Praxisfall

Wenn Bücher unter ihrem Umgebungsklima leiden

Buchblöcke aus dem Bogenoffset reagieren sensibel auf zu geringe oder zu hohe Luftfeuchte.

Von Georg Pantel

 

Bücher werden nach der Fertigung häufig in Folie eingeschweißt, um einerseits das Produkt vor mechanischen Beschädigungen zu schützen, andererseits soll die wasserdampfdichte Verpackung klimatische Einflüsse aus der Umgebungsluft verhindern. Normalerweise weist das Buch in diesem Zustand eine zufriedenstellende Planlage auf. Woran liegt es, wenn es nach Entfernen der Folie bei längerer Lagerung zur Nichtplanlage des Buchblocks kommt?

Im Vergleich: oben die normale Planlage
Im Vergleich: oben die normale Planlage
und unten die beanstandete Tellerbildung.
und unten die beanstandete Tellerbildung.

Zum einen dehnen sich bei hoher Umgebungsfeuchte die Papierfasern senkrecht zur Faserrichtung wesentlich stärker als in Faserrichtung – die Folge ist Randwelligkeit am Buchbeschnitt. Andererseits schrumpfen die Blattkanten bei zu trockener Umgebungsluft, es kommt zum sogenannten Tellern des Buchblocks.
Besonders in der kalten Jahreszeit herrscht in den Räumen des Buchhandels ebenso wie in privaten Räumen eine geringe Umgebungsfeuchte von gerade mal 20 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Vor allem bei Bogenoffsetpapieren, die nach der Produktion eine relative Feuchte von etwa 45 bis 55 Prozent aufweisen, ist dann die Gefahr des Tellerns groß. Ein weiteres Phänomen kann sich unter diesen Bedingungen in Form des „Schnabelns“ der Buchdecke bemerkbar machen. Schnabeln bedeutet ein konvexes Verformen der Decke nach außen.

Fallbeispiel
Ein hochwertiger Bildband im Großformat wurde im Bogenoffset auf glänzend gestrichenem Papier gedruckt. Es folgten Fadenheftung,  Hinterkleben des Rückens, Schneiden des Blocks, Einhängen in die Decke und das Umlegen eines Schutzumschlags. Zum Schluss wurde jeder Band mit einer Schutzfolie versehen.
Nach der Auslieferung der Bände im Monat Februar kam es vermehrt zu Reklamationen aufgrund der Nichtplanlage des Papiers und vereinzelten Schnabelns der Decke.

Schließlich erhielt die fogra vom Verlag den Auftrag, festzustellen, ob möglicherweise Fehler bei der Herstellung gemacht worden waren. Die Gleichgewichtsfeuchte im noch eingeschweißten Buchblock war für Bogenoffsetpapier normal und betrug etwa 48 Prozent. Nach dem Entfernen der Schutzfolie zeigte sich eine einwandfreie Planlage. Die beanstandeten Bände ließen in der Blockmitte eine tellerförmige Nichtplanlage erkennen. Ferner war ein Hochstehen der Ecken zu erkennen.

Die an den beanstandeten Bänden durchgeführten Feuchtemessungen im Außenbereich ergaben Werte von etwa 30 Prozent. Im Bereich der Fadenheftung lag die relative Feuchte bei rund 45 Prozent. Diese Ergebnisse belegten, dass das Papier an den Buchblockkanten ausgetrocknet war.

Fazit
Die Lagerung von Bucheinbänden in den Wintermonaten bewirkt bei der geringen Luftfeuchte in beheizten Räumen ein Austrocknen des Blocks und der Decke. Auf die daraus resultierende Nichtplanlage hat weder der Buchbinder noch der Drucker oder der Papierhersteller Einfluss. Kommt es zu Reklamationen, sollte diese Gesetzmäßigkeit berücksichtigt werden. Den Idealzustand – die Lagerung der Bücher unter Normalklima – findet man weder in Verkaufsregalen noch im Wohnzimmer des Kunden.

Ursachen & Abhilfen

  • Bei zu hoher Umgebungsfeuchte wird das Papier randwellig.
  • Ist die Luftfeuchtigkeit zu trocken, schrumpfen die Blattkanten, und auch die Buchdecke kann sich verformen.
  • Für Bücher ideal ist die Lagerung unter Normalklimabedingungen – die allerdings weder im Verkaufsregal noch beim Kunden vorzufinden sind.

 

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