Die Glosse zur Woche
Wir brauchen mehr Wettbewerb
Die Druckindustrie ist eine Branche, die diesen Sachverhalt besonders gut veranschaulicht. Hier gibt es beides gleichzeitig: zu viel und zu wenig Wettbewerb. Ersteres vor allem deshalb, weil das Print-Business immer noch unter Überkapazitäten leidet – zumindest nach Ansicht führender Experten. Diese Überkapazitäten führen dazu, dass viele Betriebe in einer ruinösen Preisspirale stecken und sich mit Dumpingpreisen das Leben gegenseitig zur Hölle machen.
Ebenso stark allerdings leiden die Drucker unter zu wenig Wettbewerb, denn bei Ihren Lieferanten hat die Konsolidierung, die in der Druckindustrie noch nicht abgeschlossen ist, zum überwiegenden Teil längst stattgefunden.
Bestes Beispiel dafür sind die Stromversorger. Zwar behaupten die Energiekonzerne gebetsmühlenartig, es gäbe in ihrem Segment einen ausreichenden und funktionierenden Wettbewerb, aber diese Meinung haben sie exklusiv. Unabhängige Institutionen wie die Monopolkommission zu den Energiemärkten in Deutschland sehen das anders.
Nach Einschätzung der Kommission herrscht "weiterhin kein funktionstüchtiger Wettbewerb", und die staatliche "Wettbewerbsaufsicht ist zu verbessern". So heißt es in einem Sondergutachten, das die Experten Anfang August präsentierten. Derzeit gebe es "erhebliche Umsetzungsdefizite bei der Entflechtung von einstigen Monopolversorgern sowie eine "Ausnutzung der Marktmacht im Erzeugerbereich".
Wie sehr die Stromkonzerne davon profitieren, zeigt das Beispiel E.on. Der Energieriese, der kürzlich den Abbau von rund 2.000 Stellen beschloss, hat trotz Wirtschaftskrise für die erste Hälfte des aktuellen Geschäftsjahrs einen fetten Gewinn gemeldet. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 5,7 Milliarden Euro (!!) – und damit noch über den Erwartungen der Analysten, die mit 5,5 Milliarden Euro gerechnet hatten. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg um vier Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.
Von solchen Dimensionen können Deutschlands Druckdienstleister nur träumen. Sie ächzen seit Jahren unter den steigenden Energiekosten, und angesichts der miserablen Margen im Druckgeschäft gibt es einige Betriebe, die die nächste Strompreis-Erhöhung kaum überleben dürften.
Marktwirtschaft hin oder her: Hier ist der Staat gefordert. Er hat vor Jahren den Fehler gemacht, die Energieversorgung zu "privatisieren" und damit einen elementaren Bereich der Grundversorgung in die Hände von Monopol-Unternehmen zu legen. Diesen Fehler baden die Verbraucher und vor allem der Mittelstand nun aus. Es wird Zeit, dass man in Berlin endlich aufwacht und diesem mittelstandsfeindlichen Treiben ein Ende macht.


1. Den Betrieb unter Umweltaspekten durchleuchten lassen und Schwachstellen in der Energieeffizienz beheben. Beim Druckhaus Berlin-Mitte (DBM) konnte laut "Umweltbericht 2009" der Stromverbrauch dadurch von 2006 bis 2008 um 8% gesenkt werden.
2. Nach alternativen Stromanbietern suchen. Beim DBM werden wir ab 2010 die komplette Stromversorgung auf die NaturEnergie umstellen. NaturEnergie liefert ausschließlich Strom aus eigenen Wasserkraftwerken. Der CO2-Ausstoß wird dadurch alleine für das Stammhaus um über 1.000 Tonnen im Jahr gesenkt.
So stärken wir den Stromwettbewerb und tun etwas für die eigene Wettbewerbsfähigkeit.