäftsführer der Vereinigten Verlagsanstalten GmbH, meldete am gestrigen Mittwoch beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz an. Die traditionsreiche Unternehmensgruppe beschäftigt an verschiedenen Standorten rund 700 Mitarbeiter.
(dmnet) Wie das Justizministerium des Landes Nordrhein Westfalen bekannt gibt, wurde am 19. Mai das Insolvenzverfahren über das Vermögen der im Handelsregister des Amtsgerichts Düsseldorf unter HRB 658 eingetragenen Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, gesetzlich vertreten durch Geschäftsführer Stefan Meutsch, eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Horst Piepenburg aus Düsseldorf bestellt worden.
Die 1894 gegründeten Vereinigten Verlagsanstalten (VVA) beschäftigen in Druckereien, Verlagen, Agenturen und im Multimediabereich rund 700 Mitarbeiter. Die Gruppe unterhält Standorte in Essen, Düsseldorf, Köln, Ludwigsburg, Baden-Baden, München, Berlin und Hamburg sowie Auslandsdependancen in Zürich und Dubai.





Schade, leider einige Jahre zu spät - wer nur durch "schlechte Marktpreise" seinen Betrieb am Leben hält, hat kein besseres Ende verdient.
Ich hoffe, nur das die Kapazität vom Markt verschwindet!!!
Aktuell werden wir mit Preisen konfrontiert bei denen ehem. seriöse Druckunternehmen Preise abgeben, die bei einem Deckungsgrad von 50-60% landen und sich teilweise 10-15% unter dem Internetdrucker-Niveau bewegen. Idealerweise werden dazu die aktuellen Papierpreiserhöhungen auch nicht voll weitergegeben.
Wie lange reicht das Tafelsilber aus ehemals guten Tagen?
Leider gibt es genügend Beispiele, dass in solchen Betrieben jahrelang dazugezahlt wird oder dass dann nach einer Insolvenz genauso weitergemacht wird.
Wenn jetzt nicht alle in diesem Punkt umdenken, wird es nach meiner Meinung in 5-8 Jahren nur noch ein fünftel der heutigen Druckereien geben. Wetten wir?
Das Grafische Gewerbe war eine homogene Gruppe, relativ gleicher Lohn, gleiche Kostenstruktur usw.
Wer was gedrucktes wollte, mußte in eine Druckerei - zu uns.
Wir haben nicht mehr das Monopol der Schrift, wir haben nicht mehr das Monopol für die Reproduktion.
Wir stehen in Konkurrenz zu anderen Techniken, Weltmarkt usw.
Wer sich heute ein kostenloses Buch, Katalog mitnimmt ist ein Messi.
Lieber ein Buch als Download laden, als bestellen und 24 Stunden warten.
Lieber mal ein Heft nach Bedarf und Laune als ein Abo.
Wir setzen Technik ein für mehrere Millionen, PSO-, ISO-, CO2 und FSC- zertifiziert und drucken Cent-Artikel.
Wir haben eine Überkapazität und jeder ist im Hamsterrad und muß seine Kapitalkosten und Lohnkosten decken - Auslastung um jeden Preis. Jeder Grund für sich alleine kann man wegdiskutieren, aber in der Summe macht es unsere prekäre Situation. C'est la vie.
Preise die der Kaufkraft des Volkes entsprechen entwickeln sich bei genügendem Angebot von Waren und Leistungen am sichersten und zuverlässigsten auf der Grundlage eines gesunden Wettbewerbs, der aber die Sicherung der Ernährung aus heimatlicher Scholle niemals beeintrechtigen darf. Außerdem kann Wettbewerb in Zeiten, in denen die Produktionsstätten und der Handel des Landes nicht in vollem Umfange ausgenutzt sind, die Gefahr heraufbeschwören, daß im Wettkampf Preise verlangt werden, aus denen Steuern und Löhne nicht gezahlt, die Gläubiger nicht befriedigt werden können.
Um die Grundlage für einen auf Leistung und Verantwortungsbewußtsein gegründeten Wettbewerb zu schaffen und damit den für die Volkswirtschaft besten Preise nach Möglichkeit zu sichern, wird auf Grund der Verordnung über die Befugnisse des Reichskommisars für Preisüberwachung vom 8 Dezember 1931 (RGBI. I S. 747)in Verbindung mit dem Gesetz über Bestellung eines Reichskomissars für Preisüberwachung vom 5. November 1934 (RGBl. I S. 1085) und mit dem Gesetz über die Erweiterung der Befugnisse des Reichskommissars für Preisüberwachung vom 4. Dezember 1934 (RGBl. I S 1201) verordnet;
(1) Wer unter unlauterer Ausnutzung seines Kredits oder böswilliger Nichterfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber dem Staat, der Gefolgschaft seines Betriebes oder seinen Gläubigern in gemeinschaftlicher Weise Güter oder Leistungen zu Preisen anbietet, die seine Selbstkosten nicht decken können und den Anforderungen einer ordnungsmäßigen Wirtschaft widersprechen, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder mit einer dieser Strafen bestraft; die Strafverfolgung tritt nur ein, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat oder wenn über sein Vermögen das Konkursverfahren eröffnet worden ist.
Dieser Auszug sollte alle zum Denken Anregen,warum gehen soviele Betriebe in unserer Branche pleite, sicherlich nicht weil der Drucker etwas Farbenblind ist, das sind reine Fehler aus der Führung, überschätzung der Marktsituation und Größenwahn einiger Unternehmer die sich von Druckmaschienenhersteller uber Leasing Maschienen aufschwatzen lassen für die sie keine ausreichende Auftragsdeckung haben zu einem vernünftigen Preis, und wie jagt man dem Konkurent die Aufträge ab? Preise runter, anschliesend wundert man sich warum nichts rauskommt. Die Internetanbieter haben den Rest dazu beigetragen. Bitte nicht falsch verstehen aber solang wir uns unter dem Wert verkaufen und unsere Millionenivestitionen nicht richtig bewerten wird die Situation nicht besser. Alle die von Globalisierung sinnieren sollten sich wirklich Fragen ob die Firma um die Ecke ihre 500-1000 Broschüren in Honkong bestellen würde wenn der Preis 20 % höher währen. Ich glaube nicht.
Johannes Argumente sind reine Ausreden: Augen zu, die "Anderen" sind am Desaster dran schuld. Die Druckindustrie hat sich auf Veränderungen längst eingestellt, das Digitalthema, der Wettbewerb vom Ausland ist nicht neu!! Was fehlt ist der Charakter der Industrie. Warum sind die Drucker so dumm und sind sich einig, sagen: NO, für 50 Cent gibt es kein Katalog mit über 300 Seiten, bei einer Auflage von 100.000 Expl., fünffarbig, lackiert, Klebebindung und weiteren Schnickschnack. Hier sollten die Drucker sich einig sein und den Einkäufer die Stirn zeigen. Sollen doch dann nach Timbuktu gehen, dort bekommen die Schlaumeier vielleicht ihre Sachen geschenkt.
Zum Thema: Billigheimer. Wenn VVA wirklich Dumpingpreise gemacht haben sollte, dann müsste der Laden von Aufträgen überlaufen. Das scheint nicht zu sein. Deshalb: wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen.