Praxisfall

Warum lackierte Drucke in der Rolle verblocken

Mehrere Material- und Prozessfaktoren können das Verkleben begünstigen

Von Georg Pantel

 

Unter Verblocken ist das Haften beziehungsweise Verkleben von Farb- und Lackflächen zu verstehen. Oft überträgt sich die Druckfarbe auf die in Kontakt stehende Seite. Neben der schlechten Druckwiedergabe kann es auch zu erheblichen Proble-men bei der Weiterverarbeitung kommen. Im schlimmsten Fall wird die Papieroberfläche beim Trennen der Drucke beschädigt und es muss neu gedruckt werden. Welche Faktoren begünstigen das Verblocken der Drucke?

Der vorliegende Beitrag aus der Gutachertätigkeit der fogra soll zeigen, dass manchmal mehrere Einflussfaktoren zu einem Schadensfall aufgrund von Verblocken führen können. Die Auflage eines Automobilprospektes war auf einer Endlosrotation mit UV-Farben beidseitig vierfarbig  gedruckt worden. Zusätzlich erfolgte auf der Rückseite eine UV-Inline-Spotlackierung.

Mehrere Tage nach dem Druck zeigte sich in der Rolle ein starkes Verblocken, das die gesamte Auflage unbrauchbar machte. Die fogra erhielt den Auftrag, die Ursache des Schadens anhand des zur Verfügung gestellten Materials zu ermitteln.

Untersuchungen
Die Druckerei stellte von der Rolle eine Lage von mehreren Zentimetern für die Beurteilung zur Verfügung. Die einzelnen Lagen der Drucke waren derart verblockt, dass sie nur mir großer Mühe getrennt werden konnten. Der Schaden trat nur an den Stellen auf, an denen der unlackierte Vorderseitendruck mit der spotlackierten Rückseite in Kontakt stand. Es fiel ferner ein sehr intensiver, unangenehmer Geruch der UV-Lackierung auf.

Wärmeblocktests an Original- und nachgehärteten Drucken zeigten, dass die Originale beim Separieren ein höheres Trenngeräusch und eine stärkere Beschädigung der Oberfläche aufwiesen. Damit war ein Hinweis gegeben, dass der UV-Lack des Auflagendrucks nicht vollständig durchgehärtet war.

Ferner erfolgten mit den Originalfarben Schwarz und Cyan Labor-Vollflächendrucke, auf die dann mittels Spiralrakeln UV-Lack mit Schichtdicken von vier bis zwölf µm aufgebracht wurde. Neben dem Originallack kam ein UV-Lack eines anderen Herstellers zum Einsatz, der eine bessere Gleitfähigkeit und daher eine geringere Neigung zum Verblocken versprach.

Die anschließenden Wärmetests an diesen Proben zeigten, dass der Originallack gegenüber dem Vergleichsprodukt ein deutlich stärkeres Haften aufwies. Ferner stellte die fogra fest, dass die Haftreibung beim Original- gegenüber dem Vergleichsprodukt gerade bei höheren Schichtdicken stärker war.

Ergebnisse
Die Drucke waren nicht ausreichend ausgehärtet, was sich auch in einem sehr intensiven Geruch bemerkbar machte. Der Drucker hatte zur Optimierung der Trocknung zusätzlich UV-Brenner eingesetzt. Diese Maßnahme könnte eventuell die Temperatur in der Rolle zusätzlich erhöht und damit die Neigung zum Verblocken sogar verstärkt haben.

Zudem wies der Originallack eine hohe Haftreibung auf. Bei einem in die Versuche einbezogenen Vergleichslack (mit offensichtlich höherem Gleitmittelanteil) kam es selbst bei hohen Schichtdicken zu einer geringeren Haftreibung und demnach zu einer geringfügigeren Gefahr des Verblockens.

Darüber hinaus arbeitete die Druckerei beim Auflagendruck vermutlich mit zu hohem Lackauftrag. Offensichtlich sollte so eine verbesserte Glanzwirkung erzielt werden.

Die Kosten für den Nachdruck übernahmen aufgrund des Zusammenspiels mehrerer Faktoren der Lackhersteller und die Druckerei gemeinsam. Der Einsatz eines Lacks mit besserem Gleitverhalten und eine reduzierte Lackschichtdicke führten zu einem einwandfreien Ergebnis.

Ursachen & Abhilfen

  • Eine schlechte Härtung der Drucke, die durch hohe Temperaturen von UV-Brennern noch verstärkt werden kann.
  • Lacke mit hoher Haftreibung sind problematisch; besser geignet sind Produkte mit hohem Gleitmittelanteil.
  • Ein zu starker Lackauftrag im Auflagendruck.

 

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