Praxisfall

Ungewöhnliche Fehlstellen im Zeitungsdruck

Wie Eintagsfliegen das Anzeigengeschäft von Tageszeitungen beeinträchtigen können.

Von Georg Pantel

 

Tageszeitungen erscheinen in der Regel an Wochen­tagen. Sie enthalten aktu­elle Informationen aus Po­litik, Lokalem, Wirt­schaft, Sport und vieles mehr. Daneben werden Anzeigen von Firmen und Privat­personen in einer Zeitung platziert. Sie stellen für den Verlag die wichtigste Einnahmequelle dar. Umso wichtiger ist daher, dass die Qualität stimmt. In diesem Fall entstanden urplötzlich denkwürdige Formen auf der Anzeige. Wie kam es dazu und wie kann man solche Fehlstellen vermeiden?

Die Vergrößerung des Fehlerbildes zeigt die Form
Die Vergrößerung des Fehlerbildes zeigt die Form

Anzeigen stellen für Verleger von Tageszeitungen ein wichtiges finanzielles Standbein dar. Sie haben aber dann erst die gewünschte Wirkung, wenn sie neben einem guten Layout, einer interessanten Botschaft auch eine gute Erscheinung im Druck aufweisen. Wird eine Anzeige nur unzureichend wiedergegeben, kann es zu einer Reklamation des Anzeigen­auftraggebers kommen.

Fallbeispiel
Ein Anzeigenkunde platzierte in regelmäßigen Zeitabständen in einer Tageszeitung stets die gleiche An­zeige. Bisher hatte der Kunde keinen Grund zur Beanstandung. Bei einer Ausgabe jedoch fiel dem Kunden auf, dass mitten in seiner Anzeige eine partielle Störung des Druckbildes auftrat. Er stellte fest, dass dieser Fehler offensichtlich in einem großen Teil der Ausgabe auftrat. Er wandte sich an den Zei­tungsverlag mit der Bitte, festzustellen, was als genaue Ursache des Fehlers in Frage kommt. Zu Untersuchungszwecken erhielt die fogra vom Verlag zehn der beanstandeten Exemplare.

Bei Betrachtung der Exemplare bestätigte sich, dass die partielle Druck­störung stets an gleicher Stelle der Vierfarbabbildung vorhanden war. Offensichtlich wurden nicht alle vier Farben einwandfrei wieder­gegeben.

Visuelle Beurteilung

Um genaue Hinweise zu erhalten, wurde mit einem Mik­roskop das Fehlerbild stark ver­größert und davon eine Aufnahme erstellt. Aus der Abbildung kann Folgendes festgestellt werden:

  • Die Form der Druck­störung erinnert an ein Insekt. Deutlich ist ein Insektenbein zu erkennen.
  • Das Insekt ist offensichtlich bei laufendem Druckbetrieb in ein Druckwerk geraten und hat zu dem Fehler geführt.
  • Die Rasterpunkte Schwarz, Ma­genta und Gelb werden einwandfrei wiedergegeben.
  • Die Rasterpunkte Cyan fehlen gänzlich.
  • Das Insekt muss also in das Cyan­werk geraten sein.


Fazit

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass weder das eingesetzte Material noch die Druckmaschine und ihre Einstellung für den Fehler verantwortlich zu machen sind. Es handelt sich hierbei also um eine nicht vorhersehbare Einwirkung von außen. Allerdings hätte der Drucker den Fehler während der Produktion beim regelmäßigen Kontrollieren der Auflage zeitnah entdecken und den Fremdkörper im Cyanwerk entfernen können.

Wie zu erfahren war, stellte der Anzeigenkunde keine Forderungen an Verlag und Druckerei, da er in der Vergangenheit mit der Druckqualität stets zufrieden war.

Ursachen & Abhilfen

  • Selbst mysteriöseste Phäno­mene haben meist handfeste Ursachen. In diesem Fall konnte ein vorwitziges Insekt in das Cyanwerk gelangen und das Duckbild beeinträchtigen.
  • Hier hilft nur regelmäßige und gründliche Kontrolle während der Produktion und das Entfernen des Fremdkörpers aus dem Farbwerk.

 

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