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Praxisfall
Wenn der Schuber beschädigt statt schützt
Worauf bei der Materialauswahl und Fertigung zu achten ist.
Von Georg Pantel
Wird bei einer Auflage in den Vollton- und Rasterflächen ein ungleichmäßiges Druckbild beanstandet, stellt sich automatisch die Frage, was den Fehler verursacht hat. Häufig beobachtete, ähnliche Effekte werden dann schnell einer ganz bestimmten Ursache zugeordnet. Jedoch können sich selbst Fachleute unter Umständen täuschen. Dies war der Fall, als man es mit einem äußerst ungewöhnlichen Farbannahmever-halten eines Kartons zu tun hatte. Was war passiert?
Im Praxisfall der fogra ging es um die Reklamation eines Bildbandes mit den Abmessungen 32 mal 42 mal fünf Zentimeter. Die sechs Kilogramm schweren Deckenbände mit einer Gesamtauflage von 35.000 Exemplaren waren jeweils in einem Schuber an den Buchhandel ausgeliefert worden. Dort gingen zahlreiche Reklamationen der Käufer ein mit der Begründung, dass nach der Entnahme aus dem Schuber ein störender weißer Belag auf der Leinen- oberfläche des Bandes sichtbar wird. Versuche, die Verschmutzungen an den Bänden nachträglich zu entfernen, brachten nicht den gewünschten Erfolg.
Die fogra erhielt den Auftrag, herauszufinden, was den Fehler verursacht hat und welche Vorsorgemaßnahmen bei zukünftigen Produktionen zu ergreifen sind. Als Untersuchungsmaterial wurden ihr Original-Deckenbände mit Schuber zur Verfügung gestellt.
Untersuchungen
Auf der dunklen Fläche des Leinenbezugs machten sich partiell weiße Ablagerungen von Fasern und feinen Partikeln deutlich bemerkbar, die vor allem in Auszugsrichtung (also bei der Entnahme des Exemplars aus dem Schuber) hässliche Spuren hinterließen.
Der Schuber selbst war auf der Innenseite mit einem holzfreien Papier kaschiert. Bei Schräglicht-Betrachtung der Innenseite zeigte sich an zahlreichen Stellen eine Beschädigung der Oberfläche. Papierbestandteile waren partiell herausgerissen und auf die Leinen-oberfläche übertragen worden. Ferner war ein ungleichmäßiges Oberflächenprofil der Pappe zu erkennen. Diese Beobachtungen gaben den Fachleuten der fogra bereits den Hinweis, dass der Fehler in einer nicht optimalen Beschaffenheit der Innenseite des Schubers zu suchen war.
Aufnahmen mit dem Rasterelektronen-Mikroskop von der "verschmutzten" Leinenoberfläche be-stätigten schließlich den Verdacht. Auf dem Leinengewebe hatten sich einzelne Fasern und weitere Bestandteile des Papiers abgelagert.
Fazit
Die Untersuchungen der fogra haben ergeben, dass die weißen Ablagerungen auf der Leinenoberfläche des Deckenbands von der Innenseite des Schubers stammten. Die Oberfläche der relativ rauen Deckschicht der Pappe führte im Kontakt mit der ebenfalls rauen Leinenoberfläche des Buches zu einer starken mechanischen Beanspruchung des Materials. Das hohe Gewicht der Bildbände hätte für den Transport und das Handling eine deutlich bessere mechanische Widerstandsfähigkeit der Schuberinnenseite erfordert.
Die Untersuchungen belegten, dass die Deckschicht des inneren Schuberpapiers für das vorliegende Produkt nicht die Anforderungen erfüllte, die notwendig gewesen wären. Die Probleme hätten bei Verwendung eines Kaschiermaterials mit
höherer Oberflächenfestigkeit und höherer Glätte vermieden werden können. Ferner wäre eine möglichst plane Pappenoberfläche erforderlich gewesen.
Ursachen & Abhilfen
- Ein Schuber kann das innenliegende Buch beschädigen, wenn er zu groß oder zu klein oder aus einem nicht geeigneten Material gefertigt wurde.
Mechanische Beschädigungen durch die Innenseite des Schubers lassen sich vermeiden. Dazu sollte das Kaschiermaterial in jedem Fall über eine hohe Oberflächenfestigkeit und starke Glätte verfügen. Zudem empfiehlt sich eine möglichst plane Pappenoberfläche.
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