10.03.2010   |   Eurocaribe Druck und Verlag

Druckerei-Neubau geplant

Von Clemens von Frentz

Das Hamburger Unternehmen will ein neues Druck- und Medienzentrum bauen. Das Datum des Baubeginns ist jedoch noch offen, da die Anwohner um den Baumbestand auf dem Areal fürchten.

Baumbestand Schnelsen

Auf diesem Areal soll der Neubau entstehen, die ersten Bäume sind bereits gefällt

(dmnet) Im Hamburger Stadtteil Schnelsen schlagen derzeit die Wellen hoch: Die Anwohner der Peter-Timmm-Straße protestieren gegen die Errichtung eines neuen Druck- und Medienzentrums in ihrer Nachbarschaft, da für den Bau voraussichtlich zahlreiche Bäume weichen müssen.

Das zuständige Bezirksamt Eimsbüttel bestätigte gegenüber Druck&Medien, das betreffende Areal sei in der Tat "für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen", und zwar bereits seit dem Jahr 1996, als der Bebauungsplan Schnelsen 8 verabschiedet wurde. Nun werde dort mit dem Bau des Druck- und Mediendienstleistung-Zentrums eine weitere betriebliche Ansiedlung realisiert, die rund 100 Arbeitsplätze sichere.

Naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen

Weiter heißt es: "Der über die Jahre gewachsene Gehölzbestand auf der Baufläche wird aktuell kurzfristig entfernt. Im Rahmen der hierfür erforderlichen Prüfung wurden alle wesentlichen Aspekte beleuchtet und auch ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt. Die erforderlichen naturschutzrechtlichen Kompensationsmaßnahmen sind Bestandteil der Genehmigungen."

Die zwischenzeitlich von den Anwohnern gegründete Interessensgemeinschaft zum Schutz des bedrohten Biotops sieht diese Ankündigungen kritisch. Sie hat bereits vor einiger Zeit im Bezirksamt eine Petition abgegeben, in der sie eine Begutachtung des Grundstücks unter Berücksichtigung geschützter Tierarten fordert – bislang ohne Erfolg.

Platzprobleme in der Schnackenburgallee

Für die Eurocaribe Druck und Verlag GmbH (Eurodruck) ist daher völlig offen, wann mit dem Bau begonnen werden kann. Geschäftsführer Rüdiger Kern: "An unserem jetzigen Standort in der Schnackenburgallee haben wir schon lange ein Platzproblem. Daher hoffen wir natürlich, dass es bald losgeht – gerne noch in diesem Jahr."

Das Unternehmen plant ein Gebäude mit einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern, das gemeinsam mit anderen Dienstleistern der Branche genutzt werden soll. Ähnliches praktiziert Eurodruck bereits heute mit großem Erfolg – das Unternehmen hatte vor einigen Jahren einen Firmenverbund gegründet, dem (neben Eurodruck) die Firmen Ahrweiler Offset GmbH, Peter Gutsche GmbH und die Kompage Gesellschaft für elektronisches Publizieren mbH angehören.

Gründung im Jahr 1979

Die Eurocaribe Druck und Verlag GmbH ist ein relativ junges Unternehmen. Sie war 1979 von den Gesellschaftern Rüdiger Kern, Horst Scholz und Walter Ziegenhals in der Hamburger Glashüttenstraße gegründet worden.

1983 wurde die erste 4-Farb-Offsetmaschine installiert, 1988 kam eine neue 5-Farb-Maschine mit einem zusätzlichen Lackwerk hinzu. Der Umzug in die Schnackenburgallee fand im Jahr 2001 statt. Für das Geschäftsjahr 2008 meldete das Unternehmen, das aktuell rund 20 Mitarbeiter beschäftigt, eine Bilanzsumme von 1,94 Millionen Euro. Gedruckt wird ausschließlich auf Modellen der Heidelberger Druckmaschinen AG.




