23.03.2010   |   Schneidersöhne

"Die Renaissance des Buches ist da"

Von Imke Laurinat

Rund 90 Verlagskunden erörterten im Leipziger Museum für Druckkunst die künftigen Anforderungen an die Buchherstellung. Neben Vertretern des Ettlinger Papiergroßhändlers referierten Uta Schneider von der Stiftung Buchkunst und Michael Dreusicke von Paux Technologies. Prominenter Gastredner war der Literaturkritiker Denis Scheck.

Borensztein

Boris Borensztein begrüßt die Gäste

(dmnet) Wie keine andere deutsche Stadt steht Leipzig historisch für Literatur, Buchhandel und Verlagswesen. Auch der südwestlich gelegene Ortsteil Plagwitz war lange Zeit geprägt von den Betrieben der grafischen Industrie. Seit Mitte der 90er Jahre beherbergt dort ein 1919 als Druckerei errichtetes Gebäude das Museum für Druckkunst. Eine geeignetere Kulisse als die Räume der privaten Stiftung hätte Schneidersöhne für seine Verlagsveranstaltung im Vorfeld der Leipziger Buchmesse Mitte März wohl kaum finden  können, um mit knapp 90 Verlagskunden das weite Feld "klassisches Buch versus digitale Medien" zu erörtern.

In seiner Begrüßungsrede gab Boris Borensztein, Geschäftsführer Schneidersöhne Deutschland, einen Ausblick auf die Pläne des Unternehmens sowie auf die zu erwartende Entwicklung des Marktes. Unter anderem beklagte er für den Papiergroßhandel ein Umsatzminus von 9,4 Prozent im letzten Jahr. Positiver waren die Zahlen des Buchhandels ausgefallen, die Dieter Koch, Leiter Verlagsbetreuung bei Schneidersöhne, aufzeigte. Er berichtete von konstanten bis leicht wachsenden Buchverkäufen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr; der Umsatz im Bereich Belletristik legte 2009 sogar um 6,9 Prozent zu. Dennoch: "Die Buchbranche ist im Umbruch. Es gilt, neue Geschäftsmodelle zu finden in der digitalen Welt", mahnte Koch und läutete damit eine Thematik ein, die den weiteren Tag begleiten sollte.

Die Verknüpfung von Print- und digitalen Medien stand im Mittelpunkt des Vortrags von Michael Dreusicke, Geschäftsführer von Paux Technologies. Nach dem Motto "Es geht nicht nur darum, dass man sein Buch streichelt", beschrieb er Mehrwerte, die elektronische Fachbücher im Gegensatz zu "Offline"-Büchern für den Leser mit sich bringen können, zum Beispiel durch Funktionen wie Hintergrundinformationen, Notizen oder auf das Vorwissen des Lesers angepasste Inhalte.  

"Manche Inhalte werden im gedruckten Buch bleiben, weil sie keinen anderen Ort haben," hielt Uta Schneider, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, dagegen. Sie proklamiert die Renaissance des Buches in einer vielschichtigen Medienlandschaft. "Das gedruckte Buch wird künftig eine Medienoption sein, für die sich der Leser bewusst entscheidet", ist Schneider überzeugt. Die Funktion des Buches werde sich jenseits der Information verändern: es wird experimenteller und bei kleineren Auflagen anspruchsvoller. 

Auch Gastredner Denis Scheck, der den Tag im Leipziger Museum für Druckkunst ausklingen ließ, macht sich keine Sorgen um das Buch. "Es wird viel Blödsinn geschrieben über Bücher, und  noch mehr über die Zukunft der Bücher. Weder habe ich Angst vor Büchern, noch habe ich Angst um Bücher", so der Literaturkritiker, der das E-Book bislang in Deutschland für eine zu vernachlässigende Größe hält.




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