30.07.2009   |   Flyeralarm

Strafanzeige gegen Geschäftsführer

Von Clemens von Frentz

Beim Online-Drucker Flyeralarm hängt der Haussegen schief. Gegen die Geschäftsführer Thorsten Fischer und Tanja Hammerl wurde Strafanzeige eingereicht, weil das Unternehmen die Gründung eines Betriebsrats behindert haben soll. Die Geschäftsführung reagierte mit einer Gegen-Strafanzeige.

Flyeralarm-Geschäftsführer Thorsten Fischer und Tanja Hammerl

Flyeralarm-Geschäftsführer Thorsten Fischer und Tanja Hammerl

(dmnet) Wie Druck&Medien erfuhr, wurde die Strafanzeige gegen die Flyeralarm-Geschäftsführer Thorsten Fischer und Tanja Hammerl bereits Ende Mai von der Gewerkschaft Ver.di eingereicht. Nach Angaben des Würzburger Ver.di-Bezirksgeschäftsführers Gerald Burkard geschah dies, weil die Geschäftsführer mit der Behinderung einer Betriebsratswahl gegen geltende Gesetze verstoßen haben sollen.

Hintergrund: Laut Ver.di hatte die Gewerkschaft Anfang Oktober vergangenen Jahres auf Initiative von Flyeralarm-Mitarbeitern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Auf dieser Veranstaltung informierte Gewerkschaftssekretär Peter Baumann darüber, welche Aspekte bei der Wahl eines Betriebsrats zu beachten sind.

Zu diesem Zeitpunkt jedoch hatte die Geschäftsführung nach Informationen von Ver.di längst eine Umstrukturierung des Unternehmens in die Wege geleitet. Das Ergebnis wurde laut Ver.di erst im April 2009 kommuniziert: Die GmbH war in vier Betriebe gespalten worden, und zwar bereits im Sommer 2008.

Laut Ver.di kündigte das süddeutsche Unternehmen mit Niederlassungen in München, Dresden und Düsseldorf außerdem mehreren Mitarbeitern, die durch gewerkschaftliches Engagement aufgefallen waren. Eine der Kündigungen wurde laut Ver.di-Vertreter Gerald Burkard zwischenzeitlich juristisch abgeschmettert.

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Kommentare zu diesem Beitrag

Frank Walter , 29.07.2009:
Ich finde es sehr gut, dass endlich jemand dieses Thema aufgegriffen hat. Man fragt sich ja ohnehin, wie flyeralarm und andere Onlinedrucker es immer wieder hinkriegen, ihre Leistungen zu derartigen Kampfpreisen anzubieten. Die klassischen Betriebe, die mit ihren Leuten anständig umgehen und gute Löhne zahlen, bleiben dabei auf der Strecke.

Peter Berg , 30.07.2009:
Es ist wirklich gut, dass das mal zum Thema wird. Die sogenannten Onlinedruckereien und auch vermeintliche "Produktionsagenturen" reißen die Branche seit einigen Jahren in einen immer schlimmeren Verdrängungswettbewerb.
Das muss aufhören!

Werner Wiemann , 30.07.2009:
Grundsätzlich ist es legitimes Recht von Marktteilnehmern mit modernen Vertriebs- und Fertigungsmethoden rationell zu fertigen. Sonst gäbe es ja keinen Fortschritt. Natürlich sind "Spezialisten, die sich auf standardisierte Produkte und Produktionen" beschränken im Vorteil. Das ist nun mal der Markt. Unternehmen, die sich "ihre Serviceleistung und individuelle Produktion" nicht angemessen bezahlen lassen (können) sind doch selbst Schuld. Ob in diesem Unternehmen Wettbewerbsvorteile allein durch "Lohndumping oder Verstößen gegen Betriebsverfassungsrechte" ergeben bezweifle ich. Natürlich darf kein Betriebsrat verhindert werden und Menschen müssen für ihre Leistung anständig bezahlt werden. Wie viel das ist, sagt uns ja nicht mal die Politik. Nach unten gibt es mangels Mindestlohn keine Grenze, aber daran ist die Politik schuld. Somit gewinnt zur Zeit immer der Unternehmer, der das maximal mögliche aus seinen Mitarbeitern rauspressen kann. Das betrifft nicht nur Flyeralarm allein.