Kommentare zu diesem Beitrag

Sibylle Wirzbach , 10.03.2010:
ich bin direkte Anwohnerin und kann nur feststellen, dass es kein Baumgutachten als Grundlage für die Fällung von mehreren hundert Bäumen gibt, eine Potentialanalyse der ansässigen schützenswerten Tierarten, die die Maßnahme rechtfertigen soll wurde nur zu einem Teilbereich der betroffenen Fläche erstellt. Insofern scheint das Vorgehen der zuständigen Behörden mehr von dem Wunsch geleitet zu sein Tatsachen zu schaffen als einen ernsthaften und nachhaltigen Umgang mit dem Baum- und Tierbestand anzustreben. Es gibt in der Umgebung deutlich besser geeignete Gewerbeflächen für die Ansiedlung einer ambitionierten Großdruckerei, z.B. in direkter Nahbarschaft auf der Westseite der AKN-Trasse. Das die Fläche 1996 überhaupt als Gewerbefläche ausgewiesen worden ist, obwohl sie sich offensichtlich nicht dazu eignet, bedauern wir als Schnelsener sehr. Hier ist ein hochwertiges Wohngebiet verloren gegangen in den man den wertvollen Baumbestand viel besser hätte integrieren können. Jetzt müssen sich anstatt dessen die ansässigen Familien bald mit Lärm und Lösungsmittelemissionen herumschlagen. Wer mehr über das Thema erfahren möchte kann über die Seite www.schreberspacken.de die neusten Informationen abrufen und selber Kommentare schreiben.

Klärchen , 11.03.2010:
Bin schockiert hier leben Familien mit Kinder die jetzt
diesen Lösungsmittelemissionen ausgesetzt werden und nichts dagegen machen können.

Anwohner , 11.03.2010:
Bravo genau so ist es nämlich.

Heinz S. (Anwohner) , 11.03.2010:
Ich fordere die Druckereien auf, endlich Stellung zu nehmen! Mit einer Vehemenz wird hier alles platt gemacht!
Ein einziges Baummassaker!

Thomas M. , 11.03.2010:
für Fläche die bebaut wird muss Ausgleichsfläche geschaffen werden. Somit sehe ich das aus ökologischer Sicht nicht so problematisch. Soll der Betrieb doch ein paar Kilomteter weiterziehen nach Mecklenburg Vorpommern. Da gibt es noch günstigere Arbeitskräfte! Dann fahren die Anwohner in Zukunft da hin wo noch gebaut werden darf und arbeiten zu den Löhnen die in anderen Regionen bezahlt werden. Das sollten sich die Leute mal überlegen. Man kann froh sein wenn in dieser Branche in dieser Zeit Firmen noch bauen. Viel Glück.

Thomas , 11.03.2010:
Hallo,
ich bin Drucker und arbeite selbst in einer Druckerei.
In der Druckereien heute wir zwar noch mit Lösemittel umgegangen aber der Umweltschutz wird groß geschrieben. Es gibt heute mehr Auflagen und Anforderungen dennje für alle Gewerbebetriebe und diese müssen genau eingehalten werden. Die Kinder werden nicht mehr mit Lösemitteln ausgesetzt sein als woanders auch. Außerdem ist es zu begrüßen das 100 Arbeitsplätze entstehen, zumal die Zeiten heute nicht einfach für die Wirtschaft in Deutschland sind.
Allerdings würde mich auch stören wenn neben meinem Haus ein großer Industriebau stehen würde,Wald ist schöner in der Nachbarschaft, was wohl der Hauptgrund der Ablehnung sein wird.

Gewerbe gehört auf Gewerbeflächen , 11.03.2010:
Ich befürworte die Umsiedlung mehrerer Firmen (Druckereien) nach Schnelsen. Hier hat man eine wesentlich bessere Autobahnanbindung und verpestet nicht die Luft, in dem man queer durch die Innenstadt fahren muss. Das solche Firmen auf höchstem Umweltstandard arbeiten weiss jeder, der sich mit diesem Gewerbe auskennt. Schade für die Anwohner das die Bäume fallen - dafür hab ich Verständnis. Aber was erwartet man denn, wenn man direkt an einer Gewerbefläche baut ???

