Praxisfall

Verschiedene Druckauflagen sicher identifizieren

Zweifel an der Auftragsausführung stellen das Vertrauen des Kunden auf eine harte Probe.


Von Georg Pantel

 

Zum Glück ist es die Ausnahme, wenn für einen Auftrag Material und Techniken eingesetzt werden, die von den ursprünglichen Verein-barungen zwischen Kunde und Druckerei abweichen. Grund dafür sind dann in aller Regel Einsparungen bei der Materialwahl oder der eingesetzen Technik. Stehen Zweifel an der vereinbarungsgemäßen Ausführung erst einmal im Raum, ist es oft schwierig, sie auszuräumen. Wie können die Beteiligten in einer solch sensiblen Situation vorgehen?


Die variierenden Einstiche der Fadenheftung liefern den Beweis, dass die Nachauflage vollständig neu gefertigt wurde.
Die variierenden Einstiche der Fadenheftung liefern den Beweis, dass die Nachauflage vollständig neu gefertigt wurde.

Beispiele von Druckproduktionen, die nicht so ausgeführt wurden, wie es mit dem Kunden vereinbart war, gehören zwar nicht zum Alltag, aber dennoch gibt es sie: Ein Kunde bestellt Etiketten, die aufgrund hoher Farbdeckung und Abriebfestigkeit im Siebdruck hergestellt werden sollten. Er erhält jedoch einen normalen Offsetdruck, der die Erwartungen in keiner Weise erfüllt. In einem anderen Fall sollte für einen Prospekt ein hochwertiges, zweifach gestrichenes, holzfreies Papier verwendet werden. Genommen wurde jedoch ein preisgünstigeres holzhaltiges Bilderdruckpapier, das die erhoffte hohe Weiße und Brillanz vermissen ließ.
Allerdings kann es ebenso vorkommen, dass der Verdacht einer Vortäuschung nicht berechtigt ist. Eine Situation, in der Fingerspitzengefühl gefragt ist.

Fallbeispiel

Im Fallbeispiel der fogra wurden die bedruckten Bogen für einen Bildband gefalzt und fadengeheftet. Danach erfolgte das Ableimen des Buchrückens mit Hotmelt-Klebstoff.
Nach Auslieferung der Bände fiel dem Kunden auf, dass sich beim Aufschlagen des Deckenbandes der Klebstoff völlig oder teilweise vom Rücken löste und so die Stabilität des Buchblocks stark herabgesetzt war. Da das Druckprodukt in diesem Zustand als unverkäuflich bewertet werden musste, war es im Einvernehmen aller Beteiligten erforderlich, neu zu produzieren. Als der Verlag die Nachauflage erhielt, stellte man fest, dass der Buchblock gegenüber der Erstauflage in Höhe und Breite um einige Millimeter kleiner war. Die Bindequalität selbst konnte zwar jetzt als „gut“ bezeichnet werden. Aufgrund der kleineren Abmaße des Buchblocks entstand jedoch der Verdacht, dass möglicherweise der alte Block nur zurückgeschnitten, neu abgeleimt, hinterklebt und dann lediglich die Decke erneuert worden war. Die fogra erhielt schließlich den Auftrag, zu prüfen, ob eine Manipulation stattgefunden hatte oder nicht.

Untersuchungen

Die fogra verglich je einen Band aus der Erst- und Nachauflage. Im Druckbild beider Produktionen gab es keine eindeutigen drucktechnischen Hinweise, etwa unterschiedliche Butzenbildung oder sonstige Druckfehler beziehungsweise Markierungen, die auf eine Neuproduktion hindeuteten. Die Rückenbearbeitung war gegenüber der Erstauflage deutlich besser. Diese Feststellung gab aber ebenfalls noch keinen eindeutigen Hinweis auf eine Neuproduktion.

Erst beim vollständigen Ablösen der Hinterklebung vom fadengehefteten Rücken konnte der Beweis geliefert werden, dass mit Sicherheit neu produziert worden war. Entscheidend war, dass zwischen der Erst- und Nachauflage die Höhe des Druckbildes und die der Einstiche der Fadenheftung nicht übereinstimmten. Somit war bewiesen, dass es sich um eine korrekte Neuproduktion handelte. Zur Dokumentation erstellte die fogra Aufnahmen der Falzbogen, bei denen aus beiden Produktionen das Druckbild und die Einstiche der Fadenheftung gegenübergestellt wurden.

Der auftraggebende Verlag war letztlich erleichtert, dass die Tests belegten, dass keinerlei Manipulation vorlag und er weiterhin vertrauensvoll mit der Druckerei zusammenarbeiten konnte.


Ursachen & Abhilfen

  • Schon durch kleinere Mängel im Druckbild, etwa unterschiedliche Butzenbildungen oder andere Markierungen, lassen sich Drucksachen oftmals einer ganz bestimmten Auflage zuordnen.
  • Buchbinderische Details, etwa die Einstiche einer Fadenheftung, variieren bei unterschiedlichen Auflagen.

Verschiedene Druckauflagen sicher identifizieren

 

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