Die Glosse zur Woche
Ein "Gschmäckle" bleibt
von Imke Laurinat
Drei Jahre und fünf Gerichtsurteile hat es gedauert. Jetzt bekam die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Einsicht in die Untersuchungsergebnisse über Getränkekartonsäfte, die mit der Druckchemikalie ITX kontaminiert waren und schlägt in den Medien erneut Alarm: Während das Bundesinstitut für Risikobewertung von einer Unbedenklichkeit bei Belastungen von weniger als 50 Mikrogramm je Kilogramm ausging, sollen staatliche Untersuchungsstellen bis zu 600 Mikrogramm je Kilogramm gefunden haben.
Dem zuständigen Verbraucherschutzministerium wirft die DUH vor, dass es die kontaminierten Produkte damals nicht umgehend aus dem Handel entfernt, sondern "zum Schutz der Industrie durch die Kehlen der Verbraucher entsorgt" habe.
Und damit nicht genug. Zwar benutzt die Verpackungsindustrie zum Bedrucken der Getränkekartons längst andere Photoinitiatoren. Für diese liegen aber nach Meinung der DUH ebenfalls keine ausreichenden toxikologischen Daten vor.
Das ist starker Tobak, auf den der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel umgehend reagierte. In einer Mitteilung ließ er wissen, dass "bei allen Druckfarben, die von den Getränkekartonherstellern eingesetzt werden, eine Gesundheitsgefahr ausgeschlossen werden kann." Erstens würden 95 Prozent aller Getränkekartons in Verfahren mit wasserbasierten Druckfarben oder im Tiefdruck hergestellt – und somit ohne Photoinitiatoren. Zweitens würden für die verbleibenden fünf Prozent "neue Druckfarbenrezepturen dahingehend geprüft, dass kein Stoffübergang ins Lebensmittel erfolgt, der die Gesundheit gefährdet."
Fünf Prozent sind fünf Prozent zu viel. ITX-Skandal, mangelnde Transparenz und fehlende Langzeitstudien wecken beim Verbraucher wenig Lust, im Discounter-Regal zuzugreifen. Besonders, wenn billige Preise ihn ahnen lassen, dass nicht nur beim Inhalt, sondern auch bei der Verpackungsherstellung zu Lasten der Qualität bis zum letzten Cent gefeilscht worden ist.
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