Helmut S. Druckfachmann , 12.03.2010:
Sachlichkeit tut Not! Die Druckerei Eurocaribe ist keine Großdruckerei sondern ein mittelständischer Druck-und Medienbetrieb mit evtl. mal hundert Mitarbeitern. Wie bei allen modernen Offsetdruckerein fallen keinerlei Lösungsmittelemissionen an! Es fallen keinerlei Geruchsbelästigungen und Ausdünstungsbelästigungen an. Die Wärmeabgabe der Druckmaschinen wird für die Heizungsperiode umwelttechnisch genützt und dient auch zur Klimatisierung des neuen Betriebes. Die Geräuschbelastung dieses modernen Offsetdruckbetriebes liegt weit unter vergleichbaren anderen Industriebetrieben. Feuchtwasser und Waschmittel werden regenriert und wieder aufbereitet! Diese modernen Betriebe sind schon seit geraumer Zeit zertifiziert und tragen nicht zur Belastung der Umwelt bei. Weder Mitarbeiter noch Anwohner - auch natürlich Kinder - sind nicht im mindesten gesundheitlich gefährdet!
Wenn eine Fläche als Gewerbegebiet schon seit 1996 ausgewiesen ist, kann sich jeder Anwohner ausrechnen, daß dieses Gebiet eines Tages genutzt wird. Dann lieber von einem modernen Mediendienstleister als von einem z.B.
fleischverarbeitenden Betrieb, Maschinenbauer oder einer Großspedition. Also bitte sachlich bleiben!

Hamburgerin , 13.03.2010:
Ein fleischverarbeitender Betrieb ist auf der Fläche gar nicht zulässig. Also bitte selber sachlich bleiben. Eine Wald- und Wiesenfläche mit einer Größe von ca. 17.000 qm, die zuvor noch nie bebaut worden ist zu vernichten und danach praktisch voll zu versiegeln, ist eine Maßnahme, die von öffentlichem Interesse ist. Die Ausgleichsmaßnahmen von ca. 1.800 qm sind hier nur ein Feigenblatt. In direkter Nachbarschaft befindliche Alternativgrundstücke wurden nicht in Betracht gezogen. Hier muss man dem Bezirk, den Parteien, der Fianzbehörde und der zukünftigen Druckerei den großen Vorwurf machen, aufgrund von kurzfristigen finanziellen Interessen ein wertvolles Biotop geopfert zu haben.

Holger G. - Geschäftführer einer Druckerei , 15.03.2010:
Es ist schon traurig wie Privatpersonen grade in der heutigen Zeit denken. Die Druckbranche liegt beinahe am Boden. Ich weiß nicht wieviele Entlassungen und Firmenschließungen noch in diesem Jahr "nach der Wirtschaftskriese" kommen werden. Es werden noch mind. 30% der Druckereien verschwinden... Und noch viele tausend Arbeits- und Ausbildungsplätze werden abgebaut. Jetzt hält mal einer die Fahne hoch und will expandieren und Arbeitsplätze schaffen?? Denkt mal einer an die Zukunft seiner Kinder? Brauchen die keine Perspektive mehr?
Ich kann der Druckerei keinen Vorwurf machen - ich habe selber vor knapp 4 Jahren nach einem passenden Grundstück für unsere neue Halle gesucht. Es ist sehr schwer was passendes und bezahlbares zu finden. Den einzigen Vorwurf den ich erheben würde geht gegen die Bezirksverwaltung. Wenn man die Gewerbeflächen eindeutig sichtbar deklariert und sie bewirtschaftet oder pflegt, dann kann erst gar kein Biotop entstehen an das sich Anwohner gewöhnen können. Dann haben die auch nichts zu meckern!!! P.S. Wer sich ein Haus baut schaut sich auch den B-Plan der Region an - Gewerbeflächen sind gekennzeichnet!

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