Die Glosse zur Woche

Alles umsonst

Nach 13 Jahren wirrer Reformen und inflationärer Begriffsschöpfungen muss die deutsche Rechtschreibung nun auch noch als Gratisangebot ins Internet abmarschieren.

Da geht sie hin, die deutsche Rechtschreibung. Nein, gemeint ist diesmal ausnahmsweise nicht das verkorkste Gezerre um die Rechtschreibreform, die statt der erhofften Vereinfachung vielmehr für immer neue Verwirrung sorgt und sich in ihrem verflixten 13 Jahr wohl endgültig im Nebel diffuser Empfehlungen verloren hat.

Nein, es geht auch ausnahmsweise einmal nicht um die vielen kuriosen Wortschöpfungen, die der Duden-Verlag mit jeder neuen Auflage seines gelben Rechtschreibbandes unserem offiziellen Wortschatz hinzufügt. Auch wenn es für viele Zeitgenossen dem Untergang des Abendlandes gleichkommen mag, wenn Duden in seinem vorige Woche erschienen 25. Jubiläumsband extrem schwachsinnige Begriffe wie "Skimming", "vertschüssen" oder "twittern" abdruckt.

Nachdem die deutsche Rechtschreibung in mancherlei Hinsicht sowieso schon den Bach runter gegangen ist, ist zu befürchten, dass sie sich nun auch noch aus den Bücherregalen verabschieden wird – wenn auch auf Raten. Denn obwohl es Online-Angebote wie Wiktionary oder die teilweise kostenpflichtige Duden-Suche schon seit längerem gibt, will Pons jetzt die Hoheit über die korrekte Sprache im Internet mit einem Gratiswörterbuch gewinnen.

"Wir haben besonders gefährdete Inhalte", so Pons-Verlagssprecherin Anne Pelzer. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es diese kostenlos im Internet gebe. "Da wollten wir sicherstellen, dass unsere Kunden weiterhin bei uns nachschlagen, anstatt zu anderen Angeboten abzuwandern."

Egal ob Nachrichten, Kleinanzeigen, Kataloge, Lexika oder Wörterbücher – der Dammbruch von Print ins Internet ist nicht aufzuhalten. Und manchmal wird er sogar noch in vorauseilendem Gehorsam beschleunigt. Koste es, was es wolle.

Gegenüber neuen Duden-Wortschöpfungen scheint das Internet-Angebot verglichen mit seinem Print-Pendant übrigens eine gesunde Resistenz aufzuweisen: Während der gedruckte Band das Verb "twittern" konjugiert, fragt die Online-Suche: "Meinten Sie wittern?"

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