Praxisfall

Vor Druckbeginn falsch temperierte Bogenware

Wenn die relative Feuchte von Papier und Umgebung nicht aufeinander abgestimmt sind.

Von Georg Pantel

 

Um während des Druckprozesses eine gute Planlage der Bogen zu gewährleisten, sollte ihre relative Feuchte identisch zur Umgebungsluft sein. Ist dies nicht der Fall, reagieren die Fasern des hygroskopischen Papiers auf die Differenzen. Dabei kommt es zu Dehn- beziehungsweise zu Schrumpfprozessen. Was ist bei Transport, Anlieferung und Lagerung des Bogenmaterials zu beachten?

Randwelliger Druckbogen auf dem Anleger der Offsetmaschine.
Ein randwelliger Druckbogen auf dem Anleger der Offsetmaschine.

Papiere für den Bogenoffset werden in klimageschützten Riesverpackungen oder Paletten angeliefert. Sie weisen darin normalerweise eine relative Feuchte von rund 50 Prozent bei einer Temperatur von etwa 23 Grad Celsius auf. Ist die Raumfeuchte im Vergleich zur Papierfeuchte höher, entsteht an den Stapelkanten Randwelligkeit. Bei einer trockneren Umgebungs-feuchte tritt dagegen Tellern auf.

All diese Formen der Nichtplanlage können im Druck Passerdifferenzen, Dublieren oder Faltenbildung verursachen. Mit ähnlichen Problemen muss gerechnet werden, wenn die Temperatur des Papiers während des Druckens zu gering ist.

Fallbeispiel
Eine Bogenoffsetdruckerei erwartete für einen eiligen Auftrag 20 Paletten eines gestrichenen Papiers. Die Lieferung traf nach Verzögerung letztendlich mit dem LKW direkt aus Skandinavien ein. Die Außentemperatur lag zu diesem Zeitpunkt bei frostigen minus zehn Grad Celsius. Da wenig Zeit war, wurde unmittelbar nach Eintreffen der Lieferung mit den Druckvorbereitungen begonnen. Sogleich entfernte man an den Paletten die Verpackung und stapelte das Papier in der Maschine vor.

Am nächsten Tag zeigte sich bei Druckbeginn nach Aussagen des Druckers an allen Seiten der Paletten eine mehr oder weniger starke Randwelligkeit. Trotz dieser Beobachtung wurde mit dem Druck begonnen, da es in der Vergangenheit offensichtlich nie zu ernsthaften Mängeln aufgrund von Randwelligkeit gekommen war.

Diesmal war es anders: Der Vierfarbdruck zeigte Dublieren und Passerdifferenzen, und es kam partienweise auch zu Faltenbildungen. Die fogra wurde unmittelbar nach Auftreten des Problems gebeten, eine Ortsbesichtigung vorzunehmen, um die Lage einzuschätzen.

Die Klimaverhältnisse im Drucksaal waren normal. Die Werte lagen bei 21 Grad Celsius bei 48 Prozent relativer Feuchte. Dagegen hatten die Paletten selbst 48 Stunden nach Anlieferung eine geringe Temperatur von nur wenigen Grad über Null. Damit war belegt, dass das zu frühzeitige Entfernen der Klimaschutzverpackung den Fehler verursacht hatte. Nach dem Auspacken eines kalten Stapels kühlt sich die umgebende Luft ab, was in unmittelbarer Nähe eine höhere relative Feuchte zur Folge hat. Der Bogen nimmt dann in den Randzonen Feuchtigkeit auf, und das Papier dehnt sich aus.

Fazit
Papiere sollten vor Entfernen der klimadichten Verpackung die gleiche Temperatur wie die Umgebungsluft aufweisen. Untersuchungen belegen, dass bei einer Differenz von 30 Grad Celsius ein Papierstapel mit einem Volumen von 1,5 Kubikmeter drei bis vier Tage benötigt, um sich dem Raumklima anzugleichen.

Das Papier sollte nach Kenntnis des Drucktermins rechtzeitig bestellt werden. Wird es in der kalten Jahreszeit mehrere Tage transportiert, sollten Informationen eingeholt werden, ob der Transportraum temperiert ist. Ist dies der Fall, kann bei knappen Terminen der Druckbeginn unmittelbar nach der Lieferung erfolgen.

Ursachen & Abhilfen

  • Die relative Feuchte von Papier und Umgebungsluft sollte vor Druckbeginn gleich hoch sein.
  • Für die Akklimatisation muss zwischen Anlieferung und Produktion ausreichend Zeit eingeplant werden.
  • Kenntnisse über die Transportbedingungen können die Akklimatisationszeit verkürzen.

 

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