Die Glosse zur Woche

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Das papierlose Büro ist wieder da und es hat einen unerwarteten Unterstützer gefunden

Wissend sprachen die Eingeweihten Anfang der Achtziger Jahre über das papierlose Büro, das der Siegeszug der Arbeitsplatz-Computer unweigerlich mit sich bringen würde. Lange, lange ist das her und viel Papier rauschte seitdem durch den Drucker.

Nun aber ist es Zeit für einen neuen Anlauf und der kommt von unerwarteter Seite: Der finnische Papierhersteller UPM-Kymmene teilte seinen Lieferanten mit, dass er ab 1. Januar 2010 nur noch elektronische Rechnungen, so genannte E-Invoices, akzeptieren wird.

Ja, das ist effizienter, ja, das geht schneller und ja, wieso soll man Informationen aus einer EDV-Anwendung heraus auf Papier exportieren, nur damit sie dann auf der anderen Seite wieder digitalisiert werden? Aber ein bisschen traurig stimmt es einen schon, wenn ein Hersteller sein eigenes Produkt so rigoros aus seinen Geschäftsabläufen verbannt.

Ein Datensatz und eine 18-stellige E-Invoice-Adresse werden künftig also die Papier-Rechnung im Papier-Kuvert ersetzen.

Vielleicht aber wird der Sachbearbeiter bei UPM-Kymmene, wenn das Fensterchen "Neue Rechnung" auf seinem Bildschirm aufpoppt, den Mauszeiger auf das Druckersymbol schieben und sich einen schönen Ausdruck auf bestem UPM-Büropapier für die Akten machen. Papier hat seinen eigenen Zauber und dem entkommt keiner so schnell.

Kommentare zu diesem Beitrag

Delbert Alexander , 13.06.2009:
Das papierlose Büro

Die Zukunft hat schon längst begonnen: Es gibt elektronisches Fax, SMS, Internet, Chat, Mail und noch viel andere Dinge von denen ich nicht mal die Abkürzung kenne.
Und seit neuestem hat unser Rationalisierungsspezialist herausgefunden, daß wir mit einem papierfreien Büro viel besser dran wären. So stand ich denn am Wochenanfang vor meinem Schreibtisch und hatte nichts mehr außer einer PC-Tastatur und einem Telefon. In einer Besprechung wurden wir darüber informiert daß wir jetzt WIR-SIND-ZUKUNFT sind und jeder Einzelne die Firma - ohne Papier - enorm voranbringen könne. Vorsorglich hätten die Putzfrauen gemäß Anweisung Papier und Schreibwerkzeuge eingesammelt.

Schon nach einer Stunde kam das erste Problem: bei einem Gespräch hätte ich mir eine Nummer notieren müssen, damit ich jemanden hätte anrufen können. Kein Papier. Kein Stift. Und im PC kein "Notizblatt" für spezielle Gelegenheiten. Also griff ich mir mein Handy und tippte die Nummer in mein Mobiltelefon. Die nächsten Informationen sendete ich als SMS an mich selbst. Nach einer Stunde war der Nummern- und der SMS-Speicher voll. Es wurde eng. Ich rief den Spezialisten an und fragte ihn ob er noch mehr so geniale Ideen hätte und ob er mir ein Stück Papier leihen könnte. Er beschimpfte mich nicht direkt als kontraproduktiven Steinzeitler, aber ich erkenne wenn ich verarscht werde. Na warte: so schlau wie der bin ich schon lange. Papier mußte her. Ich schlich zum Drucker, aber er war leer. Am Fax klebte ein Zettel, daß wir gefälligst das elektronische im PC benutzen sollten. Fax-Papier war weg. Am Kopierer hängte die Notiz, daß es jetzt eh nichts mehr zu kopieren gäbe. Ich öffnete die Kiste, weil ich auf den letzten Papierstau hoffte. Auch dort nur eine Notiz. "Vergessen Sie´s!" Er hatte es mit einem Edding auf Tesafilm geschrieben. Das durfte doch nicht wahr sein. Gab es denn im ganzen Haus keine Blätter mehr? Geistesgegenwärtig sammelte ich sämtliche Zettel an den verschiedenen Geräten ein und fand noch einen Highlighter unter einem Stapel Bücher. Dann wurde es ernst. Noch zwei Stunden bis Feierabend. Der Neonstift war leer, die Zettel voll. Was jetzt? Stift. Ein Stift. Ein Königreich für einen Stift. Dann hatte ich den Geistesblitz: Frauen hatten doch alle Schminkzeug. Kajal war das Zauberwort. Hätte ich meiner Sekretärin gesagt wozu ich das Ding haben wollte, hätte sie es selbst behalten. So ließ ich den Verdacht auf mir ruhen entweder ein eitler Fatzke oder ein Schwuler zu sein und machte mich mit dem sündteuren Kajalstift aus dem Staub. Blieb noch das Papierproblem. Irgendwo in dem Haus mußte noch ein Stück Papier sein. Ich überlegte lange und kam zu dem Schluß die Sache falsch angegangen zu sein. Wo war manchmal kein Papier zu finden obwohl man in gewissen Momenten jeden Preis dafür bezahlt hätte? Richtig: auf der Toilette. Ganze Rollen gab es da. Daran hatte dieser Spezialist sich nicht gewagt. Aber ich. Und deshalb habe ich alles Papier aus seiner privaten Firmentoilette entfernt und eine Notiz an der Innenseite seiner Klotür hinterlassen:
ES LEBE DER FORTSCHRITT: Beidhändig abkratzen!
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