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Praxisfall
Wellenbildung einzelner Falzbogen im Buchblock
Neben klimabedingten Einflüssen kann der Fehler auch im Papier selbst begründet liegen.
Von Georg Pantel
Wenn sich ein Buchblock wellt, geschieht dies meistens über sämtliche Seiten hinweg. Sichtbar wird der Mangel nicht nur, wenn man einzelne Blätter im Schräglicht betrachtet, auch im geschlossenen Block ist an den beschnittenen Seiten eine durch-gehende Welligkeit gut zu erkennen. Eher selten kommt es dagegen zur Wellenbildung einzelner Falzbogen des Produktes. Was ist passiert?
Nachdem die Papierbahn die Heatset-Rotation durchlaufen hat, nimmt das trockene Papier aus der Umgebungsluft Feuchtigkeit auf. Es dehnt sich aus, was besonders an den Schnittkanten des Buchblocks zur Wellenbildung führt. Der Effekt ist besonders stark, wenn nicht rückbefeuchtet wird.
Im Bogenoffset kann der Fehler auftreten, wenn Papier zu trocken angeliefert wurde, etwa bei einer relativen Feuchte unter 30 Prozent. Bei Lagerung der Druck- beziehungsweise Falzbogen sowie der Buchblocks in Normalklima (relative Feuchte 50 Prozent) kann es dann zu einer ähnlichen Welligkeit kommen.
Fallbeispiel und Untersuchungen
Nach der Auslieferung der Teilauflage eines Bildbandes stellte der Abnehmer eine störende Wellenbildung an einzelnen Lagen fest. Um die Frage zu klären, wodurch der Mangel verursacht wurde und wie er künftig vermieden werden kann, wurde die fogra beauftragt, sich der Problematik anzunehmen. Der Betrieb stellte für Untersuchungen Falzbogen und fertige Exemplare zur Verfügung.
Die Werte der Aufzeichnungen über die Luftfeuchtigkeit in den Räumen von Druckerei und Buchbinderei zum Zeitpunkt der Produktion waren nicht auffällig. Ferner stellte man an allen noch nicht verarbeiteten Falzbogen eine normale Feuchte fest. Damit war klar, dass ein luftfeuchtebedingter Einfluss als Ursache der Nichtplanlage nicht in Frage kam.
An den Bogen erfolgten neben weiteren Untersuchungen auch vergleichende Dickenmessungen. Dabei fiel auf, dass die Falzbogen mit der beanstandeten Wellenbildung gegenüber den übrigen generell eine höhere Dicke aufwiesen. Bei der achtseitigen Lage wurde ein Unterschied von rund 90 Mikrometer gemessen. Demnach bestand also ein Zusammenhang zwischen der Welligkeit und den unterschiedlichen Papierqualitäten innerhalb einer Lieferung.
Mit der Originaltaschenfalzmaschine führte die fogra nun gezielte Falzversuche an den Restbeständen durch. Dabei wurden die Walzen der Anlage auf das Papier mit der geringeren Dicke eingestellt. Ergebnis: Es zeigte sich eine einwandfreie Planlage der Falzbogen, wenn das Papier die nominelle Dicke besaß.
Mit derselben Walzeneinstellung wurden anschließend Bogen mit der höheren Dicke gefalzt. Ergebnis: Die Bogen waren ebenso wellig wie bei den beanstandeten Bänden.
Mit diesem Versuch konnte nachgewiesen werden, dass die Wellenbildung durch eine zu starke Pressung der Bogen zwischen den Walzen der Falzmaschine entstand. Es kam hierbei zu einem Walkprozess, der das Papier mechanisch verformte.
Fazit
Weder die klimatischen Bedingungen in den Produktionsräumen noch in den Papierstapeln konnten als Ursache des Mangels ausgemacht werden. Beim Falzen wurde die Falzmaschine auf Bogen mit geringerer Dicke eingestellt. Bei den Bogen mit höherer Dicke kam es zu einer starken mechanischen Beanspruchung, die zu einer Verformung des Materials führte. Die Buchbinderei und der Papierhersteller beteiligten sich je zur Hälfte anden entstandenen Kosten.
Ursachen & Abhilfen
- Luftfeuchtebedingter Einfluss kann zur Nichtplanlage des Papiers führen. In den Räumen sollte Normalklima (50 Prozent relative Feuchte) herrschen.
- Wellenbildung einzelner Lagen entsteht bei zu starker Pressung der Bogen zwischen den Walzen der Falzanlage. Der Grund: Dickenunterschiede innerhalb einer Papierlieferung.
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