Klaus Nürrenberg , 30.07.2009:
Cooler Beitrag! Themen sind eigentlich die Strafanzeigen und 30% des Textes besteht aus Werbematerial von Flyeralarm. Hut ab!

Sebastian Keller , 30.07.2009:
Merkwürdige Zahlen sind das, 5,85 Mio. Bilanzsumme, Vorsteuerergebnis 3,08 Mio. bei 600 Mitarbeitern. Da sind wohl nur 400-Euro-Kräfte beschäftigt oder? Die sind doch sowieso rechtlos in unserem Ländle was die Entlohnung angeht. Daran kann man wieder ablesen, wer am meisten ausbeutet macht den größten Gewinn und lässt sich als erfolgreicher Unternehmer feiern. Schuld sind wir alle, die wir uns kaum noch für unsere Interessen einsetzen. So schlecht war das gar nicht, als noch alle die gleichen tariflichen Bedingungen akzeptieren musste. Zumindest auf den Gebiet der Entlohnung war "Waffengleichheit" gewahrt. Das die massenhafte Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld nur Kapazitätsüberhänge, Preissenkungen, Kaufkraftverluste verursacht, hätte jeder Kaufmann (und Politiker) wissen müssen. Flyeralarm und ähnliche Konstrukte bewegen sich nur im Rahmen "politisch gewollter Arbeitsbeschaffung" zu jedem Preis, Fehlendes Grundeinkommen muss dann der Steuerzahler zuschießen.

Gerd Florian , 30.07.2009:
Ich kann dazu nur eines sagen: Ein vernünftig geführtes Unternehmen braucht auch einen gescheiten mitdenkenden Betriebsrat.

Ernst Bitterfeld , 31.07.2009:
"Flyeralarm und ähnliche Konstrukte bewegen sich nur im Rahmen 'politisch gewollter Arbeitsbeschaffung'"? Der Kritik an der Politik stimme ich voll und ganz zu. Der Absegnung von Geschäftsbaren wie dem der Firma Flyeralarm allerdings nicht. Neben dem politischen/gesetzlichen Rahmen bewegen wir uns auch alle in einen moralischen Rahmen.

Es gibt Dinge im Umgang mit Mitarbeitern, die macht man einfach nicht. Diesen Rahmen scheint Flyeralarm deutlich zu überschreiten.

Als Einsatz für unsere Interessen ist es aus meiner Sicht dienlich, solchen Wild-West-Manieren Öffentlichkeit zu verschaffen. Gerade Endverbraucher orientierte Unternehmen wie Flyeralarm können sich einen solchen Imageschaden nicht leisten.

Jochen Kolbe , 31.07.2009:
Habe direkt dort die Löschung meines Firmenkundenkontos gewünscht. MIt so einem Unternehmen wollen wir nichts zu tuen haben. Da zahlen wir auch ein paar Cent mehr für unsere Aufträge.

Jochen Schulz , 31.07.2009:
Ich weiß nicht, ob Flyeralarm schlechte Arbeitsbedingungen hat und ob die Mitarbeiter schlecht bezahlt werden. Vielleicht wollen sie den Betriebsrat auch nur umgehen um sich nichts in der Geschäftsentwicklung vorschreiben zu lassen. Würden die Rechte eines Betriebsrats auf ein gesundes Mass reduziert werden, hätte wohl auch kein ordentlicher Unternehmer etwas gegen einen Betriebsrat einzuwenden.

Mathias Piehler , 31.07.2009:
Die Betonung liegt wohl auf "ordentlicher Unternehmer"? Leider gibt es mehr und mehr Unternehmen, die jegliche Vernunft verloren haben. Nur noch rund um die Uhr arbeiten, Lohn am existenzminimum zahlen und sobald sich jemand traut, etwas zu sagen, fliegt er. Das ist leider in vielen Firmen mitlerweile alltag.

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